Autor: ek

Tairov Ta-3

Tairov Ta-3 (OKO-6)
Im Spätherbst 1939 entstand auf eine Anforderung des Volkskommissariats für Verteidigung im Flugzeugwerk 43 unter Leitung von Vsevolod K. Tairov das zweimotorige Experimental-Jagdflugzeug OKO-6.
Bei der Auslegung wurde alles zwei Zielen unterworfen, höchst mögliche Geschwindigkeit und schwerste Bewaffnung.
Das Flugzeug sollte als Begleitjäger und Zerstörer, aber auch für den Erdkampf, hier besonders gegen gepanzerte Ziele, verwendet werden.
Um die Forderung nach höchster Geschwindigkeit zu realisieren, wurde der Einbau von zwei luftgekühlten 14 Zylinder-Doppelsternmotoren Tumanskij M88A von je 1000PS, die dem französischen Gnome-Rhone 14K nachempfunden waren, vorgesehen.
Die Abmessungen der Maschine sollten nicht größer als die eines einmotorigen Jägers werden, konkret war die Hawker Hurricane gemeint.
Der erste Prototyp war als Tiefdecker mit zentralem Seitenleitwerk ausgelegt. Der Rumpf mit dem kleinstmöglichen Querschnitt bestand aus drei Hauptbaugruppen.
Die vordere Baugruppe war an die Rückenpanzerplatte, die im unteren Bereich 8mm und im oberen Bereich 13mm stark war, angeschlossen.
Das Cockpit wurde seitlich mit Aluminiumplatten verkleidet, nach vorn baute man eine Panzerplatte von 8mm ein. Die Kabinenhaube wurde zum Öffnen nach hinten geschoben.
Die Rumpfnase konnte zur Wartung der eingebauten Maschinenwaffen nach rechts geöffnet werden.
Der Rumpfmittelteil und Rumpfheck waren in Formholz Schalenbauweise ausgeführt.
Der Flügel bestand aus zwei Holzholmen mit Stahlbeschlägen und -verstärkungen, die Rippen waren aus Aluminium. Die Beplankung war aus Sperrholz.
Die beiden Maschinengewehre waren in den Rumpfbug eingebaut, während die 4 Maschinenkanonen unter dem Rumpf in Höhe des Cockpits eingebaut waren.
Das Fahrwerk war pneumatisch einziehbar.
Die Flugerprobung begann am 31.Dezember 1939 mit dem Prototyp OKO-6. Dieser verfügte im Gegensatz zu den späteren Maschinen über ein Zentralleitwerk.
Die Maschine war aber sowohl in der Längs- als auch in der Querachse gefährlich instabil, außerdem traten starke Schwingungen auf. Eine Motoraufhängung brach und die Flugerprobung wurde gestoppt und ein radikaler Umbau des Leitwerks vorgenommen. Das Heck wurde verlängert und die Maschine erhielt nun zwei Endscheiben als Seitenleitwerk, gleichzeitig wurde die Ruderfläche vergrößert.
Die so umgebaute Maschine zeigte eine deutlich verbesserte Stabilität, nur stellte sich heraus, dass die Propellerdrehzahl wegen des direkten Antriebs durch die M88 Motoren zu hoch war, so dass, besonders bei Flügen im Höchstgeschwindigkeitsbereich der
Wirkungsgrad der Propeller stark nachließ.
Deshalb wurde durch die Erprobungskommission im Abschlußbericht u.a. verlangt:
? Einbau von mit Untersetzungsgetrieben (0,666:1) versehenen links drehenden M88P Motoren.
? Bis Ende 1940 sind 10 weitere Flugzeuge mit dem neuen Heck zu bauen, allerdings noch mit den direkt angetriebenen Propellern.
? Das Flugzeugwerk 43 organisiert den Serienbau.
? Der Einbau des leistungsstärkeren M89 mit 1300 PS Startleistung und 1.150PS Leistung in 6000m Höhe ist zu prüfen.
In weiteren Testflügen zeigte das Flugzeug dann gute Leistungen, im Testbericht wird zum Beispiel erwähnt, dass sich die Maschine leichter fliegen lässt als die MiG-3.
