Erstellt am: 04.08.2021, Autor: ps

Luftwaffe testet Meteor an Eurofighter

Eurofighter Typhoon mit Meteor

Eurofighter Typhoon mit Meteor (Foto: Bundeswehr)

Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 übernimmt im Zusammenhang mit einem der modernsten Luft-Luft-Lenkflugkörper der Welt eine tragende Rolle und testet die Meteor Lenkwaffe.

Als erstes Geschwader haben die Neuburger mit Eurofightern Flugversuche mit Meteor unternommen – ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Einsatzbereitschaft des Allrounders für den Fernkampf in der Luft.

Mit der baldigen Übernahme von Meteor bekommt die Luftwaffe die Möglichkeit, im Bereich Beyond Visual Range (BVR) die Luftüberlegenheit im Kampf um die Lufthoheit noch mehr auszuspielen. Durch diese Option gewinnen die Eurofighter-Pilotinnen und -Piloten einen erheblichen taktischen Vorteil. Denn jetzt können sie Ziele in der Luft bekämpfen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, sondern erstmal nur über Radar erfasst werden können.

„Genau für diese Fähigkeit wurde Meteor beschafft“, bestätigt Major Michael Kruse*. Der 31-jährige Eurofighter-Pilot ist Teil des Teams, dass das Projekt zur Einführung von Meteor in der Luftwaffe begleitet. Er ist Angehöriger des TaktLwG 74. Seine Aufgabe besteht darin, die neue Software P2Eb auf Herz und Nieren im Flugbetrieb zu testen.

„Mehr Sicherheit und Schutz im Luftkampf“

Eine Besonderheit, die Meteor ausmacht, ist der Staustrahlantrieb, der sogenannte Ramjet. Mit ihm kann der Lenkflugkörper mehr Treibstoff transportieren – ohne zusätzlichen Oxidator. Denn der Antrieb nutzt Sauerstoff aus der Umgebungsluft. „Der Ramjet hat außerdem den großen Vorteil, dass Meteor auch im Endanflug noch genug Leistung hat, um ein manövrierendes Ziel effektiv zu bekämpfen. Hier kommen wir in Bereiche, in denen die Luftwaffe von der Reichweite her bis dato noch nicht vorgedrungen war. Für den Piloten bedeutet das mehr Sicherheit und Schutz im Luftkampf“, erklärt Major Kruse.

Wie ein Dachgepäckträger am Auto

Bevor Meteor erfolgreich in die Luftwaffe integriert werden kann, muss das Team um Major Michael Kruse zunächst folgende Dinge prüfen: Erstens, ob die Herstellerangaben beim Eurofighter hinsichtlich der neuen Softwarestände den tatsächlichen Werten entsprechen. Zweitens, welche Auswirkungen Meteor auf das Flugverhalten und den Treibstoffverbrauch des Eurofighters hat.

Denn im Vergleich zur bisherigen Bewaffnung des Eurofighters, etwa mit AMRAAM, ergeben sich durch die Aufrüstung mit dem neuen Lenkflugkörper Meteor auch bauliche Änderungen am Jet. Das wiederum beeinflusst unter anderem das Flugverhalten. „Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Auto und haben einen Dachgepäckträger angebracht. Da werden Sie zunächst feststellen, dass sich der Luftwiderstand erhöht und somit auch der Verbrauch Ihres Autos. Und genau solche Verbrauchswerte haben wir im Vorfeld in Simulationen mit unserer Missionsplanungssoftware berechnet und überprüfen sie mit den Flugversuchen“, sagt Major Kruse.

Zwar unterscheidet sich der Luftwiderstand im Vergleich, beispielsweise zur AMRAAM, kaum. Denn die Parameter von Meteor mit einer Länge von knapp 3,70 Metern und einem Gewicht von etwa 180 Kilogramm ähneln denen der AMRAAM. „Wir brauchen aber die genauen Verbrauchswerte, um unsere Reichweite und maximale Flugzeit mit der Waffenbeladung exakt zu kalkulieren“, so der Pilot.

Der erste Tragversuch

Die ersten Tragversuche mit Meteor dienten vor allem dazu, das Flugverhalten und den Treibstoffverbrauch des Eurofighters mit dem Luft-Luft-Lenkflugkörper ausgiebig zu testen. Dafür haben die Piloten verschiedene Szenarien in der Luft durchgespielt. Dabei sind sie in unterschiedlichen Höhen und mit verschiedenen Geschwindigkeiten geflogen.

