Erstellt am: 12.04.2021, Autor: ps

Bodenabfertiger kritisieren Politik

Bodensee Airport

Bodensee Airport (Foto: Bodensee Airport)

Der Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) wirft der Politik die massive Gefährdung der Funktionsfähigkeit des Luftverkehrs vor.

Sie habe bei den Beschlüssen über die Flughafen Beihilfen nicht berücksichtigt, dass der Luftverkehr von den Dienstleistungen der Bodenabfertigungsunternehmen abhänge. „Minister Scheuer wollte sich offenbar nicht an seine Zusage während des Luftverkehrsgipfels am 6. November 2020 erinnern, alle Beteiligten im System Luftverkehr bei den staatlichen Hilfen zu berücksichtigen“, so Thomas Richter, Vorsitzender des ABL. „Mittlerweile stehen mehr als tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel – und der Luftverkehr droht zusammenzubrechen.“

„Der Minister hatte sogar ausdrücklich zugesagt, dass die privaten Bodenabfertigungsdienstleister einbezogen würden“, so Richter weiter. Nun sollen Corona-Finanzhilfen des Bundes und der Länder lediglich an die Flughafenbetreibergesellschaften fließen. Nicht berücksichtigt hätte die Politik dabei, dass sehr viele Flughafenbetreiber die unverzichtbaren Bodenabfertigungsdienste gar nicht selbst ausüben. „Das tun die privaten Dienstleister und zum Teil Tochterunternehmen der Flughafenbetreiber“, erläutert Richter. Diese Unternehmen übernehmen für die Flughafenbetreiber die wesentlichen Bestandteile der Betriebspflicht und damit die Aufrechterhaltung der Dienstleistungen am Boden, ohne die es keinen Luftverkehr gibt.

Die Unternehmen der Bodenabfertigung kritisieren zudem die Landesregierungen: „Auch in einigen Ländern scheint das Bewusstsein, dass eine weitere Tätigkeit der Abfertigungsunternehmen sowie tausende von Arbeitsplätzen gefährdet sind, nicht vorhanden zu sein“, betont Richter. Die Politik sonne sich mit Pressemitteilungen über Milliarden-schwere Beihilfen an die Wirtschaft, ohne sich über deren Wirksamkeit im Detail Gedanken zu machen. Die Abfertigungsunternehmen stellten trotz des dramatisch gesunkenen Flugaufkommens bisher Arbeitskräfte und Equipment im notwendigen Umfang bereit und sicherten dieses für die Zeit nach Corona. Die notwendigen Kosten dafür würden durch die niedrigen Einnahmen bei Weitem nicht gedeckt.

Einige der privaten Bodenverkehrsdienstleister mussten Corona-bedingt bereits Stellen abbauen. Die aktuellen Quartalsabschlüsse ließen Schlimmes befürchten, erläutert Richter.

„Bereits eine Corona-Hilfe von weniger als 100 Millionen Euro für die Abfertigungsunternehmen kann das Überleben von Unternehmen und die weitere Existenz von Arbeitsplätzen sichern“, so der Verbandsvorsitzende. Ohne die Bodenabfertigung sei kein schneller Transport lebensnotwendiger Impfstoffe und kein moderner Außenhandel mehr möglich.

Über den ABL

Der Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) e.V. wurde im April

2018 gegründet. Die Verbandsmitglieder decken die gesamte Bandbreite der Dienstleistungen bei den

Bodenabfertigungsdiensten ab und beschäftigen insgesamt rund 10.000 Mitarbeiter. Der ABL ist aus der Motivation heraus entstanden, sich für sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze in der Bodenabfertigung stark zu machen. Tarifpolitisch setzt sich der ABL für einen allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrag zur nachhaltigen Gewährleistung fairer Löhne und Wettbewerbsbedingungen ein. Gegenüber der Politik tritt der ABL für gesetzliche Rahmenbedingungen zur Gewährleistung eines funktionierenden Luftverkehrssystems ein.

Die Bodenabfertigungsdienstleister sorgen unter anderem für das Verladen von Gepäck, Fracht und Post, die Beförderung der Passagiere ins Flugzeug, die Unterstützung beim Einparken, das Schleppen der Flugzeuge hin zur und weg von der Parkposition sowie das Betanken der Flugzeuge. Zudem gehören die gesamte Fluggastbetreuung wie das Check-In und die Bordkarten-Kontrolle dazu, genauso wie der Wasser- und Toilettenservice, das Enteisen der Flugzeuge, die Kühlung und das Beheizen der Kabine.

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