Autor: ek

Republic F-84F Thunderstreak

Republic F-84F Thunderstreak (F-96)
Ende 1949 unterbreitete Republic Aviation der USAF den Vorschlag, aus der F-84 einen Jagdbomber mit Pfeilflügeln abzuleiten. Der Entwurf AP-23M sah vor, den Rumpf der F-84E mit Pfeilflügeln zu versehen und dabei 55 Prozent der Teile der F-84E weiterzuverwenden. Während der Entwicklungsarbeiten entstand dann aber ein total neues Flugzeug, das außer dem Standardrumpf der F-84 E nichts mehr mit dem Vorgänger gemeinsam hatte. Die Maschine erhielt die Typennummer F-96 und der erste Prototyp mit der Nummer 49-2430 wurde als YF-96 Ficon bezeichnet.
Republic F-84F Thunderstreak (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der F-84F Thunderstreak
Die F-96 war ein einstrahliger Mitteldecker in Ganzmetallbauweise mit Pfeilflügeln, Bugradfahrwerk und gepfeilten Seiten- und Höhenleitwerk. Der Rumpf, in Halbschalenbauweise ausgeführt, hatte einen ovalen Querschnitt. Der Lufteinlauf befand sich zentral im Rumpfbug und der Gasaustritt am Heck des Rumpfes. Hinter den Tragflächen waren an den Rumpfseiten zwei große, perforierte Luftbremsen angebracht. Die einsitzige Kabine, die eine nach oben schwingende Kabinenhaube erhielt, befand sich auf dem Rumpf und ging nach hinten sauber in die Rumpfkontur über. Wegen des eingebauten Schleudersitzes konnte das gesamte Kabinendach im Notfall abgesprengt werden. Die über einen Holmkasten aufgebauten Tragflächen hatten einen Pfeilwinkel von 42 Grad, ebenso die Höhenflossen, die an der Seitenflosse angebracht waren. Als Triebwerk verwendete man ein Allison J35-A-25 mit 2.404 kp. Das Bugradfahrwerk verfügte über zwei hydraulisch in die Tragflächen einfahrbare einrädrige Hauptfahrwerke und ein nach hinten in den Rumpfbug ebenfalls hydraulisch einfahrbares Bugrad. Das Bugrad hatte die Besonderheit, dass es nicht lenkbar war, die Maschine konnte nur durch einseitiges Bremsen gelenkt werden, was später bei der Pilotenschulung dazu führte, dass bei der Rolleinweisung des Flugschülers vor dem ersten Alleinflug der Fluglehrer außen am Cockpit festgebunden wurde, um die entsprechenden Bremsmanöver zu überwachen und korrigierende Anweisungen über Sprechfunk zu erteilen. Wurde zu heftig einseitig gebremst, stellte sich das Bugrad quer und in schlimmeren Fällen knickte es einfach weg.
Republic F-84F Thunderstreak (Archiv: Eberhard Kranz)
Flugerprobung F-84F Thunderstreak
Die YF-96 wurde im Republic-Werk in Farmingdale auf Long Island gebaut und startete am 3. Juni 1950 zu ihrem Erstflug. Am 8. September 1950 wurde die Bezeichnung YF-96 offiziell dann in YF-84 F umgeändert und die Maschine erhielt den Beinamen Thunderstreak. Zwei weitere YF-84F wurden gebaut, die erste erhielt das britische Triebwerk Armstrong Siddeley Sapphire. Um das Triebwerk überhaupt verwenden zu können, mussten der Lufteinlauf und der gesamte Rumpfquerschnitt vergrößert werden. Diese Maschine startete am 14. Februar 1951 zu ihrem Erstflug. Bei dem anderen Prototypen verlegte man die Lufteinläufe in die Flügelwurzeln, was allerdings zu erheblichen Schubverlusten führte, so dass die Maschine als Jäger unbrauchbar war. Sie bildete aber den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Aufklärungsflugzeuges RF-84F Thunderflash, von dem später 108 Stück an die im Aufbau befindliche deutsche Luftwaffe geliefert wurden. Das Sapphire Triebwerk wurde bei Wright als J65 in Lizenz gebaut und war für die Serienausführung der F-84 F vorgesehen. Die erste Serienmaschine flog am 22. November 1952 mit dem YJ65-W-1, das 3.275 kp Schub abgab. Die USAF bestellte 275 F-84 F mit dem J65-W-1, deren Auslieferung am 3. Dezember 1952 begann. 100 weitere Maschinen erhielten das verbesserte Treibwerk J65-W-1A. Ab der F-84 F-5 wurde dann das zuverlässigere J65-W-3 gleicher Leistung eingebaut.
Republic F-84F Thunderstreak (Archiv: Eberhard Kranz)
Mängel mussten behoben werden
