Erstellt am: 29.04.2016, Autor: ps

Luft- und Raumfahrtindustrie setzt Wachstumskurs fort

Airbus A380

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie hat sich im zurückliegenden Geschäftsjahr 2015, insgesamt betrachtet, sehr gut entwickelt.

Das Umsatzwachstum der Gesamtbranche betrug 8%, der Gesamtumsatz erreichte ein Allzeithoch von 34,7 Mrd. Euro (Vorjahr: 32,1 Mrd. Euro). Die Gesamtbeschäftigtenzahl verzeichnete ein leichtes Plus von 1% mit 106.800 direkt in der Luft- und Raumfahrt Beschäftigten (Vorjahreswert: 105.700). Dieser Wert kennzeichnet den Höchststand der Beschäftigtenzahl.

Der Exportanteil lag, gemessen am Umsatz der Gesamtbranche, bei 70%. Die Zivilluftfahrt ist das weiter an Bedeutung zunehmende, größte Einzelsegment der Branche. Global steigende Bestell- und Auslieferungszahlen führten zu einem Umsatzwachstum von rund 11% auf 25,3 Mrd. Euro. Der Personalanstieg betrug 1%. 75.000 Menschen arbeiten in diesem Segment.

Eine Stabilisierung verzeichnete die Militärische Luftfahrt mit einem Umsatzplus von 3%. Der Umsatz stieg auf 6,8 Mrd. Euro. Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich um 1% auf 23.000 Mitarbeiter.

In der Raumfahrt betrug der Umsatz wie im Vorjahr 2,5 Mrd. Euro, die Zahl der Arbeitskräfte lag ebenfalls konstant bei 8.500 Beschäftigten.

Die industrieeigenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen weiterhin auf sehr hohem Niveau. Sie umfassen ein Volumen von 4,2 Mrd. Euro; diese Zahl entspricht einem Anteil von 12% des Branchenumsatzes.

BDLI-Präsident Bernhard Gerwert erklärte: „Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie setzte auch im Jahr 2015 ihren Wachstumskurs fort. Dies gilt für die Systemhersteller und in besonderem Maße für unseren leistungsfähigen, spezialisierten Mittelstand. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erwirtschaftete unsere Industrie erneut ein Allzeithoch mit einem Umsatz von 34,7 Mrd. Euro. Die Zahl der Gesamtbeschäftigten erzielte mit 106.800 überwiegend hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenfalls einen Rekordwert. Diese in Summe positive Entwicklung ist Innovation und unternehmerischer Weitsicht sowie der Qualifikation und dem Engagement unserer Mitarbeiter zu verdanken.“

Zivile Luftfahrt

Die zivile Luftfahrt konnte sich auch im vergangenen Jahr sehr gut entwickeln. Weltweiter Mobilitätsbedarf und der Ersatz von älteren Flugzeuggenerationen mit hohem Kerosinverbrauch sind wesentliche Wachstumstreiber. Die positive Entwicklung des Dollarkurses begünstigte die hervorragende Entwicklung. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 11% auf 25,3 Mrd. Euro (Vorjahr: 23 Mrd. Euro). Mit 73% Anteil am Gesamtbranchenumsatz baut die zivile Luftfahrt ihre Stellung als größter Sektor der nationalen Luft- und Raumfahrtindustrie aus. Mit rund 75.000 Beschäftigten verzeichnete dieses Segment erneut einen leichten Personalanstieg von rund 1%.

„Die vorausschauende und zielorientierte Unterstützung und Förderung der Bundesregierung hat zu der positiven Entwicklung dieses Branchensegments aktiv beigetragen. Das Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo), dessen 20-jähriges Bestehen wir im vergangenen Geschäftsjahr begehen konnten, leistet einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im harten globalen Weltmarkt. Fördermittel werden langjährig und damit für die Industrie und Forschungslandschaft planbar zur Verfügung gestellt. Auch die Runden Tische, die das BMWi mit wesentlichen Akteuren der Branche initiiert hat, verfolgen das Ziel der Stärkung Deutschlands als weltweit führendem Luftfahrtstandort. Diese Unterstützung benötigen wir, damit auch in Zukunft viele Innovationen ‚Made in Germany‘ in Produkte der Spitzentechnologie und damit in Markterfolge umgesetzt werden können.“

Die globalen Marktprognosen, die bis 2030 eine Verdoppelung des weltweiten Flugzeugbedarfs bei einem durchschnittlichen jährlichen Luftverkehrswachstum von rund 5% sehen, geben den großen Zivilflugzeugherstellern und auch ihren Zulieferunternehmen eine langfristige Auslastungsperspektive. Volle Auftragsbücher und das Anheben der Produktionsraten bei allen Flugzeugherstellern trugen auch 2015 zum Umsatzwachstum bei.

Die Netto-Auftragseingänge beliefen sich bei Airbus am Ende des zurückliegenden Geschäftsjahres auf 1.080 Flugzeuge. Der Auftragsbestand von 6.831 Flugzeugen (Stand 31. Dezember 2015) entspricht einer Auslastung von fast einem Jahrzehnt. Das Auftragsvolumen umfasst ca. 950 Mrd. Euro.

