Autor: ek

Tupolev Tu-124

Tupolev Tu-124
Nachdem die Tu-104 1955 der Öffentlichkeit vorgestellt worden war und am 15. September 1956 die Aeroflot den Liniendienst damit begann, wurde sehr schnell klar, dass man ein wirtschaftlicheres TL-Verkehrsflugzeug für die Mittelstrecke benötigte. Mittelstrecke wurde so definiert, dass von Moskau aus alle Hauptstädte der Sowjetrepubliken und die wichtigsten Industriezentren nonstop zu erreichen sein müssen. Bei Tupolev hatte das OKB-156 unter der Projektnummer 124 einen strahlgetriebenen Bomber speziell für Tiefflugeinsätze konzipiert. Als am 18. Juli 1958 vom Luftverkehrsministerium die Entwicklung eines Mittelstreckenjets mit zwei Zweistromtriebwerken Soloviov D-20P mit je 5.000 kp Schub gefordert wurde, wurde die Projektnummer 124 für das neue Flugzeug Tu 124 übernommen. Erstaunlich ist dabei, dass bereits 1955 Ilushins OKB-240 eine ähnliche Maschine, die Il-16, die mit vier TL-Triebwerken AM-9 ausgerüstet werden sollte, vorgeschlagen hatte, die aber abgelehnt worden war. Die Tu-124 war eine geometrische Verkleinerung der Tu-104 um den Faktor 0,8, das hätte zum Beispiel einen Rumpfdurchmesser von 2,80 m ergeben, da aber im Serienwerk von der Fertigung der Tu-4 noch die entsprechenden Vorrichtungen vorhanden waren, erhielt die Tu-124 kurzerhand den Rumpfdurchmesser der Tu-4, nämlich 2,90 m. Im Rumpf waren 122 m³ als Druckkabine ausgelegt, wovon aber nur 50,15 m³ auf die eigentliche Passagierkabine entfielen, die 44 Passagieren Platz bot.
Tupolev Tu-124 (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der Tupolev Tu-124
Die Tu-124 war ein Ganzmetalltiefdecker mit in den Flügelwurzeln eingebauten Triebwerken. Der Rumpf war in Schalenbauweise ausgeführt und hatte einen kreisrunden Querschnitt sowie, typisch für die sowjetischen Verkehrsflugzeuge, einen verglasten Rumpfbug, wo der Navigator saß, der damals in den sowjetischen Maschinen der Chef der Besatzung war. Unter dem Rumpf befand sich eine hydraulisch ausfahrbare Luftbremse. Die Tragflügel hatten eine negative V-Stellung und verfügten über Doppelspaltklappen und Luftbremsen auf der Flügeloberseite. Die Flügelnase konnte thermisch enteist werden. Das Fahrwerk bestand aus einem Bugrad mit Zwillingsrädern und dem wagenförmigen Hauptfahrwerk mit je vier Rädern. Alle Räder wurden hydraulisch über Scheibenbremsen gebremst. Die Fahrwerksbeine erhielten extrem lange Federwege, da die Maschine auch von Graspisten aus starten und landen sollte. Diesem Zweck diente auch die Verwendung von Niederdruckreifen für das Fahrwerk. Das Hauptfahrwerk fuhr in die, typisch für Tupolev Flugzeuge, als Verdrängungskörper ausgelegten Fahrwerksgondeln an den Tragflächenhinterkanten ein. Die Zwillingsräder des Bugfahrwerks waren mit Schutzblechen versehen, um zu verhindern, dass Steine oder andere Fremdkörper hoch geschleudert werden und so in die Triebwerke gelangen. Das Bugrad war beim Rollen um 35 Grad nach jeder Seite schwenkbar, bei Start und Landung um 5 Grad.
Tupolev Tu-124 (Archiv: Eberhard Kranz)
Flugerprobung der Tupolev Tu-124
