Erstellt am: 15.02.2019, Autor: rk

Airbus nimmt A380 vom Markt

Airbus A380

Airbus A380 (Foto: Airbus SA)

Mit Wehmut hat Airbus Geschäftsführer Tom Enders vorgestern das Ende des Airbus A380 Superjumbo bekanntgegeben. Von einem Riesenflopp darf man beim A380 Programm aber nicht sprechen.

Es sind harte Fakten, die Airbus zu diesem Schritt gezwungen haben, 2021 soll der letzte Airbus A380 in Toulouse von der Endfertigung rollen. Der Airbus A380 wurde im Jahr 2001 als Prestigeobjekt lanciert, dabei ging es nicht in erster Linie darum, ein erfolgreiches Konkurrenzmuster zur Boeing 747 Jumbo Jet zu lancieren, vielmehr wollte der europäische Flugzeugbauer das Machbare im Flugzeugbau ausreizen. Bei dem A380 Superjumbo standen die Superlativen im Vordergrund, Europa wollte das größte Verkehrsflugzeug auf der Welt bauen und das ist mit dem viermotorigen A380 gelungen.

Die Boeing 747 führte den US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing anfangs der 1970er Jahre fast in den Ruin, zum Glück flog und verkaufte sich der Jumbo gut. Dreißig Jahre vor dem A380 war es technisch noch nicht möglich, zweimotorige Flugzeuge in dieser Größenklasse zu bauen. Damals waren die Triebwerke noch nicht ausfallsicher genug und die Flugzeugindustrie technologisch noch nicht so weit. Die zweimotorigen Großraumflugzeuge schafften den wirklichen Durchbruch erst in den 1990er Jahren. Airbus legte mit dem zweimotorigen A330 vor und Boeing zog mit der noch größere Boeing 777 nach.

Der A380 verkaufte sich von Anfang an nicht so gut wie die Boeing 747, um die Jahrtausendwende haben sich die Zeiten in der Verkehrsfliegerei bereits geändert. Airbus setzte mit viel Mut und Risikobereitschaft trotzdem auf den A380. Das technologische Neuland reizte den europäischen Flugzeugbauer zu stark, als der Marktrealität Glauben zu schenken. Der A380 startete am 27. April 2005 im französischen Toulouse zu seinem Jungfernflug, die Superlativen mit einem Startgewicht von 560 Tonnen, einer Transportkapazität von 850 Leuten, einem Tankinhalt von mehr als 300.000 Litern und einer Reichweite von London nach Australien wurden dadurch Realität. Airbus konnte das größte Verkehrsflugzeug im Oktober 2007 dann an Singapore Airlines übergeben. Heute fliegen mehr als 240 Airbus A380 Superjumbos für vierzehn Fluggesellschaften im aktiven Linien- oder Charterdienst.

Wirtschaftlich von einem Flop zu sprechen wäre nicht richtig. Der Airbus A380 wurde für den europäischen Flugzeugbauer ganz klar nie zu einer Cash Cow und hat auch nie einen großen Gewinn abgeworfen. Airbus hat laut eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2015 beim A380 Programm die Gewinnschwelle erreicht. Nach rund 270 Superjumbos wird die A380 Produktion im Jahr 2021 nun mit einem weinenden Auge bei Airbus auslaufen, den riesengroßen Knowhow Gewinn kann dem europäischen Flugzeugbauer dabei aber niemand mehr streitig machen.

Für uns war schon immer klar, dass sich ein Airbus A380 oder eine Boeing 747 nur auf Rennstrecken mit großer Nachfrage rechnen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass der Luftverkehr weiter wächst und viele Hubs in Europa und den USA an den Kapazitätsgrenzen laufen. Ab diesen Flughäfen scheinen Langstreckenflüge mit kleinen Single Aisle Jets und hohen Frequenzen, keine Option zu Großraumflugzeugen zu sein. Wer weiß, vielleicht werden in zwanzig Jahren die Very Large Aircraft wieder ein Thema sein.

Capt. Robert Kühni

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