Autor: ek

Tupolev ANT-23 (I-12)

Tupolev ANT-23 (I-12)
Im Frühjahr 1930 war die Entwicklung rückstossfreier Kanonen beim Konstruktionsbüro Kurshevsy soweit abgeschlossen, dass erste Schießversuche durchgeführt werden konnten. Die Waffen waren großkalibrig, die APK-4 hatte ein Kaliber von 76 mm und die APK-100 sogar 102 mm. Zuerst waren die Kanonen nur einschüssig, deshalb hatte man zusätzlich zur Zielfindung und Zielhilfe ein 7,62 mm Maschinengewehr PW-1 vorgesehen. Diese Waffen wurden Stalin vorgetragen und er ordnete an, sie neben der Panzerbekämpfung als Flugzeugbewaffnung zu verwenden. Man beschloss ein Entwicklungsprogramm, wobei die Konstruktionsbüros von D. P. Grigorovich und A. N. Tupolev den Auftrag erhielten entsprechende Flugzeuge zu entwickeln. Tupolev der um diese Zeit die Konstruktionsgruppe AGOS der Versuchsabteilung des ZAGI leitete, übertrug die Aufgabe, ein Jagdflugzeug mit rückstossfreien Geschützen in Ganzmetallbauweise zu entwickeln, der Konstruktionsgruppe von W. N. Tchernychev. Dieser entwarf einen einsitzigen, zweimotorigen Tiefdecker in Tandemanordnung, wobei das vordere Triebwerk eine Zug- und das hintere eine Druckschraube antrieb. Der offene Pilotensitz befand sich zwischen den beiden Motoren. Hinter dem Sitz war der Haupttank eingebaut. Die beiden rückstoßfreien Geschütze APK-4 und die Zielhilfs-Maschinengewehre PW-1 waren auf den Tragflächen montiert und setzen sich in je einem dünnen Leitwerksträger fort. In einigen Quellen wird behauptet, die Leitwerksträger wären lediglich drei mit einander verflanschte Wasserrohre gewesen, die außen mit 0,6 mm dicken Duralblech verkleidet waren und durch die die Explosionsgase der Kanonen abgeleitet wurden. Auf den beiden Leitwerksträgern ruhte die Höhenflosse, auf der die mit je zwei Stahlseilen abgestrebte Seitenleitwerksflosse mittig angebracht war. Das Heckspornfahrwerk mit großer Spurweite hatte feste ölgedämpfte Fahrwerksbeine, die schräg nach hinten zur Tragfläche abgestrebt waren. An jedem Leitwerksträger befand sich ein gefederter Stahlsporn. Mittlerweile war es gelungen, die APK-4 fünfschüssig zu gestalten, wobei sich die einzelnen Geschosse in einer Trommel, einem überdimensionierten Revolver vergleichbar, befanden. Im Sommer 1933 war der erste Prototyp der ANT-23 im Moskauer Flugzeugwerk fertiggestellt und auf den Namen ?Baumansky Komzomolyez? getauft worden. Am 24.August 1933 startete der Testpilot des ZAGI, A.G. Koslov, mit der Maschine zum Erstflug. Obwohl die erreichte Geschwindigkeit zufriedenstellend war, bemängelte er die völlig ungenügende Stabilität des Flugzeuges. Tchernychev überarbeitete daraufhin die Konstruktion, änderte die Leitwerksträger und das Seitenleitwerk und verlängerte den Gondelrumpf.
Die Maschine wurde als ANT-23bis bezeichnet und ab Dezember 1933 begann der bau im Moskauer Flugzeugwerk. Während der folgenden Waffenerprobung im Fluge explodierte eine der rückstoßfreien Kanonen und beschädigte dabei den Leitwerksträger schwer. Unter dramatischen Bedingungen gelang Koslov eine Notlandung mit der havarierten Maschine. Das Flugzeug wurde wieder instandgesetzt aber nach nur wenigen weiteren Testflügen wurde im März 19345 das gesamte Programm eingestellt. Die im Bau befindliche ANT-23bis wurde nicht vollendet.
Tupolev ANT-23 (I-12) (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Tupolev ANT-23 (I-12)
Land: Ehemalige Sowjetunion
Verwendung: Jagdflugzeug
Triebwerk: zwei luftgekühlte 9 Zylinder Sternmotoren Gnome Rhone 9 AK ?Jupiter 6? mit festen Zweiblatt-Holzpropellern, der vordere als Zugschraube und der hintere als Druckschraube arbeitend
Startleistung: je 525 PS (387 kW)
Dauerleistung: 450 PS (331 kW) in 4.000 m
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: 24.August 1933
Spannweite: 15,60 m
Länge: 9,50 m
größte Höhe: 2,86 m
Propellerdurchmesser: vorderer Propeller 2,10 m, hinterer Propeller 2,00 m
Propellerfläche: vorn 3,46 m², hinten 3,14 m²
Spurweite: 2,65 m
Flügelfläche: 30,00 m²
V-Form: Außenflügel 2,5°
Streckung: 8,11
Leermasse: 1.540 kg
Startmasse normal: 2.410 kg
Startmasse maximal: 2.550 kg
Tankinhalt: 640 Liter
Flächenbelastung: 85,0 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,43 kg/PS (3,3 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 280 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 301 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 282 km/h
Landegeschwindigkeit: 102 km/h
Gipfelhöhe: 8.500 m
Steigleistung: 10,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,7 min
Steigzeit auf 3.000 m: 6,0 min
Steigzeit auf 5.000 m: 10,0 min
Reichweite normal: 580 km
Reichweite maximal: 660 km
Flugdauer: 2,5 h
Bewaffnung: zwei 76 mm rückstoßfreie Kanonen APK-4 mit je fünf Schuss und zwei 7,62 mm Maschinengewehre PW 1 mit je 600 Schuss als Zielhilfe

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