Gerwert betonte: „Diese Auftragsreichweite, von der auch unsere Triebwerkhersteller und mittelständisch geprägten Zulieferunternehmen profitieren, sichert langfristig Arbeitsplätze. Sie stellt ein Alleinstellungsmerkmal unserer Branche dar.“

Die Entwicklungsleistungen für wichtige zivile und auch militärische Flugzeugprogramme wie A350 XWB oder A400M sind weitgehend abgeschlossen. Gerwert sagte: „Unsere Industrie investiert weiterhin – gerade auch im Vergleich zu anderen Industrien – stark in neue Technologien und Produkte in Hinblick auf die Entwicklung der nächsten Generation von Flugzeugen ebenso wie für Produktweiterentwicklungen für laufende Flugzeugprogramme wie A320neo und A330neo. Diese Investitionen in Schlüsseltechnologien bilden auch künftig die Basis des globalen Markterfolges unserer Branche.“

Voraussetzung für Produktweiterentwicklungen für das gesamte Flugzeugsystem sind signifikante Innovationen in Subsysteme.

Der aktuelle Übergang von A320 zu A320neo insbesondere mit dem Kraftstoff sparenden Geared Turbofan (GTF) belegt eine solche wegweisende Innovation.

Airbus Helicopters baute im Jahr 2015 seine Führungsposition aus mit einem Anteil von 45% auf dem zivilen und halbstaatlichen Markt weltweit.

Zulieferindustrie (zivil)

Die zivile Zulieferindustrie verzeichnet 2015 eine Wachstumsquote von 8,5%, so dass die gesamte Umsatzzahl auf 10,6 Mrd. Euro (Vorjahr: 9,83 Mrd. Euro) stieg.

Gerwert führte aus: „Die deutsche Zulieferindustrie partizipiert an dem Hochlauf der zivilen Luftfahrtzeug-Programme. Der Umsatzzuwachs von ca. 800 Millionen Euro liegt auch darin begründet, dass diese mittelständisch geprägte Industrie zunehmend Programmbeteiligungen auch außereuropäischer Flugzeughersteller gewinnt. Heute ist unsere Industrie an jedem der jährlich ca. 1.700 weltweit ausgelieferten Verkehrsflugzeuge mit Komponenten beteiligt.“

Der BDLI-Präsident konkretisierte weiter: „Den weltweiten Erfolg erzielen unsere im Hochlohnland Deutschland angesiedelten Unternehmen in einem harten internationalen Wettbewerb, in dem sie sich aufgrund ihrer starken Marktstellung in Technologie, Qualität und Zuverlässigkeit bewähren. Diese Wettbewerbsvorteile gilt es zu erhalten und gezielt auszubauen, auch durch das Luftfahrtforschungsprogramm.“

Militärische Luftfahrt

Der Umsatz in der militärischen Luftfahrtindustrie stieg um 3% auf 6,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,6 Mrd. Euro) und macht 20% des Gesamtbranchenumsatzes aus. Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich um 1% auf 23.000 Mitarbeiter.

Mit Blick auf die militärische Luftfahrtindustrie führte Gerwert aus: „Nach den zurückliegenden Jahren, die durch Rückgang bei Umsatz und Beschäftigung in diesem strategisch wichtigen Branchensegment gekennzeichnet waren, haben sich die Zahlen in der militärischen Luftfahrtindustrie im letzten Geschäftsjahr stabilisiert. Diese positive Entwicklung ist sicherlich auch dem verstärkten Bedarf bei Instandsetzung und Systembetreuung der fliegenden Waffensysteme geschuldet. In diesem Bereich besteht nach Beendigung des Beauftragungs-Stopps durch das BMVg im Jahre 2010 ein großer Aufholbedarf.“

Gerwert warnte: „Nichtsdestotrotz bleibt die militärische Luftfahrtindustrie das Sorgenkind unserer Branche. Die Situation bei unseren etwa 100 Mitgliedsunternehmen dieses Segments ist weiterhin angespannt. Auslaufende Großprogramme und fehlende Entwicklungsprogramme bedrohen die in den letzten Jahrzehnten aufgebaute Entwicklungs- und Systemfähigkeit, mit der eine Gefährdung unserer Wettbewerbsposition und internationalen Kooperationsfähigkeit einhergeht. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir ausdrücklich die im Januar 2016 veröffentlichte Militärische Luftfahrtstrategie des BMVg. Sie ist wichtiges Bekenntnis zur militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland und zeigt unseren Unternehmen den dringend benötigten klaren Handlungsrahmen mit langfristiger Planungssicherheit auf. Jetzt gilt es, diese Strategie mit Leben zu füllen und budgetär zu hinterlegen. Der BDLI steht hier zum verabredeten Dialog bereit.“

Erstmals habe dieses Segment in 2015 auch positive Signale verspürt, so Gerwert weiter, durch die Entscheidung zugunsten der wichtigen Entwicklungsvorhaben MALE und MEADS. Jetzt gelte es, diese Entscheidungen konkret umzusetzen.

