Autor: rk

Aktuelle Lage im Segelflugzeugbau

Zukunft des Segelflugzeugbaus in Deutschland
FliegerWeb wollte mehr wissen zur aktuellen Lage des Segelflugzeugbaus in Deutschland und befragte deshalb bei der diesjährigen Luftfahrtausstellung Aero 2009 in Friedrichshafen namhafte Flugzeughersteller in Deutschland. Darunter Alexander Schleicher, DG-Flugzeugbau, Schempp-Hirth und Lange Aviation. Im nachfolgenden Bericht geht es um den Standpunkt der einzelnen Firmen in der Zukunft und um den Segelflugzeugbau in Deutschland allgemein.
Alle drei Firmen bekräftigten unsere Meinung, dass die Tendenz im
Segelflugzeugbau stark in Richtung Turbo geht. Konkret heisst das, dass ein Segelflugzeug ohne Motor für autonomen Start oder als Heimkehrhilfe, stark an Marktwert verlieren wird. Das liegt daran, dass immer weniger Piloten bis spät abends auf dem Flugplatz bleiben wollen, um bei eventuellen Aussenlandungen los zu fahren und den Kollegen auf dem Acker zu holen. Allgemein wollen die meisten immer weniger am Vereinsleben teilnehmen, sondern sehen den Flugplatz nur noch als Startplatz und nicht mehr als „Zeit-verbring-Platz“.
Antares 20E von Lange Aviation (Bild: Lange Aviation)

Ein Segelflugzeug mit entsprechend starkem Motor, um ohne Winde oder Schleppflugzeug starten zu können, wird immer wichtiger in Zukunft. Deshalb gibt es von allen Herstellern auch ein breites Angebot an solchen Modellen. Paradebeispiel spielen dabei die Flugzeuge von Lange Aviation. Sie sind alle mit einem Elektromotor ausgestattet, welcher laut Hersteller mit einer Steigleistung von rund 4 m/s und langen Laufzeiten, robuster Bauweise und unkomlizierter Wartung den herkömmlichen Verbrennermotoren den Rang ablaufen wird. Die Akkus des Motors sind innerhalb von 9 Stunden voll geladen. Damit ist Lange Aviation Vorreiter in der Entwicklung neuer Antriebskonzepte.
Der Arcus von Schempp-Hirth (Bild: Johannes Klaiber)

Die Bedeutung des Elektromotors zeigt auch die Kooperation von Lange Aviation mit Schempp-Hirth für das Antriebskonzept des neuen 20-m-Doppelsitzers Arcus
(Frohe Botschaft für den Segelflug). Durch seine Wölbklappen ist er eine interessante Alternative für Vereine, aber auch für Haltergemeinschaften. Neu bei Schempp-Hirth ist auch der Ventus 2cxa mit einer Turbine als
Antrieb. Der Rumpf bietet sehr wenig Platz, deshalb wurde hier eine Turbine als Antrieb ausgewählt. Innovationen werden laut Tilo Holighaus, Geschäftsführer von Schempp-Hirth, immer wichtiger: „Ein Discus kann nicht durch einen leicht veränderten Discus ersetzt werden.“ In immer kürzeren Intervallen muss der Hersteller Neuheiten vorstellen, um am Ball zu bleiben.
Turbinenantrieb des Ventus 2cxa (Quelle: Pressebilder Aero 09)

Die Segelflugvereine verzeichnen einen Mitgliederrückgang, deshalb müssen sie sich neu ausrichten und folglich auch ihre Flotte darauf anpassen. Die ASK-21 Mi spielt hier eine wichtige Rolle, denn sie ermöglicht den Fluglehrern durch ihre Selbststarteigenschaft und das bewegliche Bugrad unabhängige Schulung. Damit wird die Ausbildung zum Segelflugpilot noch effizienter.
Antrieb der ASK-21Mi (Bild: Johannes Klaiber)

Auch die Sicherheit von Segelflugzeugen ist in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt. Dabei wird es laut Michael Greiner schwierig für den Hersteller ein Flugzeug zu entwickeln, dass bei einem Unfall dem Piloten ein Maximum an Sicherheit bietet, gleichzeitig aber auch noch bezahlbar ist. DG-Flugzeugbau umgeht dieses Problem, indem die DG-800 für Komfort und Sicherheit steht und die LS-10 als reinrassiges Wettbewerbssegelflugzeug gebaut wird. Laut Friedel Weber, Geschäftsführer von DG-Flugzeugbau, gibt es eine starke Abgrenzung unter den Piloten zwischen dem Wettbewerbspiloten und dem Hobbypiloten. DG-Flugzeugbau ordnet sich eher in den Bereich Hobbypilot ein und steht für Sicherheit und Komfort. Weiterhin sagte Friedel Weber auch, dass Schempp-Hirth Flugzeuge eher für den Wettbewerb gedacht wären und Alexander Schleicher sich im Mittelfeld bewege. Grundsätzlich sei die Wahl des Herstellers bei einem Kauf aber eine reine Philosophie-Frage. Es bleibt also abzuwarten ob sich der Segelflug in den nächsten Jahren immer noch in Richtung Turbo/Selbststarter entwickelt, oder ob irgendwann reine Segelflugzeuge wieder wichtiger werden.
Ein Duo-Discus im Anflug zur Landung (Bild: Johannes Klaiber)
© Johannes Klaiber, fliegerweb.com

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