Erstellt am: 20.11.2011, Autor: rk

Signale aus dem Weltall erhöhen GPS Genauigkeit

Skyguide

Die Schweizer Flugsicherung skyguide hat auf den Flugplätzen von St.Gallen-Altenrhein und Les Eplatures bei La Chaux-de-Fonds erstmals Anflugverfahren eingeführt, die auf Daten des europäischen Satellitensystems EGNOS zurückgreifen.
 
Die neuen satellitengestützten Anflugverfahren wurden im Rahmen eines Forschungsprogramms der Europäischen Kommission entwickelt und von skyguide und der EU-Kommission gemeinsam finanziert. Das Programm will Erfahrungen sammeln mit der Entwicklung und Nutzung von EGNOS-basierten Flugverfahren und deren Einführung in Europa vorantreiben. Die Flugwege bleiben die gleichen wie mit dem bestehenden Anflugverfahren.
 
Das europäische Satellitensystem EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service) ist ein Ergänzungssystem, das die Genauigkeit und Zuverlässigkeit von Satellitennavigationssystemen wie dem GPS deutlich erhöht. Es wurde im Oktober 2009 in Betrieb genommen und ist seit März 2011 auch für die Luftfahrt zugelassen. Die Schweiz ist nach Frankreich das zweite Land in Europa, welches Anflugverfahren auf der Basis von EGNOS einführt. Die neuen Anflugverfahren auf den Flugplätzen St.Gallen-Altenrhein (Piste 10) und Les Eplatures (Piste 24) wurden im Rahmen eines Forschungsprogramms der Europäischen Kommission entwickelt, an welchem unter anderem skyguide beteiligt ist.
 
Verschiedene satellitengestützte Anflugverfahren
 
Flugzeuge, welche die neuen, EGNOS-basierten Anflugverfahren nutzen wollen, benötigen spezielle Bordinstrumente zum Empfang und zur Auswertung der Signale. Bisher verfügen erst wenige Luftraumbenutzer über die entsprechenden Instrumente. Die anderen können mit dem zweiten satellitengestützten Verfahren anfliegen, das skyguide zeitgleich mit dem EGNOS-basierten Anflugverfahren auf den Flugplätzen St.Gallen-Altenrhein und Les Eplatures eingeführt hat. Auch dieses zweite Verfahren bedingt zwar eine spezielle Ausrüstung an Bord - darüber verfügt heute jedoch eine grosse Mehrheit der Luftraumbenutzer. Dieses zweite Verfahren ist allerdings weniger präzis als das EGNOS-basierte und als das konventionelle Landeverfahren mittels Instrumentenlandesystem (ILS), denn es beruht ausschliesslich auf GPS-Signalen. Es kann deshalb bei schlechter Sicht nicht zum Einsatz kommen. Das ILS wird weiterhin in Betrieb sein - eine vollständige Ablösung ist erst längerfristig vorgesehen.
 
Satelliten- statt bodengestützte Navigation
 
Anflüge auf Flugplätze stützen sich seit Jahrzehnten auf das Instrumentenlandesystem (ILS), das mit Leitstrahlen vom Boden aus eine exakte horizontale und vertikale Führung der Flugzeuge erlaubt. Mit der neuen, satellitengestützten Navigationstechnologie können die Flugzeuge unabhängig von Bodeninstallationen anfliegen: die Piloten nutzen Satellitensignale zur Positionsbestimmung. Flugzeuge folgen dabei einer Reihe fixer Wegpunkte im dreidimensionalen Raum.
 
Innovationsplattform für die Einführung satellitengestützter Verfahren
 

Die gesammelten Erfahrungen werden auch für die weitere Anwendung der neuen Navigationstechnologie in der Schweiz von Nutzen sein. Im Rahmen der Innovationsplattform "CHIPS" arbeitet skyguide mit verschiedenen Partnern an der Entwicklung und Einführung von satellitengestützten Navigationsverfahren. Diese Plattform beinhaltet aktuell über 20 Projekte an 15 Standorten in der ganzen Schweiz. Bereits eingeführt wurden je ein GPS-basiertes Anflugverfahren auf dem Flughafen Zürich und auf das Inselspital in Bern.

EGNOS

 

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