Autor: ek

Saunders-Roe S.R. 45 Princess

Saunders-Roe S.R. 45 Princess
Das britische Versorgungsministerium ( Ministry of Supply) erteilte bereits 1943 Saunders-Roe den Auftrag zur Entwicklung eines überschweren Passagier- und Transportflugbootes, dass nach Beendigung des Krieges den zu erwartenden Steigerungen im Passagiervolumen gewachsen wäre. Außerdem sollte es die Forderung nach einem schweren Truppentransporter erfüllen, der in der Lage sein sollte, Elitetruppen schnell an jeden beliebigen Punkt des britischen Empire bringen zu können. So begann im man Frühjahr 1945 mit der Konstruktion eines Ganzmetallschulterdecker-Flugbootes, das über zwei Decks verfügte und von 10 Propellerturbinen Bristol Proteus, die sich in der Entwicklung befanden, angetrieben wurde. Der hohe Bootsrumpf wurde auf dem Wasser durch einziehbare, am Tragflügelende angebrachte Stützschwimmer stabilisiert. Das Flugboot wurde für 105 Passagiere oder für 200 voll bewaffnete Soldaten in der Version als Truppentransporter ausgelegt. Die Triebwerke wurden im Tragflügel untergebracht, wobei acht Triebwerke als Bristol Coupled Proteus, also als Doppeltriebwerke arbeiteten, wobei jedes Triebwerk einen Propeller antrieb, die allerdings auf einer gemeinsamen Welle liefen und gegenläufig waren. Die beiden äußeren Triebwerke waren Einzeltriebwerke. Die komplizierte Triebwerksanlage erwies sich als Quelle unzähliger Komplikationen und Störungen. Die S.R. 45 war übrigens das erste Flugzeug, das über ein fly-by-wire System verfügen sollte. Später nutzte man diese Innovation bei der Avro Vulcan. Da die Mängel scheinbar nicht zu beheben waren, stieg bereits 1951 die britische Luftfahrtsgesellschaft B.O.A.C., die die Maschinen später betreiben sollte, aus dem Projekt aus. Der Prototyp G-ALUN erhob sich am 22.August 1952 zum ersten Male unter Testpilot Geoffrey Tyson in die Luft. Die Maschine wurde zur Farnborough Airshow offiziell vorgestellt, wobei sie mehrmals das Ausstellungsgelände überflog. Die Triebwerksanlage bereitete immer wieder Probleme, so dass an eine militärische Verwendung nicht gedacht werden konnte. Die beiden anderen Prototypen G-ALUO und G-ALUP wurden zwar fertig gestellt, geflogen sind sie aber nie. Die G-ALUN absolvierte insgesamt 47 Testflüge mit über 100 Flugstunden bis die Entwicklung abgebrochen wurde. Die Kosten waren von ursprünglich geplanten 3,1 Millionen £ mittlerweile bei über 11 Millionen £ angelangt. 1955 mottete man die drei Flugboote ein, in der Hoffnung, dass sich zukünftig ein Verwendungszweck ergeben würde. Kurzzeitiges Interesse zeigte die NASA zum Transport von Saturn V Raketenteilen, Airbus dachte über den Transport von A 300 Rumpfsegmenten nach, entschied sich aber dann für die wirtschaftlichen Super Guppies. So wurden die drei S.R.45 1967 abgewrackt und verschrottet. Die Princess waren vom technischen Fortschritt in Form der ersten Transatlantik-Verkehrsflugzeuge wie der Super Constellation und später von den ersten Langstreckenjets wie der Boeing 707 oder der DC-8 überholt worden.
Saunders-Roe S.R. 45 Princess
Archiv: Eberhard Kranz
Technische Daten: Saunders-Roe S.R. 45 Princess
Verwendung: überschweres Passagier- und Transportflugboot
Baujahr: 1952
Besatzung: 12 Mann (2 Piloten, 2 Bordingenieure, 1 Funker, 1 Navigator und 6 Stewards)
Passagiere: 105 in der Clipper Class oder (geplant) 150 in der Economy Class
Nutzlast maximal: 18.150 kg
Triebwerk: zehn PTL-Triebwerke Bristol Proteus Serie 600 mit verstellbarem Vierblatt-Metallpropeller, wobei acht Triebwerke jeweils zu vier Doppeltriebwerken Bristol Coupled Proteus verbunden waren, die auf einer Propellerwelle sitzende Luftschrauben gegenläufig antrieben
Startleistung: je 3.548 PS (2.613 kW)
Dauerleistung: 3.200 PS (2.356 kW) in 6.000 m
Spannweite: 66,89 m
Spannweite Höhenleitwerk: 22,90 m
größte Höhe: 16,98 m
Propellerfläche: je 20,59 m²
Flügelfläche: 466,0 m²
V-Form: Tragflügel 0° Höhenleitwerk +10°
Leermasse: 86. 635 kg
Startmasse normal: 149.690 kg
Startmasse maximal: 156.500 kg
Tankinhalt: 10.200 Liter
Flächenbelastung: 335,8 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,42 kg/äPS (6,00 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 522 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 6.000 m: 579 km/h
Reisegeschwindigkeit in 6.000 m: 470 km/h
Landegeschwindigkeit: 155 km/h
Gipfelhöhe: 11.000 m
Steigleistung: 9,65 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,8 min
Steigzeit auf 3.000 m: 7,0 min
Steigzeit auf 6.000 m: 18,0 min
Reichweite normal: 8.510 km
Reichweite maximal: 9.205 km
Flugdauer: 20 h

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