Autor: ek

Praga E-51

Praga E-51
In einer Ausschreibung von Mitte 1934 forderte die tschechoslowakische Luftwaffe einen als Typ III bezeichneten modernen Nahaufklärer. Die Ausschreibung ging an die Firmen Aero, Letov und Praga.
Daraufhin reichten die Firmen ihre Vorschläge ein, Aero die A-304, Letov die S-50 und CKD-Praga die E-51.
Im Januar 1936 begann sich ein Entwicklungsteam unter der Leitung von Jaroslav Slechte bei CKD-Praga, CKD steht übrigens für Ceskomoravska Kolben-Danek, den damals größten Hersteller von Kolben und anderen Teilen aus Aluminium in der Tschechoslowakei, der Anfang der dreißiger Jahre die Praga Flugzeugwerke übernommen hatte.
Der erste Entwurf Slechtes sah bereits einen zweimotorigen Mitteldecker in Ganzmetallbauweise mit Gondelrumpf, zwei Leitwerksträgern und festem Heckradfahrwerk vor. Das Seitenleitwerk war auf jedem Leitwerksträger vorhanden.
Allerdings war der Gondelrumpf so langgestreckt, da die vier Besatzungsmitglieder hintereinander sitzen sollten, dass er bis zur Höhenleitwerksfläche reichte, die dadurch auf dem Rumpfheck auflag.
Da die Sicht nach hinten stark beeinträchtigt war, verkürzte man den Rumpf zu einer echten Gondel mit einer großzügigen Bug- und Heckverglasung, gleichzeitig reduzierte man die Besatzung auf drei Personen, den Piloten, den Beobachter und den Funker, der gleichzeitig Bordschütze war. Der Pilot saß nun allein in der aufgesetzten Kabine, die nach hinten organisch in den Rumpf überging. Durch den freiwerdenden vierten Besatzungsplatz konnte eine umfangreiche Fotoausrüstung
installiert werden. Als Triebwerke standen mehrere einheimische Modelle zur Verfügung, der Praga FR mit 620 PS Startleistung, der Avia Rk-17 mit 355 PS Startleistung und der Walter Sagitta mit 550 PS Startleistung, der schließlich verwendet werden sollte.
Praga erhielt nach der Vorstellung des Projektes einen Auftrag zum Bau eines Prototypen, nachdem die Tragflächengeometrie überarbeitet worden war und der Einbau von Bordwaffen zugesagt worden war. Slechte entwarf dazu einen Drehturm, der auf dem Rumpfrücken platziert werden sollte. Der Prototyp entstand im Winter 1937/38 und stand im Frühjahr zur Erprobung und zum Einbau des Waffenturmes bereit.
Da dieser aber nicht zur Zufriedenheit funktionierte und auch mit etwa 500 kg sehr schwer ausgefallen war, entschied sich Slechte für einen einfachen Waffenstand im Heck , einem beweglichen Maschinengewehr im Rumpfbug und einem starren Maschinengewehr neben der Pilotenkabine. Als die Maschine dann am 26.Mai 1938 zu ihrem Erstflug startete, war bereits der Serienbau der Aero A-304 als Nahaufklärer beschlossen worden. Trotzdem wurde die intensive Erprobung bis März 1939 fortgesetzt. Erst Anfang 1940 entdeckten deutsche Ingenieure, die zu Praga kamen, den interessanten Prototyp, der dann im Juli 1940 zum Luftwaffen-Erprobungszentrum nach Rechlin gebracht wurde. Nach einer gründlichen Erprobung wurde die E-51 als Studienobjekt nach Böblingen zur Firma Klemm gebracht. Hier verliert sich ab Mitte 1942 die Spur des Flugzeuges, wahrscheinlich wurde es abgewrackt und verschrottet.
Praga E-51 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Praga E-51
Verwendung: taktisches Nahaufklärungsflugzeug
Baujahr: 1938
Besatzung: 3 Mann
Triebwerk: zwei luftgekühlte hängende 12 Zylinder V Reihenmotoren Walter Sagitta I-MR mit verstellbaren Dreiblatt-Metallpropellern
Startleistung: 542 PS (399 kW)
Dauerleistung: 495 PS (366 kW) in 4.000 m
Spannweite: 15,60 m
Länge: 11,69 m
größte Höhe: 4,26 m
Propellerdurchmesser: 2,90 m
Propellerfläche: 6,61 m²
Spurweite: 3,90 m
Flügelfläche: 35,44 m²
V-Form: +3,5 ° an den Außenflügeln
Leermasse: 3.100 kg
Startmasse normal: 4.120 kg
Startmasse maximal: 4.450 kg
Tankinhalt: 1.090 Liter
Flächenbelastung: 125,56 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,11 kg/PS (5,58 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 366 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.200 m: 382 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.200 m: 320 km/h
Landegeschwindigkeit: 118 km/h
Gipfelhöhe: 5.500 m
Steigleistung: 6,8 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 2,6 min
Steigzeit auf 3.000 m: 9,0 min
Reichweite normal: 1.100 km
Reichweite maximal: 1.350 km mit reduzierter Nutzlast
Flugdauer: 3,75 h
Bewaffnung: drei 7,92 mm Maschinengewehre Breda mit je 1.000 Schuss
Bombenlast: 100 kg Bomben unter den Tragflächen

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