Autor: jkla

SR-71 Blackbird

Lockheed SR-71 Blackbird
Die Lockheed SR-71 Blackbird ist in der Zeit des kalten Krieges entstanden. Angeblich soll die amerikanische CIA den Bau dieses Flugzeuges veranlasst haben. Clarence Johnson, damaliger Leiter der Lockheed-Gruppe für komplizierte Entwicklungsprojekte, gab bekannt, dass ein Langstrecken-Abfangjäger geplant war. Die US Air Force soll eine Höhe von mindestens 32.310 m verlangt haben, um der Flugabwehr am Boden auszuweichen. Um dieses ambitionierte Projekt bewarben, sich Lockheed, Boeing, General Dynamics und North American. Der Auftrag wurde dann schliesslich Lockheed erteilt. Die Probleme denen sich Lockheed nun gegenüberstellen musste, übertrafen alles je dagewesene. Zur Erinnerung: Im Jahre 1958, hatte Lockheed gerade erst mit der Auslieferung der F-104 begonnen. Sie erreichte eine Höhe von 18.290 m und konnte nur einige Minuten Mach 2 fliegen. Lockheed sollte aber nun ein Flugzeug entwerfen, dass mit Mach 3 fliegen konnte. Die hohen Geschwindigkeiten waren aber nur in sehr grossen Höhe möglich, da hier der Luftwiderstand kleiner ist. Ein solches Flugzeug zu bauen, bedeutete völlig neue Materialien zu verwenden. Diese mussten den hohen Temperaturen über längere Zeit standhalten können. Dieselben hohen Anforderungen wurden natürlich auch an Triebwerk und Avionik gestellt. Man kann also sagen, dass das Flugzeug von Grund auf neu konstruiert werden musste und deshalb alles bisher dagewesene in den Schatten stellte.
SR-71 Blackbird
Bild: Lockheed Martin

Das Flugzeug sollte eine hohe Reichweite haben, um lange Aufklärungsflüge zu absolvieren. Deshalb musste Lockheed das Flugzeug so entwickeln, damit es einen niedrigen Widerstand im Reiseflug hatte. Das lies sich natürlich nur realisieren, wenn auf andere Aspekte verzichtet wurden. Zum Beispiel die Wendegeschwindigkeit und die Startleistung. Ein niedriger Widerstand bei Mach 3, bedeutet eine Deltaflügel-Form. Es war ein riesiger Rumpf nötig, um die erforderliche Menge an Treibstoff mit zu nehmen. Der Rumpf wurde in die Tragfähigkeit miteinbezogen, sodass durch die  Kimmen zusätzlichen Auftrieb erzeugt wird. Die esten Probleme stellten sich Lockheed bei den Temperatureinwirkungen auf den Rumpf. Bei Reisegeschwindigkeit erreichte der Rumpf eine Temperatur von etwa 230 °C. An den Vorderkanten bis zu 425 °C. Am hinteren Teil des Flugzeuges an den Triebwerken stieg die Temperatur sogar auf 480-595 °C. Bei minimaler Einstellung des Nachbrenners für den Reiseflug glühten die Stahltrohre der Triebwerke weiss. Um diese Probleme zu bewältigen, baute Lockheed den Rumpf zu 93% aus einer speziellen Titanlegierung. Sogar der Treibstoff ist anders, als bei konventionellen Flugzeugen. Es handelt sich um JP-7. Er zeichnet sich durch einen sehr niedrigen Dampfdruck aus und eignet sich deshalb sehr für den Betrieb unter hohen Temperaturen. Wegen der hohen Temperaturen auf der Aussenhaut des Rumpfes, erhielt dieser längs verlaufende Rillen, um die Ausdehnung zu verhindern. Auch der Lack wurde den hohen Temperatureinwirkungen angepasst. Er strahlt zweieinhalb mal soviel Wärme aus wie unlegiertes Titan. Dies hat eine Temperaturreduzierung von 14-28 °C zur Folge.
SR-71 Blackbird mit Crew auf dem Rollfeld
Bild: Lockheed Martin

