Autor: ps

Zum Hornet Absturz am Hinter Tierberg

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Am 29. August 2016 zerschellte eine F/A-18C der Schweizer Luftwaffe an einer steilen Bergflanke des Hinter Tierberg, der Pilot kam dabei ums Leben.


Über den Unfallhergang und vor allem die Ursache kann die Schweizer Luftwaffe noch nicht viel sagen, es liegen noch zu wenig greifende Fakten vor, die das tragische Unglück erklären könnten. Eine Unfalluntersuchung wird jedoch auch bei diesem Flugzeugabsturz Klarheit schaffen. Die F/A-18C, das C steht für einen Einsitzer, startete um 16 Uhr 01 vom Flugplatz Meiringen in Richtung Osten zu einem regulären Übungsflug. Beim Unfallflugzeug handelte es sich um die Nummer zwei, die erste Hornet ist fünfzehn Sekunden zuvor gestartet. Ob sich die zwei Maschinen nach dem Start zu einer engen Formation zusammengeschlossen haben, wurde von der Luftwaffe nicht bekanntgegeben. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass sich die beiden Jets auf einem Abflug nach Instrumenten befanden. Wir nehmen an, dass die beiden Jets nicht in einer engen Formation geflogen sind. Normalerweise dreht man nach dem Start in Meiringen mit einer leichten Rechtskurve noch unter Sichtbedingungen ins Haslital ein und steigt dann, das kann bei schlechtem Wetter auch in den Wolken sein, auf eine Höhe von rund 4.500 bis 6.000 Meter. Eine F/A-18C kann das in weniger als einer Minute und dreissig Sekunden schaffen, dann hat der Pilot mit seinem Kampfjet eine sichere Flughöhe erreicht. Warum die Hornet nach rund 4 Minuten auf 3.300 Meter in eine Flanke des Hinter Tierberg krachte, ist noch unklar und muss untersucht werden. Es ist jedoch bereits heute sicher, dass die Maschine in diesem Gebiet zu tief war oder sich auf einem falschen Weg befand.

Die Unfallstelle liegt südlich vom Sustenpass in unwegsamen Gelände. Die F/A-18C krachte mit enorm hoher Geschwindigkeit in die Westflanke des Hinteren Tierberg, der Pilot hatte keine Chance den Schleudersitz zu ziehen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Hornet ein technisches Problem hatte, der Flugzeugführer hätte das gemerkt und wäre bei einem ernsthaften Notfall ausgestiegen, mit dem Schleudersitzausstieg hätte er sein Leben gerettet.

Von Interesse sind nun die aufgefundenen Flugzeugteile vor allem für die Militärjustiz, welche die Unfalluntersuchung leitet. Diese können unter Umständen Aufschluss über die Absturzursache geben. Weitere wichtige Hinweise erhoffen sich die Ermittler von dem Datenschreiber. Ob und in welchem Zustand dieser gefunden werden kann, ist derzeit jedoch noch offen. Die Untersuchung wird bestimmt mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Sechs Fragen an Capt. Robert Kühni

Sind die F/A-18 Hornet Kampfjets sicher?

RK: An dieser Stellle möchte ich zuerst mein tiefes Beileid an die Angehörigen des noch jungen Piloten und auch an seine Staffelkollegen aussprechen.

Bei der F/A-18 Hornet, wie wir sie in der Schweiz fliegen, handelt es sich um eines der besten und modernsten Kampfflugzeuge, das man heute bewegen kann. Technisch gelten die Jets als zuverlässig und ausfallsicher.

Warum hat sich der Pilot nicht mit dem Schleudersitz gerettet?

RK: Der Pilot hat wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass er in dieser Flugphase in einen Berg fliegt, ich denke, dass er in einer Wolke flog und die Kollision gar nicht mehr realisierte. Der Aufprall war so heftig, dass man davon ausgehen kann, dass der Jet in einer sehr hohen Geschwindigkeit in die Bergkette raste. Es war zu spät, den Schleudersitz zu betätigen.

Das Wetter war schlecht, könnte das eine Rolle gespielt haben?

RK: Ich habe die aktuellen Wetterdaten zum Unfallzeitpunkt nicht gesehen, es musste aber ziemlich schlecht gewesen sein, sonst hätte man die Absturzstelle mit den Suchhubschraubern bereits am Montagabend gefunden. Die Hubschrauber mussten wetterbedingt jedoch am Boden bleiben. Das wolkenverhangene Wetter wird eine grosse Rolle gespielt haben. Aber hier muss eine Untersuchung zeigen, was wirklich schief gelaufen ist.

Können die F/A-18 Jets bei schlechtem Wetter nicht fliegen?

RK: Eine F/A-18 kann bei jedem Wetter fliegen. Es ist aber nicht ganz einfach in schwierigem Gelände, bei schlechtem Wetter zu fliegen, wenn man das nicht gewissenhaft macht und sicher beherrscht, dann ist schnell etwas passiert. Ich nehme aber an, dass unsere jungen Militärpiloten für solche Aufgaben gut vorbereitet sind. Aber auch hier muss die Untersuchung zeigen, warum der Jet in einen Berg rast, der nicht unbedingt ins Schema eines Sichtwegfluges aus Meiringen heraus mit anschliessendem Wechsel auf Instrumentenflug passt.

Muss man wegen diesem Unfall die Kampfflugzeugbeschaffung beschleunigen?

RK: Nein, die Schweizer Luftwaffe hatte eine seriöse Evaluation mit drei europäischen Kampfjets gemacht und das Volk hat nein zur Gripen Beschaffung gesagt. Bevor man jetzt einen neuen Kampfjet beschafft, muss sich die Politik erst einmal überlegen, wie man eine solche Beschaffung beim Volk durchbringt. Es muss unbedingt vermieden werden, dass wieder das Volk gegen ein neues Kampfflugzeug stimmt. Ich hätte den Gripen gerne in unserer Luftwaffe gesehen.

Wie lange können die F/A-18 noch fliegen?

RK: Die Hornet ist ein sehr eindruckvolles und leistungsstarkes Kampfflugzeug, unsere F/A-18C und D Hornets werden wahrscheinlich noch für mehr als zwanzig Jahre im Einsatz bleiben. Also, diese Jets machen es noch lange. Bei unserem Tiger drängt sich jedoch langsam eine Ersatzbeschaffung auf, die Flugzeuge sind immer noch schön, aber bald 40 Jahre alt. Technisch gesehen waren die F-5E Tiger II selbst bei der Beschaffung nie so fortschrittlich, wie es die F/A-18C auch heute, nach bald zwanzig Jahren, immer noch ist.

Abschliessend möchte ich noch festhalten, dass es mir für den jungen Piloten, der Familie und dem ganzen Militärpiloten Corps leid tut. Unserer Luftwaffe wünsche ich mehr Glück, als sie es in den letzten drei Jahren hatte.

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