Airbus Helicopters verbesserte seine Position im Segment der Militärhubschrauber auf Platz 4 weltweit mit einem in 2015 erzielten Marktanteil von 9%. Dieser führende Hubschrauber-Hersteller hat im Dezember 2015 die ersten beiden leichten militärischen Mehrzweckhubschrauber vom Typ H145M (LUH SOF) an die Bundeswehr übergeben. Die Helikopter werden bei der Luftwaffe in Laupheim stationiert und für das Kommando Spezialkräfte (KSK) in den Einsatz gehen. Die Bundeswehr hat als Erstkunde der H145M insgesamt 15 Exemplare des wendigen Modells bestellt.

Raumfahrt

Hinter der innovativen Schlüsseltechnologie-Branche Raumfahrt liegt wieder ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015. Der Umsatz blieb bei 2,5 Mrd. Euro und entspricht 7% des Branchenumsatzes. Die Beschäftigtenzahl lag ebenfalls konstant bei 8.500.

Auch im vergangenen Jahr stellte die europäische Trägerrakete Ariane 5 mit sechs erfolgreichen Starts ihre Zuverlässigkeit erneut unter Beweis. Bis zum heutigen Tag hat die Ariane 5 damit in Folge 71 Starts erfolgreich absolviert. Ariane 5 verfügt über 50% Marktanteil im kommerziellen Trägerraketengeschäft weltweit.

An diesen Erfolg soll die bei der ESA-Ministerratskonferenz im Dezember 2014 beschlossene neue Generation der europäischen Trägerrakete – Ariane 6 – anschließen.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat mit der deutschen Industrie Mitte 2015 einen Vertrag über die Entwicklung und Industrialisierung der zwei Versionen der Ariane 6 – Ariane 62 und Ariane 64 – unterzeichnet. Ziel sind der Erstflug der Ariane 6 im Jahr 2020 und die volle Einsatzfähigkeit ab dem Jahr 2023. Die Industrie übernimmt dabei die Verantwortung für die Konstruktion und die Vermarktung.

Gerwert sagte: „Die rund 200 mittelständisch geprägten Zulieferunternehmen ebenso wie der industrielle Hauptauftragnehmer profitieren von diesem Entwicklungsschritt unmittelbar: Hochwertige Arbeitspakete für die deutsche Raumfahrtindustrie sowie für die deutsche Forschung und Wissenschaft entstehen im Rahmen der Entwicklung und des Baus der Ariane 62/64. Der europäische unabhängige Zugang zum Weltraum ist damit auch langfristig gesichert, die internationale Wettbewerbsfähigkeit wird weiter ausgebaut.“

Kommerziell zugänglich wurde 2015 auch World DEM, das auf den Daten der deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X basiert und jedes andere heute verfügbare globale satellitenbasierte Höhenmodell der Erde qualitativ übertrifft.

Nach den Erfolgen der deutschen und europäischen Raumfahrt im letzten Jahr steht unsere Industrie auch in 2016 vor wichtigen Herausforderungen:

Der BDLI setzt auf die Fortsetzung des wichtigen strategischen Dialogs über die langfristige Ausrichtung der deutschen Raumfahrtpolitik. Es gilt insbesondere, gemeinsam den neuen Herausforderungen zu begegnen, die sich durch die sich wandelnde Raumfahrtlandschaft weltweit stellen. Durch US-amerikanische Wettbewerber und neue Akteure wird in Deutschland und Europa unter dem Schlagwort „New Space“ verstärkt die Kommerzialisierung in der Raumfahrt diskutiert. „Auf Basis der zur Kommerzialisierung in der Raumfahrt seitens des BMWi in Auftrag gegebenen Studie müssen gemeinsame Lösungsansätze gefunden werden mit dem Ziel, die deutsche Raumfahrt weiterhin wettbewerbsfähig aufzustellen“, erklärte Gerwert. „Die Industrie hat mit der Gründung des Unternehmens Airbus Safran Launcher und der Beteiligung an OneWeb wichtige Schritte hin zu mehr Kommerzialisierung unternommen. Entscheidend ist nun, entsprechende politische und rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen und gemeinsam Strukturen, Beschaffungsprozesse, Genehmigungsverfahren, Standards und Qualitätsanforderungen auf den Prüfstand zu stellen.“

Raumfahrt trägt entscheidend zur Lösung der globalen gesellschaftlichen Herausforderungen bei. „New Space“ bietet dafür ein zusätzliches neues Betätigungsfeld und neue Chancen. Allerdings ist und bleibt Raumfahrt stets Staatsaufgabe! Die deutsche Raumfahrtindustrie setzt daher insbesondere auch bei der nächsten ESA-Ministerratskonferenz im Dezember 2016 auf eine Fortsetzung der starken deutschen Beteiligung der vergangenen Jahre und eine konsequente Weiterführung der 2014 getroffenen Beschlüsse.

BDLI

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