Erstellt am: 24.10.2019, Autor: rk

Boeing 737 MAX überfordert Behörden

Boeing 787-10 Erstflug Take Off

Boeing 787-10 Dreamliner Start zum Jungfernflug (Foto: Boeing)

Anstatt bei der Zertifizierung der Boeing 737 MAX besser hinzuschauen, sind die Luftfahrtbehörden heute hoffnungslos überfordert, die Boeing 737 MAX wieder in die Luft zu bringen.

Bei dem Design des Maneuvering Charactersitic Augmentation System (MCAS) hat Boeing zweifellos ganz schlecht gearbeitet, das dürfte bei einem der beiden ganz grossen Flugzeugbauer nicht passieren. Noch schlechter ist, dass dies von den Ingenieuren und Testpiloten nicht bemerkt und bemängelt wurde. Boeing musste innerhalb von fünf Monaten bei ihrem modernsten Schmalrumpfflugzeug Boeing 737 MAX zwei Abstürze mit 346 Toten hinnehmen, diese beiden Unfälle hätten nicht sein müssen. Die Boeing 737 MAX wurde Mitte März 2019 weltweit mit einem Flugverbot belegt, mehr als 380 Jets wurden damals gegroundet, heute sind bereits mehr als 700 Boeing 737 MAX am Boden. Das Debakel kostet Boeing Milliarden und könnte den weltweit grössten Flugzeugbauer an den Rand des Ruins treiben, wäre da nicht der Staat, der Boeing nie in den Bankrott schlittern lassen würde.

Trotz Nacharbeiten gelingt es Boeing nun fast nicht mehr, die Boeing 737 MAX wieder flugklar zu machen, da stellt sich doch langsam die Frage, warum das so ist. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde und die Europäische EASA haben gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, ein Flugzeugprogramm risikofrei zu begleiten, bei solch hoher Komplexität, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Wir hätten jedoch erwartet, dass die MCAS Flugsteuerungskomponente bei der Boeing 737 MAX Zertifizierung besser unter die Lupe genommen wird. Wie die beiden Unfälle zeigten, wurde das durch die zwei wichtigen Luftfahrtbehörden nicht gemacht. Bei Boeing und Airbus arbeiten wahrscheinlich die weltweit besten Luftfahrtingenieure, im Team Boeing ist ein so schwerwiegender Fehler passiert, dass ein systemischer Fehler im Zusammenspiel mit kritischen Sensoren und dem MCAS nicht bemängelt wurde.

Eine automatische Trimmsoftware, die ein Flugzeug mit einem Trimm Down Signal in einen Sturzflug manövrieren kann, das darf nicht vorkommen, aber genau das hat das MCAS in zwei Fällen gemacht. Das MCAS System wurde nun so ausgelegt, dass das nicht mehr passieren sollte und keine der beiden grossen Luftfahrtbehörden schenkt dem, nach allen Fehlern, die bei der Boeing 737 MAX Zertifizierung passiert sind, Glauben. Boeing steht nun unter enormen Druck, diese beiden grossen Behörden zu überzeugen, dass die modernste Boeing 737 sicher ist. Die Boeing 737 ist seit 1968 im Liniendienst und wurde immer wieder verbessert, man steht mit der MAX in der vierten Iteration. Für die FAA und die EASA ist die Situation auch nicht ganz einfach, sie haben es versäumt, bei dem ersten Absturz besser hinzuschauen, auch bereits bei der Zertifizierung hätte ein guter Ingenieur und Testpilot den Mangel beim MCAS entdecken und bemängeln sollen. Hinten nach ist man immer schlauer und jetzt schaut man natürlich viel genauer hin und die Boeing 737 MAX steht noch für viele weitere Monate am Boden.

Solche schweren systemischen Fehler, wie sie bei der Auslegung des MCAS passiert sind, lassen sich auch bei den weltweit grössten Flugzeugbauern nur durch gewissenhaftes und exaktes Arbeiten und nicht durch noch mehr unnötigen Papierkram und nichts bringende Kontrollen vermeiden.

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