Autor: ek

Tupolev ANT- 5 (I-4)

Tupolev ANT- 5 (I-4)
Im Sommer 1925 erhielt A. N. Tupolev, der um diese Zeit die Konstruktionsgruppe der Versuchsabteilung des ZAGI leitete, die Aufgabe, ein Jagdflugzeug in Ganzmetallbauweise zu entwickeln, das in seinen Leistungen, Flugeigenschaften und Massen nicht hinter den im Einsatz befindlichen Jägern in Holz- oder Gemischtbauweise zurückstand. Am 2. Februar 1926 wurde ein entsprechender Vertrag über die Entwicklung und den Bau zweier Prototypen zwischen dem Oberkommando der Luftstreitkräfte und dem ZAGI geschlossen. Mit der Erarbeitung des Entwurfes begann im Frühjahr 1926 die Konstruktionsgruppe unter der Leitung von P. O. Sukhoi. Das Projekt sah einen aerodynamisch gut durchgearbeiteten Anderthalbdecker mit festem Heckspornfahrwerk und offener Kabine vor. Die durchgehende Achse des Hauptfahrwerks war aerodynamisch verkleidet. Die Maschine war komplett mit Wellblech verkleidet, lediglich die Höhenruder waren stoffbespannt. Als Triebwerk wurde ein 9 Zylinder Sternmotor M-22, ein Lizenzbau des Gnome Rhone 9Aq, vorgesehen, dessen Zylinderköpfe, die aus dem Rumpfstrak herausschauten, einzeln verkleidet wurden. Die Bewaffnung sollte aus zwei seitlich am Rumpf montierten 7,62 mm Vickers Maschinengewehren bestehen.
Tupolev ANT- 5 (I-4) (Archiv: Eberhard Kranz)
Bau und Erprobung des Tupolev ANT- 5 (I-4)
Nachdem das Projekt für gut empfunden wurde, begann 1927 im Flugzeugwerk N 22 der Bau der zwei Prototypen. Das Flugzeugwerk N 22 war das ehemalige Junkers Flugzeugwerk in Fili bei Moskau. Dort allein hatte man Erfahrung im Bau von Ganzmetallflugzeugen. Das dafür notwendige Duraluminium musste aus Deutschland importiert werden, da es noch kein eigenes dieser Qualität gab. Am 7. Juli 1927 wurde der erste Prototyp fertiggestellt, der Erstflug fand am 14. August 1927 statt. Anschließend wurde die Maschine an die Luftstreitkräfte zur Erprobung übergeben. Der zweite Prototyp folgte erst im August 1928. Die staatliche Erprobung zeigte, dass die Maschine Leistungen erzielte, die deutlich über denen der momentan im Einsatz befindlichen Jäger lagen. Deshalb erhielt das Werk N22 einen ersten Auftrag über 75 ANT-5, die jetzt die militärische Bezeichnung I-4 erhielten. Das erste Serienflugzeug wurde am 1. November 1928 an die Rote Luftflotte ausgeliefert. Wegen technischer Schwierigkeiten bei der Herstellung konnten jedoch die geplanten Termine nicht eingehalten werden.
Tupolev ANT- 5 (I-4) (Archiv: Eberhard Kranz)
Einsatz und Verwendung des Tupolev ANT- 5 (I-4)
Mit den I-4 Jägern wurden Jagdfliegereinheiten um Moskau und besonders zum Schutz der baltischen Flotte um Kronstadt und Petershof ausgerüstet. Insgesamt wurden bis Oktober 1931 177 Serienjäger und zwei Prototypen der I-4 hergestellt, die ab 1936 durch I-16 in den Verbänden ersetzt wurden. Man verwendete die I-4 auch für verschiedene Projekte, so etwa für das Projekt eines fliegenden Flugzeugträgers oder zur Erprobung rückstoßfreier Kanonen. In kleiner Serie wurde ab 1931 die I-4 bis gebaut, man hatte den unteren Flügel weggelassen und versah den Oberflügel mit Vorflügeln. Insgesamt baute man nur etwa 25 I-4 bis.
Tupolev ANT- 5 (I-4) (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Tupolev ANT- 5 (I-4)
Land: Russland
Verwendung: Jagdflugzeug
Triebwerk: ein luftgekühlter 9 Zylinder Sternmotor M-22 (Lizenz Gnome Rhone 9) mit festem Zweiblatt-Holzpropeller
Startleistung: 480 PS (353 kW)
Dauerleistung: 450 PS (331 kW) in 4.000 m
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: 14. August 1927
Spannweite oben : 11,40 m
Spannweite unten: 5,70 m
Länge: 7,28 m
größte Höhe: 3,40 m
Propellerdurchmesser: 3,15 m
Propellerfläche: 7,79 m²
Spurweite: 1,92 m
Flügelfläche: 23,80 m²
V-Form: oben +2,5° unten -1°
Staffelung: 0,45 m
Streckung: 5,46
Leermasse: 978 kg
Startmasse normal: 1.363 kg
Startmasse maximal: 1.430 kg
Tankinhalt: 255 Liter
Flächenbelastung: 60,1 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,98 kg/PS (4,05 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 220 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 231 km/h
Reisegeschwindigkeit in 4.000 m: 185 km/h
Landegeschwindigkeit: 85 km/h
Gipfelhöhe: 7.500 m
Steigleistung: 9,25 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 2,0 min
Steigzeit auf 3.000 m: 7,0 min
Steigzeit auf 5.000 m: 15,3 min
Reichweite normal: 580 km
Reichweite maximal: 840 km
Startstrecke: 70 m
Landestrecke: 140 m
Flugdauer: 4,5 h
Bewaffnung: zwei 7,62 mm Maschinengewehre PW 1 mit je 2.000 Schuss Bombenlast maximal: 50 kg
Text: Eberhard Kranz

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