Mit den Serienmaschinen gab es zahlreiche Probleme, so war die Längs- und Querstabilität bei hohen Geschwindigkeiten ungenügend. Hinzu kamen immer wieder Triebwerksprobleme. Mit der Neukonstruktion des Leitwerkes und der Verwendung von einteiligen, vollbeweglichen ungedämpften Höhenflossen konnte man die Flugeigenschaften deutlich verbessern. Die ersten Serie, die das neue Leitwerk erhielt, war die F-84 F-25. Ab Anfang 1955 wurden F-84 F an die NATO-Verbündeten als Jagdbomber geliefert. So erhielten Belgien 197, Frankreich 328, die Bundesrepublik Deutschland 450, Italien 150, die Niederlande 180 Maschinen. Später gab die deutsche Luftwaffe 107 F-84F an die Türkei und 63 an Griechenland ab. Insgesamt wurden 2.711 F-84 F Thunderstreak gebaut, von denen etwa die Hälfte an verbündete NATO Luftwaffen im Rahmen des MDAP Programms geliefert wurden. Die letzten Maschinen wurden im November 1957 ausgeliefert und blieben bis November 1971, zuletzt bei der US-Nationalgarde, im Einsatz. Zwei Zellen wurden zum Einbau des General Electric XJ73-GE-5 modifiziert. Die erste flog als YF-84J am 5. Mai 1954 und erreichte bei einem späteren Testflug eine Geschwindigkeit von Mach 1,09. Der zweite Prototyp wurde nicht mehr fertig gestellt.
Republic F-84F Thunderstreak (Archiv: Eberhard Kranz)
Einsatz der F-84F bei der Bundesluftwaffe
Die Maschinen für die deutsche Bundesluftwaffe wurden mit Flugzeugträgern nach Bremen transportiert und dort bei der Weserflug GmbH für den Einsatz vorbereitet. Die Ausbildung der Piloten erfolgte zum größten Teil in den USA, wo die Piloten nach einer Grundschulung auf Lockheed T-33 A und Cessna T-37A dann auf der Luke Air Force Base Arizona ihre Waffenausbildung auf F-84F erhielten. Im amerikanischen Volksmund hieß die Airbase wegen der vielen deutschen Flugschüler bald ?Kraut Field?. Am 24. September 1956 nahm dann die Waffenschule der Luftwaffe 30 in Fürstenfeldbruck mit drei Maschinen den Flugbetrieb auf. Mit F-84 F wurden ausgerüstet das Jagdbombergeschwader 33 in Büchel, das Jagdbombergeschwader 31 Boelcke in Büchel aufgestellt und dann nach Nörvenich verlegt, das Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld, das Jagdbombergeschwader 35 in Faßberg aufgestellt und dann nach Memmingen verlegt so wie das Jagdbomber-geschwader 36 in Rheine/Hopsten. Am 3. Oktober 1966 fand der letzte Flug einer F-84F der Luftwaffe statt. Während der Einsatzzeit gingen 162 Maschinen als Totalverluste verloren. Die Gesamtflugzeit der F-84F bei der Luftwaffe betrug cirka 320 000 Flugstunden. Die Flugunfallstatistik weist für 1959 3,77 Flugunfälle mit der F-84F auf 10.000 Flugstunden aus. Einige F-84F kamen in verschiedene Luftfahrtausstellungen und blieben somit für die Nachwelt erhalten.
Republic F-84F Thunderstreak (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Republic F-84F Thunderstreak
Verwendung: Jagdbomber
Land: USA
Triebwerk: ein TL-Triebwerk Wright J65-W-3
Startleistung: 3.625 kp Schub (35,6 kN)
Dauerleistung: 3.180 kp Schub (31,2 kN) in 10.000 m
Maximalleistung: 8.400 kp Schub (82,4 kN) in 10.000 m mit Nachbrenner
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: 3. Juni 1950
Spannweite: 10,25 m
Länge: 13,24 m
größte Höhe: 4,76 m
Spurweite: 6,04 m
Flügelfläche: 30,23 m²
Pfeilung der Flügelkante: 42°
V-Form: -2,5°
Streckung: 3,48
Leermasse: 6.195 kg
Startmasse normal: 11.450 kg
Startmasse maximal: 12.700 kg
Tankinhalt: 1.960 Liter + zwei 710 Liter Zusatztanks unter den Tragflächen möglich
Flächenbelastung: 420,11 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,50 kg/kp Schub
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 1.118 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 6.000 m: 1.060 km/h
Marschgeschwindigkeit in 10.000 m: 950 km/h
Landegeschwindigkeit: 210 km/h
Gipfelhöhe: 14.500 m
Steigleistung: 38,3 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 26 sek
Steigzeit auf 10.000 m: 4,75 min
Steigzeit auf 14.500 m: 7,0 min
Reichweite normal: 2.600 km
Reichweite maximal: 3.770 km
Flugdauer: 4 h
Bewaffnung: sechs 12,7 mm Maschinengewehre Browning AN-M3 mit je 1.200 Schuss, davon vier im Rumpf , sowie gelenkte und ungelenkte Luft-Luft Raketen
Bombenlast: maximal 2.720 kg
Text: Eberhard Kranz

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