Das J58 Triebwerk hat einen hohen Anteil an Titanbauteilen. Das Besondere daran ist, dass die Zündung von Triebwerk und Nachbrenner chemisch, statt elektrisch stattfindet, weil der Treibstoff bei normaler Temperatur nicht verdampft. Er würde nicht einmal Feuer fangen, wenn man ihn anzünden würde. Für die chemische Zündung wird Triäthylboran verwendet. Es erzeugt eine Verbrennung, sobald es mit dem JP-7 Treibstoff in Verbindung kommt. Am 26. April 1962 führte das erste Flugzeug seinen Jungfernflug durch. Das war bereits 32 Monate nach der Vertragsunterzeichnung von Lockheed. Aufgrund des riesigen Landbesitzes des amerikanischen Verteidigungsministeriums, war eine vollständige geheime Flugerprobung möglich. Die Existenz des Flugzeuges wurde erst zwei Jahre später bekanntgegeben. Die SR-71 des 9th SRW (Strategic Reconnaissance Wing) haben zahlreiche Rekorde aufgestellt. Am 26. April 1971 benötigte eines dieser Flugzeuge für 24.140 km gerade einmal 10 Stunden und 30 Minuten. Das Flugzeug flog mit einer Geschwindigkeit von Mach 3, wenn es nicht gerade aufgetankt wurde.
Stosswellendiamanten, im Abgasstrahl
Bild: Lockheed Martin

Varianten des Flugzeuges:
A-11: erstes Modell, 18 davon wurden gebaut
YF-12A: von den 18 A-11 wurden 3 zu YF-12A umgerüstet; mit diesem Modell wurde das Potential als Abfangjäger erprobt
YF-12C: längerer Rumpf und zweites Cockpit, als YF-12A; wurde als Prototy für die SR-71A verwendet
SR-71A: Standart Aufklärversion, es sollen 31 Maschinen gebaut worden sein, 2 davon wurden für die Entwicklung der SR-71B verwendet
SR-71B: für das Pilotentraining gebaute Version mit erhöhtem Cockpit
SR-71C: das gleiche Flugzeug wie SR-71B, es wurde nur eine Version gebaut; hatte wahrscheinlich andere Standartausrüstungen.
SR-71 Blackbird beim Abheben
Bild: Lockheed Martin

 
Technische Daten Lockheed SR-71 Blackbird

Hersteller: Lockheed, USA


Herkunftsland: USA


Verwendungszweck: strategischer Höhenaufklärer


Antrieb: 2 Pratt & Whitney J58 Strahltriebwerke, jeweils 144,57 kN Schub


Erstflug: 22. Dezember 1964

Betreiber: US-amerikanische Luftstreitkräfte

Rekorde:
20. Juli 1963 Groom Lake; Lockheed A-12 (Oxcart) "Cygnus" 606924 Mach 3,0+

November 1963 Groom Lake; Lockheed A-12 (Oxcart) "Cygnus" 606924 Mach 3,2 Höhe horizontal 24 km

1. Mai 1965 Edwards AFB; Lockheed AF-12 YF-12 "Blackbird" 606934 + 606934 Vmax 3750 km/h IR=2718,006 km/h (1000km) WR=3331,507 km/h

27. Juli 1976 Beal AFB; Lockheed SR-71A (RS-17) 617958 3367,221 km/h Mach 3,2 über 1000 km WR

28. Juli 1976 Beal AFB; Lockheed SR-71A (RS-17) 617959 3529,000 km/h Mach 3,36 über 16,1 km WR

Schema eines Aufklärungsfluges
Bild: Johannes Klaiber
Spannweite: 16,94 m
Länge: 32,74 m
Höhe: 5,64 m
Leermasse: 27.214 kg
Maximale Startmasse: 77.112 kg
Maximale Geschwindigkeit: 3529 km/h (Mach 3,36)
Dienstgipfelhöhe 24.385 m
Maximale Flughöhe: 26.213 m
Maximale Reichweite: 4830 km (ohne Nachbetankung)
© Johannes Klaiber, fliegerweb.com

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