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Boulton Paul P.94
Boulton Paul P.94
Die Auswertung der ersten Ergebnisse des Einsatzes der Boulton Paul P.82 Defiant gegen die einfliegenden Verbände der deutschen Luftwaffe zeigte, das das Konzept eines Jägers, bei dem die gesamte Bewaffnung in einem angetriebenen Drehturm konzentriert war, im praktischen Einsatz nicht brauchbar war und wenn es Erfolge gab, war dies mehr die Ausnahme als der Regel. Deshalb wurden schließlich auch bis Ende 1942 alle Defiants aus dem Einsatz gezogen.
Bei Boulton Paul war man der Meinung, mit einem schwer bewaffneten einsitzigen Jagdflugzeug wesentlich erfolgreicher zu sein und so begann man sich mit dem Umbau der P.82 Defiant in einen einsitzigen Jäger zu beschäftigen.
Man wollte lediglich den Drehturm entfernen und das Hinterteil der Kabine neu gestalten, gleichzeitig untersuchte man die Möglichkeiten, eine schwere Bewaffnung im Tragflügel unterzubringen. Hierbei betrachtete man zwei Varianten, einmal 12 7,62 mm Maschinengewehre Browning 0.3 mit je 300 Schuss oder vier 20mm Maschinenkanonen British Hispano mit je 70 Schuss und vier 7,62 mm
Maschinengewehre Browning 0.3 mit je 500 Schuss. Für den ersten Prototyp entschied man sich für die Variante mit den 12 Maschinengewehren. Zum Umbau stand der erste Prototyp der P.82 Defiant mit der militärischen Kennung K 8310 zur Verfügung. Angetrieben wurde die Maschine von einem flüssigkeitsgekühlten 12 Zylinder V Motor Rolls Royce Merlin III mit 1.065 PS Startleistung. Der Erstflug der P.94 fand am 16.August 1940 statt und verlief erfolgreich. Den zweiten Prototyp rüstete man mit einem Rolls Royce Merlin XX aus und als Bewaffnung wollte man hier die zweite Variante mit Maschinenkanonen und Maschinengewehren realisieren. Da aber bei Boulton Paul wegen der Kriegslage ein Mangel an qualifizierten Personal und vor allem erfahrenen Testpiloten herrschte und vor allem die lebensnotwendigen Spitfire in Lizenz gebaut wurden, war keine Zeit und kein Personal zur weiteren Erprobung des ersten Prototyps vorhanden. Der zweite Prototyp wurde nicht mehr fertig gestellt. Anfang 1941 wurde das Projekt eingestellt und die beiden Prototypen später verschrottet.
Boulton Paul P.94 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Boulton Paul P.94 Prototyp K8310
Verwendung: Jagdflugzeug
Baujahr: 1940
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: ein flüssigkeitsgekühlter 12 Zylinder V Reihenmotor Rolls Royce Merlin III mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller Hamilton
Startleistung: 1.065 PS (784 kW)
Dauerleistung: 1.030 PS (758 kW) in 4.530 m
Spannweite: 11,99 m
Länge: 10,77 m
größte Höhe: 3,45 m
Propellerfläche: 10,46 m²
Spurweite: 3,52 m
Flügelfläche: 23,23 m²
V-Form: +1,5°
Streckung: 6,19
Leermasse: 2.520 kg
Startmasse normal: 3.244 kg
Startmasse maximal: 3.460 kg
Tankinhalt: 620 Liter
Flächenbelastung: 148,95 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,25 kg/PS (4,41 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 552 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.530 m: 611 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 486 km/h
Landegeschwindigkeit: 135 km/h
Gipfelhöhe: 9.800 m
Steigleistung: 12,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 5,0 min
Steigzeit auf 6.000 m: 12,0 min
Reichweite normal: 700 km
Reichweite maximal: 850 km
Flugdauer: 1,75 h
Bewaffnung: zwölf 7,62 mm Maschinengewehre Browning 0.3 mit je 300 Schuss
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