Autor: ek

VL Pyörremyrsky

VL Pyörremyrsky
 
Anfang1943 kam man beim Oberkommando der finnischen Luftwaffe (Soumen Ilmavoimat) zu der Erkenntnis, das die eingesetzten VL Myrsky als Jagdflugzeuge zu veralten begannen. Die Stückzahl der von Deutschland gelieferten Messerschmitt Bf 109 war zu gering, um den finnischen Luftraum gegen die ständig zunehmenden sowjetischen Luftangriffe zu verteidigen, von einer Unterstützung der eigenen Truppen ganz zu schweigen.
Deshalb erhielt die staatliche Flugzeugfabrik Valtion Lentokonetehdas (VL) den Entwicklungsauftrag zu einem modernen Jagdbombenflugzeug, wobei möglichst einheimische Rohstoffe und Halbzeuge verwendet werden sollten.
Die Maschine sollte unter den widrigsten klimatischen Bedingungen auch von kleinen unbefestigten Feldflugplätzen einsetzbar sein.
Die Konstruktion der Pyörremyrsky (Wirbelwind) lag in den Händen von Dipl.-Ing. Torsti R. Verkkola.
Die Maschine war ein Tiefdecker mit leichtem Knickflügel in Gemischtbauweise mit geschlossener Kabine, einziehbarem breitspurigem Heckradfahrwerk und Normalleitwerk.
Als Antrieb verwendete man den deutschen Daimler Benz 12 Zylinder Reihenmotor DB 605AC, so dass das Rumpfvorderteil stark an das der Messerschmitt Bf 109 G erinnerte.
Der Rumpf war eine Stahlrohrkonstruktion in Schalenbauweise, die im vorderen Bereich mit Duralblechen und ab der Tragfläche mit Sperrholz verkleidet war. Der Tragflügel war eine einholmige Holzkonstruktion, die mit Sperrholz beplankt war, ebenso das Leitwerk und die Ruder. Um die geforderte
Wetterfestigkeit zu erreichen, wurden die Sperrholzplatten unter Druck mit Kunstharz imprägniert. Die Kühler waren unter den Tragflächen angebracht und das breitspurige Fahrwerk wurde hydraulisch eingefahren.
Die Bewaffnung bestand aus einer 20 mm Motorkanone MG 151 und zwei über dem Motor montierten 12,7 mm Maschinengewehren. Die maximale Bombenlast sollte 400 kg betragen. Da man bei VL gleichzeitig mit dem Bau der Humu beschäftigt war, kam es zu Verzögerungen beim Bau des Prototypen, dazu kamen technische Probleme mit dem imprägnierten Sperrholz und den verwendeten Holzklebern. So wurden die Arbeiten nach dem Waffenstillstand mit der Sowjetunion am 4.September 1944 gänzlich eingestellt. Im Januar 1945 nahm man die Arbeiten aber wieder auf und am 21. November 1945 startete der Prototyp zu seinem Erstflug.
In der folgenden Flugerprobung erwies sich die Maschine wendiger und steigfreudiger als die Bf 109 G.
Da aber der finnische Staat über keine Mittel für einen Serienbau verfügte und die finnische Luftwaffe über genügend Bf 109 G, die von der deutschen Luftwaffe in Finnland stammten, verfügte, kam es zu keinem Serienbau.
Außerdem wurde im Finnisch-Sowjetischen Waffenstillstandsvertrag Finnland nur eine beschränkte Anzahl von Kampfflugzeugen zugestanden. Nach nur 30 Flugstunden wurde die Maschine abgestellt und das gesamte Programm beendet. Die Maschine blieb erhalten und kann heute im zentralfinnischen Luftfahrtmuseum (Keski-Suomen-Itmailumuseo) in Tikkakoski besichtigt werden.
 
VL Pyörremyrsky (Archiv: Eberhard Kranz)
 
Technische Daten: VL Pyörremyrsky
 
Verwendung: Jagdflugzeug
Baujahr: 1945
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: ein flüssigkeitsgekühlter 12 Zylinder V Motor Daimler Benz DB 605 AC mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller
Startleistung: 1.475 PS (1.087 kW)
Dauerleistung: 1.355 PS (998 kW) in 4.200 m
 
Spannweite: 10,38 m
Länge: 9,85 m
größte Höhe: 3,89 m
Propellerdurchmesser: 3,30 m
Propellerfläche: 8,55 m²
Spurweite: 3,35 m
Flügelfläche: 19,0 m²
V-Form: +5,33°
Streckung: 5,67
Leermasse: 2.620 kg
Startmasse normal: 3.385 kg
Startmasse maximal: 3.460 kg
Tankinhalt: 460 Liter
Flächenbelastung: 182,10 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,35 kg/PS (3,19 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 552 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.500 m: 645 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 490 km/h
Landegeschwindigkeit: 140 km/h
Gipfelhöhe: 9.800 m
Steigleistung: 16,0 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,1 min
Steigzeit auf 3.000 m: 3,8 min
Steigzeit auf 6.000 m: 9,0 min
Reichweite normal: 940 km
Reichweite maximal: 1.070 km
Flugdauer: 1,5 h
 
Bewaffnung: eine 20 mm Maschinenkanone MG 151 mit 80 Schuss, die durch die hohle Propellerwelle schoss und zwei 12,7mm Maschinengewehre LKK/42 mit je 550 Schuss
Bombenlast maximal: 400 kg an zwei Aufhängepunkten unter den Tragflächen
 

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