Autor: ek

Siebel Si 201

Siebel Si 201
1935 schrieb das Amt für Technik und Beschaffung des Reichsluftfahrtministeriums einen Wettbewerb über ein einmotoriges mindestens zweisitziges Verbindungs- und Artilleriebeobachtungsflugzeug mit Kurzstart- und Langsamflugeigenschaften aus.
Die Ausschreibung ging an Fieseler, die Bayrischen Flugzeugwerke (Messerschmitt) und Siebel. Focke Wulf reichte außer Konkurrenz den von Professor Focke entwickelten Tragschrauber Fw 186 ein
Fieseler entwickelte daraufhin die Fi 156 Storch , Messerschmitt die Bf 163 und Siebel die Si 201.
Der Entwurf der Siebel Si 201 war eines der ungewöhnlichsten Flugzeuge zu seiner Zeit. Es war ein Hochdecker mit festem Fahrwerk und abgestrebtem Leitwerk, wobei die Seitenflosse überdimensioniert schien.
Um beste Sicht nach vorn und unten zu haben, hatte man den Motor auf das hintere Kabinendach gesetzt, wo er einen Druckpropeller antrieb, der sich hinter der Tragflächenhinterkante, die in diesem Bereich um 0,45 m ausgespart war, befand. Dadurch war man gezwungen, den Leitwerksträger sehr tief an das kastenförmige Rumpfvorderteil anzubringen, was später zu Stabilitäts- und vor allem zu Problemen der Schwerpunktlage führte.
Obwohl der Sieger des Wettbewerbs mit der Fi 156 längst feststand, die beiden ersten Prototypen wurden in Rechlin schon ausgiebig getestet, als man bei Messerschmitt und Siebel noch am Konstruieren war, erhielt man 1936 einen Auftrag zum Bau dreier Prototypen der Si
201.
Die Maschine war in Gemischtbauweise ausgelegt. Der Rumpf bestand aus einer mit Duraluminium verkleideten Stahlrohrkonstruktion, die im vorderen kastenförmigen Platz für den Piloten und den Beobachter bot. Die seitliche Verglasung war wegen der besseren Sicht nach unten erkerförmig ausgestellt. Die Motorverkleidung war ebenfalls aus Dural. Der kreisrunde Leitwerksträger war aus Stahlrohr mit Leinwandbespannung, während das Leitwerk aus einer stoffbespannten Metallkonstruktion bestand. Der zum Rumpf hin abgestrebte Tragflügel war stark gepfeilt und hatte wegen der geforderten Kurzstarteigenschaften über die gesamte Länge mechanisch ausfahrbare Vorflügel und große Landeklappen.
Das hochbeinige Heckspornfahrwerk hatte ölgedämpfte Federbeine mit einem langen Hub, um auch auf unvorbereiteten Plätzen starten und landen zu können.
Im Sommer 1938 startete dann der erste Prototyp Si 201 V1 mit der Kennung D-IYHN zu seinem Erstflug. Die Flugeigenschaften und die erzielten Leistungen waren enttäuschend, so gab es Probleme mit den Vorflügeln und die Stabilität um alle Achsen war schlecht.
Da sich bereits die Fi 156 im Serienbau befand, brach man zum Jahresende 1938 die Flugerprobung wegen Erfolglosigkeit ab, obwohl im Dezember 1938 der zweite Prototyp D-IWHL mit geänderten Vorflügeln und Landeklappen fertiggestellt war. Der dritte Prototyp wurde nicht mehr vollendet.
Alle drei Maschinen wurden im Frühjahr 1939 verschrottet.
Siebel Si 201 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Siebel Si 201
Verwendung: kurzstartfähiges Aufklärungs- und Verbindungsflugzeug
Baujahr: 1938
Besatzung: 2 Mann
Nutzlast: 250 kg
Triebwerk: ein luftgekühlter hängender Achtzylinder Reihenmotor Argus As 10 C mit festem Dreiblatt-Holzpropeller als Druckschraube wirkend
Startleistung: 240 PS (177 kW)
Dauerleistung: 200 PS (147 kW) in 3.000 m
Spannweite: 14,00 m
Länge: 10,40 m
größte Höhe: 3,20 m
Propellerdurchmesser: 2,40 m
Propellerfläche: 4,52 m²
Spurweite: 2,52 m
Flügelfläche: 31,00 m²
V-Form: +0,5°
Pfeilung der Tragflächenvorderkante: 15°
Streckung: 6,32
Wurzeltiefe: 2,05 m
Leermasse: 1.120 kg
Startmasse normal: 1.450 kg
Startmasse maximal: 1.520 kg
Tankinhalt: 280 Liter
Schmierstofftank: 25 Liter
Flächenbelastung: 46,06 kg/m²
Leistungsbelastung: 6,33 kg/PS (8,60 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 172 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 186 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 140 km/h
Minimalgeschwindigkeit: 90 km/h
Landegeschwindigkeit: 70 km/h
Startrollstrecke: 90 m
Landestrecke: 100 m
Gipfelhöhe: 5.500 m
Steigleistung: 4,2 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 4,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 15 min
Reichweite normal: 450 km
Reichweite maximal: 600 km (einsitzig)
Flugdauer: 4,5 h

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