Autor: ek

Savoia Marchetti SM.89

Savoia Marchetti SM.89
Nachdem man in Italien die Nützlichkeit der deutschen Ju 88 bei gemeinsamen Kampfeinsätzen gesehen hatte, Deutschland aber nicht in der Lage war, die Ju 88 in den gewünschten Stückzahlen ( 350 Stück) an die Regia Aeronautica zu liefern, erhielt Savoia-Marchetti den Auftrag ein analoges Flugzeug zu entwickeln.
Hauptproblem des italienischen Flugzeugbaus zur damaligen Zeit waren die nicht vorhandenen starken und zuverlässigen Flugmotoren mit Leistungen über 1.000 PS. Deshalb behalf man sich mit dem Bau dreimotoriger Kampfflugzeuge. Für ein Flugzeug, das aber dem Einsatzprofil der Ju 88 entsprechen sollte, war eine dreimotorige Auslegung nicht möglich.
Alessandro Marchetti entschloss sich eine zweimotorige Ausführung der SM.84, einem mittleren dreimotorigen Bomber, zu entwickeln. Als Triebwerke wollte er die 14 Zylinder Doppelsternmotoren Piaggio P.XI (italienischer Lizenzbau des Gnome Rhone Major 14K mit 1.000 PS Startleistung) verwenden, die sich aber als zu schwach erwiesen, so dass er auf die unzuverlässigeren, aber stärkeren Piaggio P.XII umsteigen musste.
Lediglich der Rumpfbug wurde neu gestaltet. Er nahm die dort konzentrierte schwere Bewaffnung auf. Die Kabine wurde so geändert, dass Pilot, Funker und Bordschütze hintereinander saßen. Zum Schutz der Besatzung wurde eine 300 kg schwere Panzerung eingebaut.
Der Bug war ein mit Duralblechen verkleidetes Stahlrohrgerüst, während der von der SM.84 übernommene
hintere Rumpf mit Sperrholz verkleidet war. Das freitragende Leitwerk verfügte über ein doppeltes Seitenleitwerk. Die Tragflächen des Tiefdeckers waren eine reine dreiholmige Holzkonstruktion, die mit Sperrholz verkleidet war. Die Ruder waren teilweise stoffbespannt. Das einziehbare Heckradfahrwerk wurde hydraulisch betätigt und fuhr in die Triebwerksgondeln ein.
Am 13.April 1941 wurde das Konzept von der Regia Aeronautica akzeptiert und ein Prototyp bestellt.
Am 28. Juli 1942 startete dieser Prototyp MM.533 in Vergiate unter Testpilot Guglielmo Algarotti zum Erstflug. Die Werkserprobung verlief erfolgreich und im Oktober 1942 wurde die Maschine zur militärischen Erprobung nach Guidonia bei Rom überführt.
Während der Tests bemängelten die Piloten, das die SM.89 schwer zu fliegen und zu landen sei und vor allem ihre zu geringe Geschwindigkeit.
Der Vorschlag, durch stärkere Motoren Piaggio P.XV (1.650 PS Startleistung) höhere Leistungen zu erreichen, konnte nicht verwirklicht werden, da die Motoren nicht beschafft werden konnten. Zwecks Truppenerprobung kam die Maschine dann nach Cerveteri zur 173.Staffel, wo sie bei Erdkampfeinsätzen verwendet wurde. Dabei bewährte sie sich gut. Als die Staffel am 10. Juli 1943 zu Einsätzen über Sizilien nach Süden verlegt wurde, nahm man die SM.89 nicht mit. Sie verblieb in Cerveteri. Dort soll sie bei einem Luftangriff beschädigt und später von deutschen Truppen zerstört worden sein.
Savoia Marchetti SM.89 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Savoia Marchetti SM.89
Verwendung: Mehrzweck-Kampfflugzeug
Baujahr: 1943
Besatzung: 3 - 4 Mann
Triebwerk: zwei luftgekühlte 18 Zylinder Doppelsternmotoren Piaggio P.XII R.C.35 mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller
Startleistung: 1.500 PS (1.105 kW)
Dauerleistung: 1.300 PS (957 kW) in 3.000 m
Spannweite: 21,60 m
Länge: 18,20 m
größte Höhe: 4,60 m
Propellerfläche: 10,18 m²
Spurweite: 5,96 m
Flügelfläche: 62,40 m²
V-Form: +2,66°
Streckung: 7,48
Leermasse: 8.800 kg
Startmasse normal: 12.640 kg
Startmasse maximal: 14.020 kg
Tankinhalt: 2.740 Liter
Flächenbelastung: 224,68 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,67 kg/PS (6,34 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 440 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 465 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 378 km/h
Landegeschwindigkeit: 140 km/h
Gipfelhöhe: 8.200 m
Steigleistung: 5,7 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,0 min
Steigzeit auf 3.000 m: 10,5 min
Steigzeit auf 6.000 m: 25,0 min
Reichweite normal: 780 km
Reichweite maximal: 1.650 km ( mit Zusatztanks und 700 kg Bombenlast)
Flugdauer: 4,5 h
Bewaffnung: zwei 37 mm Maschinenkanonen Breda 45 mit je 40 Schuss und drei 12,7 mm Maschinengewehre SAFAT mit je 1.000 Schuss.
Geplant: zwei 12,7 mm Maschinengewehre SAFAT mit je 1.000 Schuss im Drehturm auf dem Rumpfrücken
Bombenlast maximal: 1.350 kg

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