Die Konstruktion wurde noch einmal im ZAGI (Zentrales Hydro- und Aerodynamisches Institut) überarbeitet, die Flügelendkappen wurden verändert und die Schwerpunktlage leicht verschoben. Dies erfolgte im Januar 1941. Die Maschine sollte nun so in den Serienbau gehen.
Während eines der abschließenden Testflüge riss ein Motor aus seiner Halterung und die Maschine stürzte ab.
Dieser Unfall hatte keinen Einfluß auf die weitere Entwicklung. Die Maschine stand weiter ganz oben auf der Prioritätenliste des Luftfahrtministeriums.
Als Serienwerk wurde das Werk Nummer 43 bestimmt. Das Konstruktionsbüro Tairovs und der Versuchs- und Prototypenbau der Ta-3 erhielten die Bezeichnung Werk 483.
Der Einbau der M-89 Triebwerke brachte aber eine Menge schwerwiegender Probleme, denn das Triebwerk war sehr störanfällig und in keiner Weise eine ausgereifte Konstruktion.
Es traten starke Schwingungen auf, Metallabrieb aus dem Motor sammelte sich in der Ölwanne, die Steuerkräfte nahmen stark zu und die Sicht aus dem Cockpit war durch die größeren Motoren ungenügend, besonders nach unten und seitlich.
Deshalb wurde auch der Einbau von M-82 Motoren in Erwägung gezogen.
Die Waffenanlage wurde überarbeitet, aus Gewichtsgründen entfernte man das automatische Ladesystem wieder.
Um die Feuerkraft noch zu erhöhen, wollte man zwei der 20mm Kanonen gegen eine 37mm Kanone austauschen.
Inzwischen waren die ersten Vorserienmaschinen fertiggestellt. Ihre Leistungen lagen aber deutlich unter den der Erprobungsmuster. Bei einem Flugzeugunfall auf einem Flug von Moskau nach Kuibyschev kam Vsevolod Tairov ums Leben.
Damit war das Schicksal der Ta-3 besiegelt, es wurde zwar noch der verbesserte Prototyp Ta-3bis fertig gestellt, aber eine Serienproduktion kam nicht mehr zustande.
Die Entwicklung der Ta-3 Mitte 1942 eingestellt, die gebauten Maschinen, es dürften nicht mehr als zehn gewesen sein, wurden verschrottet.
Tairov Ta-3 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Tairov Ta-3 (OKO-6)
Baujahr: 1941
Verwendung: Langstrecken-Begleitjäger, Erdkampfflugzeug
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: zwei luftgekühlte 14 Zylinder-Doppelsternmotoren Tumanskij M88P mit Untersetzungsgetriebe und verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller (gegenläufig)
Startleistung: 1.000 PS (746 kW)
Dauerleistung: 880 PS (648 kW) in 4.000 m
Länge: 9,83 m
größte Höhe: 3,76 m
Propellerdurchmesser: 3,10 m
Propellerfläche: 7,55 m²
Spurweite: 3,80 m
Flügelfläche: 25,40 m²
V-Form: 2,66°
Streckung: 6,30
Leermasse: 4.738 kg
Startmasse normal: 5.998 kg
Startmasse maximal: 6630 kg
Tankinhalt: 1.240 Liter
Flächenbelastung: 261,0 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,32 kg/PS
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 448 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 540 km/h
Landegeschwindigkeit: 140 km/h
Steigleistung: 8,7 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 2,0 min
Steigzeit auf 5.000m Höhe: 11,6 min
Reichweite normal: 1.060km
Reichweite maximal: 1.840 km
Maximale Flugdauer: 3,5h
Startstrecke: 460 m
Landestrecke: 480 m
Bewaffnung: vier 20 mm Maschinenkanonen ShWAK mit je 200 Schuss und zwei 7,62 mm Maschinengewehre ShKAS mit je 800 Schuss
Bombenlast: versuchsweise 2 x 100 kg

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