Erstellt am: 18.02.2011, Autor: rk

Air France kriegt schlechte Noten

CR Air France, Airbus A330

Nach dem AF447 Flugzeugabsturz über dem Südatlantik im Juni 2009 liess Air France eine Sicherheitsüberprüfung von acht externen Experten ausarbeiten, hier gab es schlechte Noten.
 
Die Fluggesellschaft Frankreichs musste zwischen 2000 und 2010 drei schwere Flugzeugunfälle hinnehmen. Bei dem Concorde Absturz im Sommer 2000 konnte man keine Fehler in der Flugoperation feststellen, solche, von äusseren Einflüssen herbeigeführten Abstürze sind auch in der modernen Luftfahrt nicht zu vermeiden. Bei dem Airbus A340-300 Landeunfall in Toronto konnte man jedoch bereits einige gravierende Mängel im Safety Verständnis von Air France feststellen, solche Landeunfälle sollten bei einer renommierten Fluggesellschaft nicht passieren. Bei dem AF447 Absturz über dem Südatlantik tappt man weiterhin im Dunkeln, die Ursache des fatalen Crashs, der 228 Menschenleben mit sich in den Tod gerissen hat, kann ohne den Datenschreiber und das Stimmenaufzeichnungsgerät wahrscheinlich nie aufgeklärt werden. Die Suche nach dem A330 Wrack wurde mittlerweile wieder aufgenommen, unter Fachleuten ist man sich jedoch einig, dass es nicht einfach sein wird, die relevanten Datenaufzeichnungsgeräte zu finden.
 
Nach dem AF447 Absturz beauftragt die Geschäftsleitung von Air France ein unabhängiges Expertenteam, das Spezialisten von acht führenden Autoritäten zur Hand hatte, die Fluggesellschaft auf ihr Sicherheitsdenken genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
Der Bericht führte einige gewichtige Mängel in der Safety Kultur von Air France ans Tageslicht. Kritisiert wurde neben der Pilotenaus- und Weiterbildung auch das elitäre Verhalten einiger Flugzeugführer gegenüber der Technik und anderen wichtigen Betriebsteilnehmern, die für einen sicheren Flugbetrieb mitverantwortlich sind. Auch das Hierarchiegefälle zwischen Cockpit Crew und Kabinenbesatzung wurde teilweise bemängelt. Diese Verhaltensweisen werden durch die stark gewerkschaftlich geprägte Cockpitkultur begünstigt. Air France ist international bekannt dafür, Kaufkraft bereinigt die höchsten Pilotensaläre zu bezahlen.
 
Korrekturmassnahmen schlagen die Experten bereits in der Flugoperation bei der Selektion künftiger Flugzeugführer vor, hier sollte genauer geschaut werden, wer sich für den Pilotenjob berufen fühlt. Elitäre Denkmuster könnten rasch zu Selbstüberschätzung führen und guten Nährboden für Unfälle sein.
Die Piloten bemängeln von ihrem Standpunkt her die schwach ausgeprägte Safety Kultur beim Management, wenn es um kommerzielle, Kostenverursachende Entscheide gehe. Das Expertenkomitee verteilt auch an die Führungskräfte keine Bestnoten beim Sicherheitsdenken und unterstreicht damit die Wahrnehmung der Flugzeugführer.
 
Neben diesen Mängeln in den kritisierten Bereichen der Flugoperation bemängelt das ISRT Team (Independent Safety Review Team) den schwach ausgeprägten Safety Gedanken, der sich durch sämtliche Stufen des Managements zieht.

Die externen Spezialisten schlagen der Air France Führung und ihrem Personal 35 Punkte vor, die verbessert werden sollten, um eine wirksame Safety Kultur durch alle Konzernstufen zu etablieren. Air France nimmt den Expertenbericht sehr ernst und hat bereits Korrektive Massnahmen eingeleitet, so wurde bereits ein Safety Subkomitee gebildet und das Führungsteam will die 35 Verbesserungsvorschläge so rasch wie möglich in das Sicherheitsdenken der Airline aufnehmen und dadurch einen sicheren Flugbetrieb auf allen Stufen restlos garantieren.

FliegerWeb News Sendung mit folgenden Themen: Lufthansa mit soliden Verkehrszahlen. Boeing gibt weitere Dreamliner Verzögerung bekannt. BF-02 landet vertikal. Airbus legt A320neo auf.

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