Das Ergebnis

„Nach dem etwa eineinhalbstündigen Erstflug hatten wir alle Daten, die wir brauchten, um die vorab errechneten Werte mit den tatsächlichen, erflogenen vergleichen zu können“, sagt Kruse. Das Ergebnis: „Alles lief wie geplant. Sämtliche notwendigen Werte sind erfüllt.“ Damit sind die nötigen Anforderungen erfüllt und Meteor kann nach den noch ausstehenden Verifikationsflügen reibungslos in die Luftwaffe integriert werden. Sofern auch die erfolgreich verlaufen.

Waffensystemunterstützungsteam Kampflugzeuge – Die Prüfer

Die Verantwortung für den Test von Meteor auf Herz und Nieren hat das Waffensystemunterstützungsteam Kampflugzeuge aus dem benachbarten Manching. Sie haben die Grundlagen für die Einsatzprüfung geschaffen. So braucht es vorab festgelegte Parameter anhand deren die Ergebnisse der Erprobung gemessen und bewertet werden können. Dabei arbeitet die Prüfstelle eng mit den Verantwortlichen im Neuburger Geschwader zusammen.

Die Spezialisten am Boden

Auch am Boden finden die Vorbereitungen für die Einführung von Meteor statt. So ist beispielsweise die Wartungs- und Waffenstaffel des TaktLwG 74 damit beschäftigt, die Wartungscrews soweit vorzubereiten und auszubilden, dass der An- und Abbau der Meteor reibungslos funktioniert.

Mittels baugleichen und maßstabsgerechten Nachbauten ohne Antrieb und Gefechtskopf, sogenannten Dummys, muss jeder Wart ein eintägiges Training durchlaufen. Dabei gewinnen die Techniker erste Erfahrungen im Umgang mit der Meteor und der dazugehörigen Vorschriftenlage. Das wiederum ist wichtig damit sie handlungssicher im Umgang mit dem neuen Lenkflugkörper sind. Außerdem sollen so Fehler im Umgang mit Meteor und Beschädigungen daran oder am Eurofighter vermieden werden. 

Dabei will auch das Anbringen von Meteor am Eurofighter gelernt sein. Dazu setzen sich die Warte mit den Sicherheitseinrichtungen und den gefährlichen Zonen der Luft-Luft-Bewaffnung auseinander. „Damit im Laufe der Zeit das hier erlernte Wissen auch nicht verloren geht, muss jeder Wart die Ausbildung halbjährlich wiederholen“, erklärt Hauptfeldwebel Arthur K.

Er hat als erster Wart die Tragflüge präpariert und mit seinem Team die Meteor am Eurofighter angebaut. „Für die Meteor wurde unter anderem ein neues Belade- und Transportgerät, das VAP-60, eingeführt. Auch hier muss die Bedienung sitzen“, so der Techniker. Am Rumpf des Eurofighters befinden sich insgesamt vier Stationen, an denen Meteor befestigt werden kann. „Mit der Umstellung auf P2Eb wurden auch leichte bauliche Veränderungen durchgeführt. Dadurch haben wir die Möglichkeit, entweder die AMRAAM aber auch die Meteor am Rumpf zu befestigen“, erläutert der Spezialist. Dazu nutzen die Warte das Beladegerät VAP-60 mit dem sie den Lenkflugkörper unter die jeweilige Rumpfstation fahren, anheben und befestigen. Anschließend koppeln sie die Rakete mittels einer Steckverbindung mit dem Flugzeug, ehe sie im Wartungscomputer als Bewaffnung hinterlegt wird.

Flexibilität und Variabilität

Es ist geplant, die Einsatzprüfung von Meteor noch diesen Sommer abzuschließen. Wird der neue Luft-Luft-Lenkflugkörper dann von der Luftwaffe übernommen, bleiben AMRAAM und IRIS-TInfra-Red Imaging System – Tail/Thrust Vector controlled trotzdem ein wichtiger Bestandteil des Waffensystems Eurofighter.

Mit Meteor wird der Waffenmix komplettiert. Somit verfügt zukünftig jeder Eurofighter je nach Erfordernis über die optimale Bewaffnung. Damit sind die Pilotinnen und Piloten effektiver, flexibler und variabler in ihren Handlungsmöglichkeiten im Einsatz. Denn je nach Notwendigkeit können sie nun auch durch eine Kombination der verschiedenen Bewaffnungen individuell auf unterschiedliche Szenarien reagieren. Für mehr Sicherheit im deutschen Luftraum und im Luftraum unserer Verbündeten.

*Name aus redaktionellen Gründen geändert

Florian Herrmann Deutsche Luftwaffe

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