Erstellt am: 05.11.2015, Autor: js

Spekulationen um Metrojet A321 Absturzursache

A321-200 Metrojet

A321-200 Metrojet (Foto: Viktor Gula)

Der Absturz des russischen Metrojet Airbus A321 wirft viele Fragen auf, rasche Untersuchungsresultate von den ausgewerteten Daten des Flugschreibers und Cockpit Stimmenrekorders können jedoch erwartet werden.

Die Fachwelt und Untersuchungsbehörden des Metrojet Unfalls rätseln über die Ursache der Absturzursache des Airbus A321 über der Sinai Halbinsel. Offensichtlich liefern die ausgewerteten Informationen vom Flugdatenschreiber keine schlüssigen Resultate. Unklar ist, in welchem Umfang die Gespräche vom Cockpitstimmenrekorder zu gebrauchen waren, nach offiziellen Angaben wurde dieser relativ stark beschädigt und die Auswertung der Aufzeichnungen ist schwierig oder nur teilweise möglich, da Teile davon beim Absturz zerstört wurden.

Man kann davon ausgehen, dass ein schweres technisches Problem oder sogar ein Explosionskörper den Airbus zum Absturz brachte. Spekuliert oder im Fokus der Untersuchungen steht auch eine Reparatur aus dem Jahre 2001/2002, diese wurde nach einer starken Beschädigung wegen einer misslungenen Landung mit Heckberührung (Tailstrike) ausgeführt. Die Reparaturarbeiten wurden nach Angaben der Fluggesellschaft Metrojet von Airbus ausgeführt und sollten den Jet in seiner Integrität nicht eingeschränkt haben.

Der betroffene Airbus hatte bereits mehr als 55.000 Flugstunden in seinem Flugbuch und mehr als 14 Jahre nach dieser grossen Reparatur immer makellos funktioniert. Ganz ausschliessen kann man dabei jedoch nicht, dass sich dort im Heckbereich rascher Ermüdungserscheinungen einstellten und zu einer Desintegration beim Leitwerk des Airbus Verkehrsflugzeuges in der Luft führte und dadurch den Absturz der Maschine herbeiführte.

Falls die Piloten nach einem technischen Problem, zum Beispiel an einem der beiden Triebwerke, die Maschine unwillentlich in einen überzogenen Flugzustand manövriert und dabei die Kontrolle über das Flugzeug verloren hätten, dann wüsste man dies wahrscheinlich schon nach den ersten Grobauswertungen der aufgezeichneten Daten auf dem Flugschreiber. Diese These oder Spekulation kann bei Metrojet Flug 7K-9268 schon fast ausgeschlossen werden.

Grossbritannien hat am Mittwoch alle Linienflüge nach Scharm el Scheich eingestellt, auch Irland hat Flüge nach Ägypten eingeschränkt. Auf der grünen Insel war die Unglücksmaschine zugelassen. Grossbritannien hat zudem bei britischen Linienflugzeugen, die in Ägypten in Richtung Heimat fliegen wollen, verschärfte Kontrollen angeordnet. Diese Massnahmen kommen nicht aus heiterem Himmel, die Ermittler vermuten bereits in diesem frühen Untersuchungsstadium, dass ein Explosionskörper (Bombe oder sonst etwas, das nicht in ein Flugzeug gehört) den Airbus dermassen stark beschädigt haben könnte, dass er noch in der Luft auseinandergebrochen ist und abstürzte. Diese These wird im Untersuchungsteam sehr ernst genommen, es würde auch nicht erstaunen, wenn im ägyptischen Scharm el Scheich eine Bombe auf das Flugzeug geschmuggelt wurde.

Das Bodenpersonal wurde von den ägyptischen Behörden bereits einvernommen, das Resultat der Untersuchung ist noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Ein Abschuss durch eine Boden-Luft-Lenkwaffe wird von den Ermittlern gänzlich ausgeschlossen.

Vier Fragen an Capt. Robert Kühni

FW: Könnte das Flugzeug nicht wie MH17 abgeschossen worden sein?

RK: Zum ersten möchte ich mein Bedauern ausdrücken, ich hoffe, dass die Absturzursache rasch gefunden werden kann. Ein Abschuss durch eine gelenkte Luft-Boden-Rakete schliesse ich aus, es ist unwahrscheinlich, dass militante Terroristen auf der Sinai Halbinsel über solch hochkomplexe Waffen verfügen, die in der Lage sind, Linienflugzeuge auf ihrer Reiseflughöhe abzuschiessen.

FW: Warum kann ein Flugzeug im Reiseflug einfach so abstürzen?

RK: Ein Flugzeug stürzt nie einfach so ab, dieser Fall  ist wahrscheinlich komplexer als man denkt, bei schönem Wetter ohne Sturm und starken Turbulenzen ist es äusserst unwahrscheinlich, dass ein Verkehrsflugzeug einfach so abstürzt. Die Piloten mussten wahrscheinlich mit einem komplexeren Problem kämpfen, das schliesslich zum Absturz führte. Die Unfallermittler werden die Ursache aber zweifellos herausfinden.

FW: Könnte es sein, dass die Maschine schlecht gewartet war?

RK: Ich nehme an, dass Metrojet ihre Flugzeuge nach den internationalen Vorgaben gewartet hat, daher schliesse ich einen Absturz wegen schlampiger Wartung aus.

FW: Was halten sie von der These, dass die Maschine in der Luft auseinandergebrochen ist?

RK: Dies würde auf ein technisches Problem hindeuten, das nicht zu kontrollieren gewesen wäre. Falls die Maschine im Heckbereich tatsächlich auseinandergebrochen ist, müssten drei Möglichkeiten im Fokus der Ermittlungen stehen.

1.Die Maschine ist wegen eines abrupten Steuerausschlages am Höhen- oder Seitenruder im Heckbereich dermassen stark beschädigt worden, dass sie nicht mehr steuerbar war und abstürzte.

2. Die Reparaturarbeiten aus dem Jahre 2001/2002 führten zu unerwarteten Ermüdungserscheinungen und haben aus noch nicht verständlichen Gründen zu einer Desintegration der Maschine geführt.

3. Eine Bombe, die in einem Essens-Trolley oder in einem Gepäckstück in Scharm el Scheich ins Flugzeug gekommen ist und  auf der Reiseflughöhe explodierte und dort zu einer Bruchstelle im Heckbereich des Airbus A321 führte und die Maschine zum Absturz brachte. In diesem Fall müsste man auf dem Stimmenrekorder eine Explosion hören, dieser wurde jedoch beim Absturz beschädigt.

Falls der A321 tatsächlich in der Luft auseinandergebrochen ist, dann wird sich die Untersuchung über eine lange Zeit hinstrecken, der Airbus müsste aus den Trümmerteilen teilweise wieder zusammengebaut werden, damit eindeutige Bruchstellen ausgemacht werden könnten.

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