Am 24. März 1960 startete A.K. Starikov mit dem Prototypen CCCP-45000 zum Erstflug. In der folgenden Flugerprobung wurden einige kleinere Mängel beseitigt. Inzwischen waren zur schnelleren Durchführung der staatlichen Abnahmeprüfungen im Flugzeugwerk 135 in Charkov zwei weitere Prototypen hergestellt worden, gleichzeitig begann man dort mit der Vorbereitung der Serienfertigung. Im November 1961 wurde die staatliche Zulassung erteilt und die Serienfertigung begonnen.
Tupolev Tu-124 (Archiv: Eberhard Kranz)
Einsatz der Tupolev Tu-124
Am 2. Oktober 1962 nahm die Aeroflot den Liniendienst mit der Tu-124 auf der Strecke Moskau-Kiew auf. Als erste Modifikation wurde 1962 die Tu-124Sch entwickelt, ein militärisches Übungsflugzeug für die Fernbomberbesatzungen, das in Charkov in geringer Stückzahl gebaut wurde. Diese Maschinen konnten maximal vier Übungsbomben von 1.000 kg mitnehmen. Schnell stellte sich heraus, das die Sitzplatzkapazität von 44 Plätzen völlig unwirtschaftlich war, so dass durch eine engere Bestuhlung bei geringfügiger Verlängerung der Passagierkabine Platz für 56 Passagiere geschaffen wurde. Die Version erhielt die Bezeichnung Tu-124 W und wurde ab Frühjahr 1964 in Serie gefertigt. Sie stellte die Hauptversion aller Tu-124 dar. Sie wurde auch für den Export freigegeben und je eine Maschine an die ČSA und die Interflug der DDR, sowie drei Exemplare nach China geliefert. Je zwei Maschinen erhielten Indien und der Irak. Die Tu-124K war die Salonvariante für hohe Regierungsmitglieder und Parteibonzen und bot bei höchstem Komfort und Luxus Platz für insgesamt 28 Fluggäste in zwei Kabinen. Bis zum Auslaufen der Serienfertigung im Frühjahr 1966 wurden insgesamt 165 Tu-124 aller Versionen gefertigt. Nicht verwirklicht wurden die Projekte Tu-127 als militärischer Transporter und Tu-124 SWWP als VTOL-Verkehrsflugzeug mit vier zusätzlichen Hubtriebwerken im Rumpf.
Tupolev Tu-124 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Tupolev Tu-124W
Land: Ehemalige Sowjetunion
Verwendung: Verkehrsflugzeug
Triebwerk: zwei Zweikreis-Turbinen-Luftstrahltriebwerke Soloviov D-20 P
Startleistung: je 5.400 kp Schub
Dauerleistung: je 5.000 kp Schub in 9.000 m
Erstflug: 24. März 1960
Besatzung: 3 Mann
Passagiere: maximal 56 Personen
Spannweite: 25,55 m
Länge: 30,58 m
größte Höhe: 8,08 m
Rumpfdurchmesser: 2,90 m
Kabinenbreite: 2,70 m
Kabinenhöhe: 1,95 m
Flügelfläche: 119,37 m²
V-Form: -2°
Pfeilung der Flügelvorderkante: 35°
Streckung: 5,47 m
Spurweite: 9,05 m
Radstand: 10,55 m
Reifendruck: 6,50 kp/cm²
Massen: TBD
Leermasse: 22.100 kg
Startmasse normal: 36.000 kg
Startmasse maximal: 38.000 kg
Nutzlast: 6.000 kg
Tankinhalt: 13.120 Liter
Flächenbelastung: 318,34 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,52 kg/kp Schub
Leistungen: TBD
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 900 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 10.000 m: 970 km/h
Reisegeschwindigkeit in 10.000 m: 800 km/h
Landegeschwindigkeit: 190 km/h
Gipfelhöhe: 13.000 m
Reiseflughöhe: 10.000 m
Steigleistung: 13,2 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,5 min
Steigzeit auf 5.000 m: 10,0 min
Steigzeit auf 10.000 m: 25 min
Reichweite normal: 1.500 km
Reichweite maximal: 2.200 km
Flugdauer: 3 h
Startrollstrecke: 1.000 m
Landerollstrecke: 900 m
Eberhard Kranz

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