Autor: rk

Westland P.9 Whirlwind

Westland P.9 Whirlwind
Auf die Ausschreibung F.37/35 entwirft Westland das einsitzige Kanonenjagdflugzeug P.9 Whirlwind. Die Neuentwicklung sieht zwei flüssigkeitsgekühlte Zwölfzylinder V-Motoren vor um die Vorgaben einer hohen Reichweite möglichst gut zu erfüllen. Nach eingehender Prüfung bestellte das Kriegsministerium im Februar 1937 zwei Prototypen von denen sich die erste Maschine am 11. Oktober 1938 zu seinem Jungfernflug in die Lüften empor schwang. Nachdem das zweite Flugzeug seinen Erstflug absolvierte, bestellte das Luftfahrtministerium trotz den Problemen mit dem noch nicht  vollständig ausgereiften Rolls-Royce Peregrine Motors zwei Serienauflagen von je 200 Stück. Die ersten Serienflugzeuge wurden ab Juni 1940 erprobt. Als erste Staffel flog die 263. Squadron im Dezember 1940 den neuen Jagdeinsitzer. Das Flugzeug genoss unter den Staffelpiloten einen eher schlechten Ruf, da nach der Truppeneinführung mehrere Unfälle zu beklagen waren. Die Flugleistungen des ersten zweimotorigen Jagdeinsitzers der RAF waren im tiefen Höhenbereich als hervorragend zu bezeichnen.
Westland P.9 Whirlwind
Archiv: Robert Kühni
Gepaart mit einer hohen Tieffluggeschwindigkeit und der geballten Feuerkraft von vier Maschinenkanonen machte das Muster zum idealen Erdkämpfer. Die relativ hohe Landegeschwindigkeit erschwerte den Einsatz von kürzeren Landepisten und machte sie auch anfällig für Landeunfälle. Nach unterschiedlichen Quellen wurden von den 400 bestellten Maschinen nur 112 Einheiten ausgeliefert, nach Herstellerangaben verliessen mit den Prototypen insgesamt 116 Whirlwind die Fabrikhallen von Westland. Die Produktion wurde im Dezember 1941 eingestellt. Als Begleitjäger bewährte sich die Whirlwind wegen der schlechten Höhenleistungen im Kriegseinsatz nicht.

Der Erfolg blieb bei dem Westland Whirlibomber leider aus
Sie wurden 1941 bei einigen Tageseinsätzen gegen Ziele in den Städten Antwerpen und Köln als Begleitjäger für Blenheim Bomber eingesetzt. Die einmotorigen Jagdflugzeuge verfügten für solche Einsätze über eine zu geringe Reichweite. Nachdem man diese Jagdflugzeuge mit Unterflügelaufhängungen für zwei 250 lb (113 kg) oder 500 lb (227 kg) Bomben ausrüstete, flogen sie intensive „Rhubarb“- Einsätze gegen Bodenziele an der französischen Atlantik- und Kanalküste, bei denen sich die hervorragende Bewaffnung und die hohe Tieffluggeschwindigkeit bestens bewährte. Zahlreiche Luftkämpfe im tieferen Höhenbereich zeigten, dass die Whirlwind den deutschen Jagdflugzeugen durchaus gewachsen war. Im Sommer 1943 erhielten die zwei einzigen „Whirlibomber“ Staffeln die neuen Typhoon Jagdbomber. Leider liess Rolls-Royce die Weiterentwicklung des Perigrine Triebwerks zugunsten des Merlin Motors fallen, sodass die Westland Whirlwind nur eine kurze Karriere als Jagdeinsitzer und Jagdbomber bei der RAF frönte. Als einziges Flugzeug überlebte die Firmenmaschine von Westland den Krieg, leider wurde die G-AGOI 1947 der Entsorgung zugeführt.
Prototyp Westland P.9 Whirlwind
 
2 Bilder Archiv: Robert Kühni
Das neue Flugzeug besticht äusserlich durch die wuchtigen Motorgondeln die weit hinunterreichend in die Tragflächenhälften eingebaut sind. Die Motoren reichen weit nach vorne und bilden mit der Rumpfspitze eine Linie. Ein weiteres Konstruktionsmerkmal sind die vier Hispano-Suiza Mk I Kanonen deren Läufe weit aus der schlanken Rumpfnase ragen. Die Cockpithaube verleiht dem Flugzeugführer eine fast perfekte Rundumsicht. In einer Zeit wo das visuelle Aufspüren des Gegners höchste Priorität hatte waren solch gute Sichtverhältnisse bei den Konkurrenzmodellen noch keine Selbstverständlichkeit. Der Flügel hat eine Doppeltrapezform und ist konventionell aufgebaut. Der Rumpf ist vorne elegant geformt und verläuft gegen hinten fast Kastenförmig in das Seitenleitwerk aus. Hinter dem Cockpitbereich wurde im englischen Flugzeugbau erstmals Magnesium anstelle von Aluminium Beplankungen verwendet. Das Höhenleitwerk wurde im oberen Drittel des Seitenleitwerks platziert, damit sich die Starteigenschaften der Maschine nicht verschlechterten.

Technische Daten Westland P.9 Whirlwind (Wirbelwind)
Westland P.9 Whirlwind (Wirbelwind)
Archiv: Robert Kühni
Verwendung: Einsitziges Jagdflugzeug und Jagdbomber
Antrieb: 2 Rolls-Royce Peregrine I
Startleistung: je 885 PS bei 3500 U/min
Oder je 885 PS auf 15'000 Fuss
Besatzung 1 Mann

Länge:

9,83 m

Höhe:

3,30 m

Flügelfläche:

23,2 m²

Leergewicht:

3770 kg

Startgewicht:

5170 kg

Flächenbelastung:

229 kg/m²

Maximale Geschwindigkeit:

579 km/h auf 15'000 Fuss

Landegeschwindigkeit:

130 km/h

Steiggeschwindigkeit:

9,6 m/s

Steigzeit auf 20'000 Fuss:

8,6 min

Dienstgipfelhöhe:

9150 m, 30'000 Fuss

Reichweite:

1300 km

 
Bewaffnung: 4 Hispano 20 mm Bordkanonen ind der Rumpfnase (Total 240 Schuss, pro Kanone 60 Schuss)
2 Bomben 250 lb (115 kg) oder 500 lb (230 kg)
 

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