Erstellt am: 16.08.2017, Autor: rk

Gedanken zur airberlin Pleite

airberlin Airbus A321

airberlin Airbus A321 (Foto: airberlin)

Leider musste die airberlin am 15. August 2017 einen Insolvenzantrag stellen, damit erklärte sich die Airline als Zahlungsunfähig.

Bei airberlin läuft vorerst alles weiter wie bisher, die Passagiere bleiben auf ihren Tickets nicht sitzen, wie es bei anderen Pleiten schon öfters vorgekommen ist. Wir unterstützen die Vergabe eines staatlichen Notkredits, damit der Flugbetrieb über die nächsten Monate weitergeführt und ordentlich heruntergefahren werden kann. Mit dieser einzigen richtigen Maßnahme endet der airberlin Bankrot wenigstens für die Passagiere mit einer sanften Landung.

Ryanair sieht das natürlich ganz anders und verschafft sich mit der airberlin Pleite sofort wieder großes mediales Gehör. Der verwöhnte Billigflieger aus Irland wird die Überbrückungskredite vehement anfechten und hat dies gerichtlich auch schon angemeldet. Konstruktiv ist das jedoch nicht und auch den betroffenen Kunden von airberlin kann Ryanair mit diesem Geplänkel nicht helfen. Ryanair hätte schon gar nicht die Kapazitäten dazu, um rasch in die Presche der am Boden bleibenden airberlin Maschinen springen zu können. Das Management von Ryanair wäre bestimmt nicht so selbstlos gewesen und hätte sich den gestrandeten airberlin Gästen angenommen, falls es bei der zweitgrößten Airline Deutschlands zu einem vollständigen Kollaps gekommen wäre.

Es wäre für Deutschlands Luftfahrtindustrie mehr als peinlich gewesen, wenn viele Millionen airberlin Ferienflieger an ihren Destinationen mit wertlosen Tickets auf Ersatzmaschinen hätten warten müssen. Die Ersatzflugzeuge stünden momentan nämlich gar nicht zur Verfügung. So ist es besser, dass man das ganze airberlin Debakel mit einem staatlichen Überbrückungskredit abfedert.

Es stellt sich nun trotzdem die Frage, warum airberlin in den sauren Apfel beißen muss und Bankrott gegangen ist. Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, wie es in einem solchen Fall ganz viele Experten probieren zu tun. Die Probleme bei airberlin nahmen so richtig an Fahrt auf, als man in das hart umkämpfte Langstreckengeschäft eingestiegen ist und zwar im Jahr 2007 mit der unglücklichen Übernahme des Lufttransportunternehmen LTU. Bereits 2006 kaufte airberlin zum Nulltarif die Deutsche BA, das ging noch halbwegs gut, obwohl auch diese Gesellschaft ziemlich schlecht dastand.

Neben LTU wurde im Jahr 2007 auch die Schweizer Belair vollständig in das Fluggeschäft von airberlin integriert. Die Belair funktionierte schon immer recht gut und war bestimmt nicht das große Sorgenkind der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands, obwohl sie es häufig so darstellte und der Belair damit das Leben nicht unbedingt leicht machte.

Bei der LTU mit ihren großen Langstreckenflugzeugen sieht das natürlich differenzierter aus. Langstrecke ist schon lange Low-Cost, damit lässt sich nur in einem gut funktionierenden Netzwerk Geld verdienen und genau dieses hatte airberlin nie. Punkt zu Punkt auf der Langstrecke geht nur auf wenig auserlesenen Strecken mit gutem Verkehrsaufkommen, Norwegian Air Shuttle zeigt uns seit geraumer Zeit, wie man es macht und zwar mit modernsten Boeing 787 Dreamliner.

Die LTU war seit Jahrzehnten eine Verlustgesellschaft, das haben ganz andere Pleitefluggesellschaften schon schmerzlich zu spüren bekommen. Diese Langstreckenübernahme hatte airberlin nie verdaut, die Finanzkrise mit den hohen Treibstoffpreisen ließ alle Fluggesellschaften nicht kalt, diese kann man jedoch für den schlechten Geschäftsgang bei airberlin in den Jahren 2008, 2009 und 2010 nicht alleine verantwortlich machen. Die richtig großen Verluste wurden ab dem Jahr 2011 eingeflogen und dieser kontinuierliche Cash Abfluss verkraftet keine Unternehmung auf die Dauer, so auch die airberlin nicht.

Mit der Etihad Airways konnte man gleichen Jahres einen Finanzstarken Partner an Bord nehmen, dieser vermochte die Verluste von airberlin regelmäßig zu decken. Spätestens im Sommer 2016 wurde jedoch klar, dass Etihad die Führung wechselt und damit auch die Strategie. Die Beteiligungen an diversen europäischen Airlines wurde unter dem neuen Management in Frage gestellt und schließlich wurden die Verluste auch der aufstrebenden Golf Airline zu bunt. Bei airberlin wurde im Sommer 2017 der Geldhahn zugedreht und schon folgte die Zahlungsunfähigkeit bei der Airline.

Der fatalste Fehler von airberlin war jedoch die fehlende Strategie, ab 2006 wollte man von allem ein bisschen etwas machen, die Folge davon war, dass man nichts richtig machte. airberlin verzettelte sich und es fehlte an guten Ideen, wie man es richtig macht. Das Management wechselte häufig und fand nie eine Antwort auf die anstehenden Probleme. Schlussendlich suchte man das Glück mit den Langstreckenflügen ab Düsseldorf und Berlin, das Kurzstreckengeschäft überließ man zu großen Teilen unter ACMI Verträgen der Lufthansa.

Wir hoffen nun, dass für airberlin unter der Lufthansa Gruppe eine gute Lösung gefunden werden kann und möglichst viele Arbeitnehmer ihren Job behalten können. Als Ferienflieger verfügt airberlin immer noch über ein sehr interessantes Streckennetz zu vielen Mittelmeerdestinationen, davon kann Lufthansa stak profitieren und sich in diesem Geschäft über die Tochter Eurowings noch besser positionieren. Eine Rettung durch Lufthansa scheint uns der einzig richtige Weg zu sein. Die Wettbewerbshüter haben ja auch die Übernahme von Swiss, Austrian und Brussels Airlines abgenickt und diese hätten viel mehr Diskussionsstoff für Wettbewerbsverzerrung in sich enthalten.

Capt. Robert Kühni

Kommentare

Anzeige
FliegerWeb on Facebook:
empfohlen
 
 

Back to Top