Autor: ek

Yakovlev AIR-7 (Ya-7)

Yakovlev AIR-7 (Ya-7)
Die AIR-7 war der Versuch Yakovlevs, ein schnelles Kurierflugzeug für Zeitungen und Druckmatrizen zu schaffen. Gleichzeitig wollte er mit dieser Maschine den Geschwindigkeitsrekord der Sowjetunion erobern. Das Flugzeug sollte aber auch beweisen, dass ein zweisitziger Eindecker mit dem gleichen Motor schneller ist, als die damit ausgerüsteten Doppeldecker-Jagdflugzeuge, wie zum Beispiel die I-5. Nach langen und zähen Kämpfen gelang es ihm, die Konstruktion und den Bau durchzusetzen, wobei er von vornherein auf heftigen Widerstand der Militärs stieß. Erst durch intensive Unterstützung der ?Komzomolskaya Prawda?, der in Millionenauflage erscheinenden sowjetischen Jugendzeitung, die ihre Druckmatrizen schnell zu den verschiedenen Druckstätten transportieren wollte, erhielt er im Winter 1931/32 die Erlaubnis und die notwendigen Materialien zum Bau der AIR-7. Zusammen mit einer Gruppe junger Ingenieure begann man im Februar 1932 in einer alten Halle des Flugzeugwerks 39 in Moskau mit dem Bau. Es wurden drei Maschinen in Angriff genommen, die AIR-5, die AIR-6 und die AIR-7, die alle gleich waren. Federführend bei der Entwicklung und dem Bau war E.G. Adler, der engste Mitarbeiter Yakovlevs. Die AIR-7 war ein einmotoriger Tiefdecker mit geschlossener Kabine für die zweiköpfige Besatzung, festem Heckspornfahrwerk und abgestrebtem Normalleitwerk. Der Motor war mit einem Townend-Ring verkleidet. Der Rumpf bestand aus einer mit Stoff bespannten Stahlrohrkonstruktion, die Tragflügel waren in Holzbauweise mit Stoffbespannung. Durch zwei Streben und Stahlseile waren sie nach oben zum Rumpf hin abgestützt, während das Fahrwerk durch Stahlseile zum Rumpf hin und zur Tragfläche verspannt war. Das Leitwerk war eine mit Stoff bespannte Duralkonstruktion. Am 19.11. 1932 startete dann die AIR-7 zu ihrem Erstflug. Pilot war Julian Piontkowski. Auf den zweiten Sitz hatte er 80 kg Ballast legen lassen. Der Flug verlief problemlos und schon am nächsten Tag startete Piontkowski erneut, dabei erreichte er eine Geschwindigkeit von 325 km/h, das war sowjetischer Geschwindigkeitsrekord. Die sowjetische Propaganda bemächtigte sich nun des Flugzeuges und es wurde zum Beispiel dem französischen Luftfahrtsminister bei seinem Besuch in Moskau vorgeflogen. Am 25.September 1933 erreichte Piontkowski während des Besuchs von Charles Lindbergh in Moskau eine Geschwindigkeit von 332 km/h. Am 29.September flogen Piontkowski und Charles Lindbergh gemeinsam mit ihren Maschinen zwei Runden über der Moskwa.
Yakovlev wurde zum Vorzeigekonstrukteur der sowjetischen Luftfahrt, er wurde zur Auszeichnung mit dem Leninorden vorgeschlagen. Bevor ihm Stalin diesen anheften konnte, war Anfang 1934 Piontkowski bei einer Notlandung mit der AIR-7 schwer verletzt worden. Als Unfallursache stellte sich heraus, das beim Flug ein Querruder abgerissen war, was dann die Bespannung der Tragfläche zerriss. Bei der Untersuchung kam man zu dem Ergebnis, das die Querruderbefestigung konstruktiv zu schwach ausgelegt worden war. Der Prestigeverlust war enorm, das schnellste Flugzeug der Sowjetunion war wegen eines Konstruktionsfehlers abgestürzt. Yakovlev bekam den Orden natürlich nicht, gleichzeitig wurde für ihn ein totales Konstruktionsverbot erlassen, dass erst Ende 1935 wieder gelockert wurde, indem man ihm erlaubte, das zweisitzige Schulflugzeug UT-2 zu entwickeln.
Yakovlev AIR-7 (Ya-7) (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Yakovlev AIR-7 (Ya-7)
Verwendung: Zeitungsflugzeug, Rekordflugzeug
Baujahr: 1933
Besatzung: 2 Mann
Nutzlast: 200 kg
Triebwerk: ein luftgekühlter Neun-Zylinder-Sternmotor M-22 mit verstellbarem Zweiblatt-Metall-Propeller
Startleistung: 480 PS (354 kW)
Dauerleistung: 400 PS in 3.000 m (295 kW)
Spannweite: 11,00 m
Länge: 7,80 m
größte Höhe: 3,10 m
Spurweite: 2,20 m
Flügelfläche: 19,4 m²
Propellerdurchmesser: 2,25 m
Propellerfläche: 3,98 m²
V-Form der Außenflügel: 2 °
Flügelstreckung: 6,24
Leermasse: 905 kg
Startmasse normal: 1.410 kg
Startmasse maximal: 1.550 kg
Tankinhalt: 300 Liter
Flächenbelastung: 79,90 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,23 kg/PS (4,39 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 320 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 332 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 270 km/h
Landegeschwindigkeit: 105 km/h
Gipfelhöhe: 4.580 m
Steigleistung: 6,8 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 2,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 8,5 min
Reichweite normal: 1.150 km
Reichweite maximal: 1.300 km
Flugdauer: 5 h

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