Autor: ek

Roussel R.30

Roussel R.30
In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre forderte das Luftfahrtministerium zum Bau eines modernen Leichbaujägers auf. Hintergrund war, dass zu dieser Zeit kein leistungsfähiger Motor der 1.000 PS Klasse in Frankreich vorhanden war.
Wenn man nun das Flugzeug leicht genug baute, reichte auch Leistung von ca.700 PS der existierenden Motoren aus, um gute Flugleistungen zu erzielen.
Unter vielen Konstruktionen war auch die auf privater Basis erfolgte Roussel R.30. Der Entwurf wurde 1937 eingereicht und überzeugte durch sein schlüssiges Konzept. Wenn man einen schwächeren Motor verwenden sollte, musste man auch das Flugzeug entsprechend verkleinern, Leichtbau allein reichte nicht aus, wie es sich später bei der Caudron CR.714 C zeigte.
Die Maschine war ein einsitziger Tiefdecker mit einziehbarem Heckspornfahrwerk und Normalleitwerk. Der Rumpf war eine Ganzmetall-Schalenkonstruktion, die aus einem Stahlgerüst mit Leichtmetallbeplankung bestand. Als Antrieb diente der mit einer engen NACA Haube verkleidete 14 Zylinder Doppelsternmotor Gnome Rhone 14M-7 mit 690 PS Startleistung. Die hoch aufgesetzte, nach hinten in die Rumpfkontur eingestrakte Kabine gewährte dem Piloten eine gute Sicht nach vorn und unten. Der zweiholmige Tragflügel und das Leitwerk waren mit Leichtmetall verkleidete Metallkonstruktionen,
lediglich die Ruder waren stoffbespannt. Das Fahrwerk wurde hydraulisch in den Tragflügel eingefahren. Als Bewaffnung waren zwei nicht synchronisierte Maschinenkanonen in die Tragflügel eingebaut.
Da man das Flugzeug auch als Jagdbomber einsetzen wollte, befand sich unter dem Rumpf eine Aufhängung für eine 250 kg Bombe. Dort konnte auch ein 300 Liter Zusatztank angebracht werden.
Das Konzept gefiel den Militärs und Roussel erhielt Ende 1938 den Auftrag zum Bau eines Prototyps.
Im Juli 1939 war die Maschine dann fertiggestellt und startete am 17.Juli 1939 zu ihrem Erstflug, der problemlos verlief.
Die offizielle militärische Flugerprobung begann im August 1939 im Erprobungszentrum CEMA in der Nähe von Paris. Die dort erflogenen Leistungen lagen über denen des Wettbewerbsmodells Caudron C.714C.1, waren aber etwas schlechter als die der Arsenal VG 30 und der Dewoitine D 520. Um diese Leistungen ebenfalls zu erreichen, sollte die R.30 mit einem Gnome Rhone 14 M mit einer Startleistung von 800 PS ausgerüstet werden. Als im Juni 1940 die Truppen der Wehrmacht Paris erreichten, wurde das Flugzeug zerlegt und mit einem Lastwagen nach Bordeaux gebracht, das vorerst nicht besetzt wurde. Man lagerte die Maschine in einem ausrangierten Hangar ein. 1942 wurde die Maschine bei einem Brand in dem Hangargebäude völlig zerstört.
Roussel R.30 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Roussel R.30
Verwendung: Jagdflugzeug
Baujahr: 1939
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: ein luftgekühlter 14 Zylinder Doppelsternmotor Gnome Rhone 14M-7 mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller Ratier
Startleistung: 690 PS (508 kW)
Dauerleistung: 550 PS (405 kW) in 4.500 m
Spannweite: 7,72 m
Länge: 6,10 m
größte Höhe: 2,10 m
Propellerfläche: 3,46 m²
Spurweite: 1,76 m
Flügelfläche: 10,10 m²
V-Form der Außenflügel: 8,33°
Streckung: 5,9
Leermasse: 1.030 kg
Startmasse normal: 1.470 kg
Startmasse maximal: 1.765 kg
Tankinhalt: 420 Liter
Flächenbelastung: 174,75 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,55 kg/PS (3,46 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 472 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.800 m: 522 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 450 km/h
Landegeschwindigkeit: 135 km/h
Gipfelhöhe: 6.500 m
Steigleistung: 19,0 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,0 min
Steigzeit auf 5.000 m: 8,0 min
Reichweite normal: 900 km
Reichweite maximal: 1.200 km mit reduzierter Zuladung
Flugdauer: 2 h
Bewaffnung: zwei 20 mm Maschinenkanonen Hispano Suiza HS 404 mit je 80 Schuss starr in den Tragflächen
Bombenlast maximal: 250 kg

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