Erstellt am: 08.02.2017, Autor: js

Deutsche Flughäfen präsentieren solides Jahr

Flughafen Frankfurt

Flughafen Frankfurt (Foto: Fraport)

Der Flughafenverband ADV hat am 7. Februar die detaillierten Jahreszahlen 2016 zur Verkehrsentwicklung an den deutschen Flughäfen vorgestellt.

Die Verkehrsbilanz zeigt: Flughäfen in Deutschland bleiben ein Wachstumsgarant auf dem Weg zu den erwarteten 300 Mio. Passagieren im Jahr 2030. Gleichzeitig belasten ordnungspolitische Einschränkungen das Wachstum an deutschen Flughäfen.

Die Einzelheiten

Die Gesamtbilanz 2016 der deutschen Flughäfen verzeichnet über 223 Mio. ein- und aussteigende Passagiere. Dem liegt eine Steigerung von +3,4% gegenüber dem Vorjahr zugrunde. In den letzten drei Jahren konnten die deutschen Flughäfen die Zahl ihrer Passagiere jährlich um 6 Mio. steigern. Die Entwicklung der wirtschaftlich bedeutenden Luftfracht stieg gleichzeitig um +3,4%. Diese Steigerungsraten bei Passagieren und Cargo gehen mit einem Wachstum der Starts und Landungen einher. Das Plus lag bei +2,0%.

Monat Dezember bringt stärksten Zuwachs

Insbesondere der Monat Dezember 2016 brachte einen beachtlichen Wachstumsschub zum Jahresende. Gegenüber dem Vorjahresmonat kam es bei der Zahl der Reisenden zu einem Zuwachs um +8,1% (an+ab). Ähnlich hoch viel der Dezemberzuwachs im Cargo-Bereich mit +7,8% (an+ab) aus.

Auffallend ist die deutlich ungleiche Verteilung über die Verkehrssegmente

Wachstumsmotor an den deutschen Flughäfen war 2016 erneut der Europaverkehr mit einem Anstieg der Reisenden von +4,6%. Die Wachstumsimpulse kamen von Airlines aus dem Ausland – vorwiegend aus dem Low Cost Segment. Die Zahl der Langstreckenverbindungen war an den deutschen Flughäfen rückläufig. Der Interkontverkehr ging an den Flughäfen 2016 um -0,2% zurück. Einen leichten Anstieg der Reisenden gab es 2016 bei den innerdeutschen Verbindungen mit +2,8%.

Deutliche Schatten in der Jahresbilanz

Die erfreuliche Gesamtjahresbilanz der Flughäfen wird deutlich relativiert. Fünf Bereiche bereiten dem Flughafenverband große Sorgen.

1. Deutschlands Flughäfen verlieren gegenüber europäischen Wettbewerbern Marktanteile. Das Passagierwachstum von +3,4% (an+ab) in Deutschland erweist sich als unzureichend beim Vergleich der Wachstumsraten im europäischen Ausland. Zum fünften Mal hintereinander liegt das Wachstum der Reisenden unter dem europäischen Durchschnitt.

2. Deutsche Flughäfen verlieren an internationaler Vernetzung. Konnektivität in der Langstrecke geht verloren. Der Rückgang bei den für die globale Vernetzung Deutschlands wichtigen Interkont-Strecken ist ein Alarmzeichen für den Wirtschaftsstandort. Konkurrierende europäische Luftverkehrsstandorte legen im Interkontinentalverkehr teilweise deutlich zu.

3. ADV-Analysen zeigen, dass ausländische Airlines im Vergleich zu deutschen Airlines fast doppelt so viel neue Strecken in den Markt einbringen. Nicht nur die deutschen Flughäfen, auch die heimischen Fluglinien verlieren Marktanteile.

4. Das Wachstum der Starts und Landungen von +2,0% führt dazu, dass sich bei einer Vielzahl der großen Flughäfen die Kapazitätsengpässe weiter verschärfen.

5. Nicht alle deutschen Flughäfen standen 2016 auf der Gewinnerseite. Über die Hälfte der als international klassifizierten Flughäfen mussten Verkehrsrückgänge hinnehmen. Zahlreiche Flughäfen konnten nicht vom Angebotsaufbau ausländischer Carrier im Europaverkehr profitieren. Standorte mit einem hohen Anteil an Touristikverkehren hatten mit starken Verkehrseinbrüchen zu kämpfen. Terroristische Anschläge in den touristischen Zielregionen (Türkei/Ägypten) führten zu Angebotsstreichungen.

Daher meint der ADV, dass der Handlungsbedarf größer denn je ist. Es sind demnach politische Weichenstellungen und Richtungsweisende Entscheidungen von Politik und Genehmigungsbehörden erforderlich, um weiteren Kapazitätsengpässen entgegenzuwirken. Für die Projekte an den Flughäfen München (3. Bahn) und Düsseldorf (Bahnkapazität) müssen die Ampeln auf Grün gestellt werden. Neue Slots für künftiges Wachstum müssen ermöglicht werden.

Weitere Langstreckenverbindungen an den deutschen Flughäfen werden nur angeboten, wenn deutsche Fluggesellschaften sich wettbewerbsstark aufstellen können und gleichzeitig den ausländischen Airlines Verkehrsrechte gewährt werden. Eine Politik, die unseren heimischen Airlines durch Steuern und Regulierungen Mühlsteine um den Hals legt und für Airlines aus Drittstaaten die Märkte abschottet, verfehlt ihre Ziele. Weder wird der Luftverkehr in Deutschland gestärkt, noch profitiert der Wirtschaftsstandort Deutschland von internationaler Konnektivität.

ADV

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