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Vickers Viastra

Vickers Viastra
Ende der zwanziger Jahre begann man sich bei Vickers auf privater Basis mit der Entwicklung eines mittleren Verkehrsflugzeuges zu beschäftigen. Unter der Leitung von Rex Pierson entstand ein abgestrebter dreimotoriger Ganzmetall-Schulterdecker mit festem Heckradfahrwerk und einem Kastenleitwerk aus zwei Höhenflossen, die durch je eine Endscheibe verbunden waren. Die Besatzung bestand aus drei Personen und in der Kabine hatten 10 Passagiere in Einzelsesseln Platz. Als Antrieb verwendete man drei luftgekühlte 7-Zylinder-Sternmotoren Armstrong Siddeley Lynx Major mit je 270 PS Startleistung. Der kastenförmige Rumpf mit rechteckigem Querschnitt verfügte über eine vollverglaste Pilotenkabine und eine großzügige Passagierkabine von knapp sechs Meter Länge, 1,70 m Breite und 1,85 m Höhe mit anschließenden Wasch- und Gepäckraum. Die dreiteilige zweiholmige Tragfläche war freitragend. An ihrer Unterseite waren die beiden Flügelmotoren an Stielen aufgehängt. Gleichzeitig waren die Motoren gegen den Rumpfboden abgestrebt. Neu waren die manuell ausfahrbaren Vorflügel von 3,20 m an der vorderen Tragflächenkante. Das Fahrwerk, mit großen Öldämpfern versehen, befand sich an einer langen Hauptstrebe, die an den Flügelholmen angeschlagen war und zum Rumpf hin und zusätzlich zu den Flügelmotoren hin abgestrebt war. Das Seitenleitwerk bestand nur aus den beiden Rudern, die als Endscheiben mit rechteckigem Umriss an die zum Rumpf hin abgestrebten Höhenflossen angebaut waren. Die Viastra Mk.1 hatte am 1.Oktober 1930 ihren Erstflug. In der folgenden Flugerprobung gab es Sichtprobleme durch den Bugmotor. Die Maschine wurde verschiedenen Luftverkehrsgesellschaften vorgestellt, konnte aber nicht verkauft werden. Deshalb entschloss man sich, die Maschine abzuwracken, was auch in der Folge geschah. Darüber schreibt der spätere Chefkonstrukteur George Robert Edwards in seinen Memoiren. Es war sein erster Arbeitstag als Konstrukteur bei Vickers und als ersten Eindruck vom Flugzeugbau erinnert er sich an das Bild, wie mehrere Arbeiter mit Vorschlaghämmern die Maschine zerlegten. Die nun gebaute Viastra Mk.II unterschied sich durch ihre zweimotorige Auslegung und durch die eingesparte Masse des Bugmotors konnten noch zwei zusätzliche Passagierplätze gewonnen werden. Von dieser Ausführung wurden 1931 zwei Exemplare für die australische Luftverkehrsgesellschaft Western Australian Airways, die im inneraustralischen Luftverkehr aber auch nach Flügen nach Neuseeland eingesetzt wurden, gebaut. Am 11.Oktober 1933 kam es zu einem Landeunfall, indem die Maschine mit der Kennung VH-UOM beim Landeanflug in einer Windbö mehrere Bäume streifte. Bereits gegen Ende 1936 wurde die letzte australische Viastra aus dem Verkehr gezogen und nach Siam weiter verkauft. Es gab auch eine einmotorige Ausführung, die Viastra Mk.VI mit einem luftgekühlten 9-Zylinder-Sternmotor Bristol Jupiter XIF mit 540 PS Startleistung, die als Frachtflugzeug in einem Exemplar gebaut wurde. Die bekannteste Viastra war die Viastra Mk.X, die mit der Zulassung G-ACCC von 1931 bis 1934 als Reiseflugzeug für den Prince of Wales diente und zum Königlichen Flugzeugpark gehörte.
Vickers Viastra (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Vickers Viastra
Verwendung: Verkehrsflugzeug
Baujahr: 1931
Besatzung: 3 Mann
Passagiere: 12
Triebwerk: zwei luftgekühlte 9-Zylinder-Sternmotoren Bristol Jupiter XIF mit festem Zweiblatt-Holz-Propeller
Startleistung: je 540 PS (398 kW)
Dauerleistung: je 470 PS (347 kW) in 3.500 m
Spannweite: 23,04 m
Länge: 15,10 m
größte Höhe: 4,80 m
Propellerdurchmesser: 3,90 m
Propellerfläche: 11,95 m²
Spurweite: 4,94 m
Flügelfläche: 80,75 m²
V-Form:
Streckung: 6,58
Leermasse: 2.340 kg
Startmasse normal: 5.820 kg
Startmasse maximal: 6.105 kg
Tankinhalt: 1.240 Liter
Flächenbelastung: 75,60 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,65 kg/PS (7,67 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 220 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 248 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 200 km/h
Landegeschwindigkeit: 98 km/h
Gipfelhöhe: 5.500 m
Steigleistung: 3,8 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 5,0 min
Steigzeit auf 3.000 m: 18 min
Reichweite normal: 1.050 km
Reichweite maximal: 1.200 km
Flugdauer: 5,5 h

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