Erstellt am: 26.02.2013, Autor: rk

Debrief, Tu-204 Unfall in Moskau Wnukowo

Aviapress

Die russischen Unfallermittler haben erste Details zu dem Unglück einer Tupolev Tu-204 von Red Wings, die bei der Landung am 29. Dezember 2012 auf dem Flughafen Moskau Wnukowo vollständig zerstört wurde, bekanntgegeben.

Das moderne Verkehrsflugzeug aus russischer Produktion wurde während dem Landeanflug auf die Piste 19 mit einer Landeklappenstellung von 37 Grad korrekt konfiguriert, die Vorflügel waren ebenfalls korrekt ausgefahren. Im Endanflug beim Überfliegen der Landebahnschwelle war die Tu-204 mit 140 Knoten gut 27 Knoten schneller als die vorgeschriebene Referenzgeschwindigkeit von 113 Knoten, die überhöhte Geschwindigkeit führte zu einer langen Landung. Die Maschine setzte 900 bis 1000 Meter nach dem Pistenanfang auf, das ist knapp nach der regulären Aufsetzzone. Die Tu-204 hätte in den verbleibenden 2000 Metern problemlos abgebremst werden können.
 
Bei der Betätigung des maximalen Umkehrschubs wurde dieser nicht nach vorne geleitet, sondern ganz normal nach hinten ausgestossen, dies führte dazu, dass die Tu-204 nach der Landung wieder beschleunigte. Die Piloten gingen daraufhin mit dem Schubhebel wieder auf Nullschub zurück und betätigten noch einmal die volle Umkehrschubleistung, die erneut nicht richtig ansprach und die Maschine wieder beschleunigte. Das Problem lag darin, dass die Tu-204 wegen des ruppigen Querwindes von rechts zuerst mit dem linken Hauptfahrwerk aufsetzte und nur von diesem ein positives Aufsetzsignal (Weight on Wheel) an die Computer meldete, dadurch wurden die Bremsklappen (Spoilers) nicht automatisch ausgefahren und auch der Umkehrschub konnte nicht korrekt aktiviert werden. Durch die hohe Rollgeschwindigkeit von 110 bis 130 Knoten und dem verhältnismässig starken Querwind war die Tu-204 um die Längsachse sehr unstabil, es kam nie dazu, dass beide Weight on Wheel Schalter ein positives Landesignal an die Computer signalisierten. Die Zeit lief im Cockpit davon und die Piste wurde immer kürzer, zu diesem Zeitpunkt verblieben der Cockpit Besatzung noch rund 900 Meter um die Maschine abzubremsen.
 
An diesem entscheidenden Punkt hätten die Piloten mit Vollschub einen Durchstart einleiten müssen, nur so hätte der Totalschaden mit fünf Toten verhindert werden können. Der verbleibende Bremsweg von rund 900 Metern hat nicht mehr gereicht, das Linienflugzeug zu stoppen. Die Cockpit Crew hat kurz vor dem Überrollen des Landebahnendes die beiden Triebwerke noch abgeschaltet. Die Tu-204 schoss mit fataler Folge über das Pistenende hinaus und wurde vollständig zerstört.
 
Nachdem die Tu-204 über das Landebahnende hinausschoss signalisierten ironischerweise die beiden Weight on Wheel Schalter am Hauptfahrwerk ein positives Landesignal an die Computer, die Spoilers wurden daraufhin automatisch ausgefahren und auch die mechanische Umkehrschubvorrichtung wurde in die korrekte Position gestellt.
 
Ein ähnlicher Unfall ereignete sich 1993 mit einem Lufthansa Airbus A320 in Warschau, hier hatten die Bordcomputer wegen der nassen Landebahn auch nie ein positives Weight on Wheel Signal signalisiert bekommen, dadurch funktionierten die Bremsen und der Umkehrschub nicht richtig. Auch in diesem Fall hätte der Unfall nur durch ein positiv eingeleitetes Durchstartverfahren verhindert werden können.
 
 
Capt. Robert Kühni

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