Autor: ek

Stampe SV-10

Stampe SV-10
1933 schrieb die Königlich-belgische Luftwaffe ein Mehrzweckflugzeug aus, das als schwerer Jäger, leichter Bomber, Infanterierunterstützungsflugzeug und Nahaufklärer verwendet werden sollte. Die Ausschreibung ging an die beiden belgischen Firmen LACAB und Stampe & Vertongen. Die Firma Stampe & Vertongen wurde von Jean Stampe, ehemaliger Leibpilot von König Albert und Maurice Vertongen, einem hochdekorierten Weltkriegsflieger, 1923 in Anvers-Deurne gegründet. Ihr erfolgreichstes Flugzeug war der Schuldoppeldecker SV-4, der in Serie gebaut und auch ein Exporterfolg besonders nach Frankreich wurde. Nach dem 2.Weltkrieg wurden allein in Frankreich über 1.000 SV-4 gebaut. Die SV-10 war als Anderthalbdecker mit ovalem Rumpfquerschnitt in Gemischtbauweise mit festem aerodynamisch verkleidetem Heckradfahrwerk. Der Rumpf bestand aus einem geschweißten Stahlrohrgerüst, das im vorderen Bereich mit Aluminiumblech verkleidet war, während der hintere Rumpf Stoffbespannung erhielt. Der Tragflügel stellte eine mit Sperrholz und Stoff verkleidete Holzkonstruktion dar. Die beiden Gnome Rhone Sternmotoren waren am Oberflügel angebaut und mit voluminösen NACA Hauben verkleidet. Vom Motor ging eine V-Strebe zum Unterflügel, durchdrang diesen und bildete gleichzeitig die Aufnahme des Federbeins des Hauptfahrwerks. Die obere Tragfläche war noch mit einem N-Stiel, der im Durchdringungspunkt der Motorstrebe endete, gegen die untere Tragfläche abgestützt. Der Verwendung entsprechend hatte man eine schwere Bewaffnung vorgesehen, eine 20 mm Maschinenkanone im Bugstand und fünf Maschinengewehre, wovon eins sich in einem absenkbaren Waffenstand unter dem Rumpf befand. Die Bombenlast sollte aus kleinkalibrigen Splitterbomben bestehen. Eine ursprünglich vorgesehene Verwendung als Torpedobomber hatte man fallen lassen. Mitte 1935 war der Prototyp fertiggestellt und ging in die Bodenerprobung. Am 4.Oktober 1935 startete Leon Stampe, der Sohn von Jean Stampe, zusammen mit Georges Ivanow zum Erstflug, der ohne Beanstandungen verlief, so dass bereits für den 5.Oktober der nächste Flug angesetzt wurde. Diesmal wollte man das Flugverhalten der SV-10 im Kurvenflug und bei verschiedenen Lastwechseln erproben. Während dieses Fluges geriet die SV-10 über Borsbeek in ein Flachtrudeln aus dem Leon Stampe die Maschine nicht mehr herausbekam. Beim Aufprall auf den Boden wurden Leon Stampe und Georges Ivanow getötet. Die Maschine wurde total zerstört und Jean Stampe entschied nach dem Tod seines Sohnes, keine Flugzeuge mehr zu konstruieren, so dass die SV-10 das letzte Modell von Stampe & Vertongen blieb.
Stampe SV-10
Archiv: Eberhard Kranz
Technische Daten: Stampe SV-10
Verwendung: militärisches Mehrzweckflugzeug
Baujahr: 1935
Besatzung: 3 Mann
Triebwerk: zwei luftgekühlte 14 Zylinder Doppelsternmotoren Gnome Rhone 14 Ksrd Mistral Major mit Zweiblatt-Holz-Verstellpropeller
Startleistung: je 800 PS (589 kW)
Dauerleistung: je 750 PS (552 kW) in 3.500 m
Spannweite oben: 18,00 m
Spannweite unten: 12,10 m
Länge: 13,16 m
Größte Höhe: 4,68 m
Propellerdurchmesser: 3,28 m
Propellerfläche: 8,45 m²
Spurweite: 5,24 m
Flügelfläche: 53,00 m²
V-Form obere Tragfläche: 1,5°
V-Form untere Tragfläche:
Flügelstreckung: 6.11
Staffelung: 0,50 m
Leermasse: 3.270 kg
Startmasse normal: 4.500 kg
Startmasse maximal: 5.000 kg
Tankinhalt: 850 Liter
Flächenbelastung: 94,34 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,33 kg/PS (4,52 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 336 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.500 m: 360 km/h
Marschgeschwindigkeit in 3.500 m: 306 km/h
Landegeschwindigkeit: 105 km/h
Gipfelhöhe: 6.010 m
Steigleistung: 6,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,0 min
Steigzeit auf 3.000 m: 10,5 min
Reichweite normal: 840 km
Reichweite maximal: 950 km
Flugdauer: 3,5 h
Bewaffnung: eine 20 mm Maschinenkanone Hispano Suiza (Lizenz FN) mit 80 Schuss im Bugturm, vier 7,62 mm Maschinengewehre Browning FN
Bombenlast normal: 500 kg
Bombenlast maximal: 600 kg

Kommentare

Anzeige
FliegerWeb on Facebook:
empfohlen
 
 

Back to Top