Autor: ek

Polikarpov I-180

Polikarpov I-180
Nach der Auswertung des Einsatzes der I-16 im Spanischen Bürgerkrieg kam man im Verteidigungsministerium zu der Erkenntnis, dass sowohl die Doppeldecker I-15bis und I-153, als auch die I-16 den gegnerischen Jagdflugzeugen durchaus gewachsen seien. Ihre Hauptgegner waren italienische CR-32 und CR-42 gewesen, Die wenigen eingesetzten Bf 109 D und He 112 B waren durch ihre noch unerfahrenen Piloten auch keine Gegner, die unbedingt Schrecken einjagten. So kam man zu dem Entschluss, dass die I-16 durch den Einbau eines stärkeren Motors wieder zu einem überlegenen Jäger werden würde. Polikarpov erhielt dann im Februar 1938 den Auftrag, die I-16 auf den Einbau des neuen 14 Zylinder Doppelsternmotor M-87A umzukonstruieren. Während der Konstruktionsarbeiten wurde ziemlich schnell klar, das das Vorhaben auf ein neues Flugzeug hinaus lief, die I-16 war einfach nicht ohne große Änderungen weiter zu modifizieren. Probleme stellte auch der Motor, er erreichte seinen vollen Wirkungsgrad erst mit einem Luftschraubendurchmesser größer 3,20 m, für ein so kleines Flugzeug wie die I-16 ein unmögliches Unterfangen. Also verlängerte man den Rumpf, vergrößerte die Spannweite, legte den Tragflügel als Knickflügel aus und überarbeitete die aerodynamische Auslegung, wobei man zu einer überwiegenden Metallkonstruktion überging. Trotzdem musste man immer noch eine kleinere Luftschraube verwenden. Die neue Maschine erhielt die Bezeichnung I-180 und es erfolgte ein Auftrag über zwei Prototypen. Das Flugzeugwerk 21 in Gorki, das die I-180 bauen sollte, hatte aber keine Erfahrung im Metallbau, so kam es hier zu großen Problemen und Mängeln. Der Erstflug fand am 15.Dezember 1938 statt und endete tragisch. Während des Landeanflugs setzte das Triebwerk aus und die Maschine zerschellte kurz vor der Landebahn. Dabei fand einer der bekanntesten Testpiloten, der Held der Sowjetunion Valeri Tchkalov, den Tod. Wenige Tage später havarierte auch der zweite Prototyp. Dies war Grund genug, Polikarpov von der Tscheka, dem Vorläufer des KGB, verhaften zu lassen. Der Vorwurf lautete auf Sabotage. Nach mehreren Tagen Haft wurde Polikarpov mit der Auflage, die I-180 flugtauglich zu machen, wieder entlassen. Gleichzeitig wurde eine Kleinserie von 10 Maschinen I-180 in Auftrag gegeben. Die folgende Erprobung zog sich bis 1940 hin, ohne wesentliche Verbesserungen erreicht zu haben. Inzwischen hatte Polikarpov die unglückliche I-180 überarbeitet und mit einem M 82A Doppelsternmotor ausgerüstet. Diese Konstruktion erhielt die Bezeichnung I-185 und es wurden zwei Prototypen gebaut, die sehr ansprechende Flugleistungen zeigten, so lag die erzielte Höchstgeschwindigkeit bei 630 km/h und die Gipfelhöhe bei 10.000 m. trotzdem ging die I-185 nicht in den Serienbau. Polikarpovs Konstruktionen waren nicht mehr gefragt, er hatte bei der obersten Führung, besonders bei Stalin, das Stigma des Saboteurs und Staatsfeindes, das er bis zu seinem Tode 1944 nicht mehr loswurde.
Polikarpov I-180
Archiv: Eberhard Kranz
Technische Daten: Polikarpov I-180
Verwendung: Jagdflugzeug
Baujahr: 1939
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: ein luftgekühlter 14 Zylinder Doppelsternmotor Mikulin M-88R mit Dreiblatt-Verstellpropeller
Startleistung: 1020 PS (760 kW)
Dauerleistung: 950 PS (708 kW) in 5.500 m
Spannweite: 10,10 m
Länge: 7,65 m
größte Höhe: 2,45 m
Propellerdurchmesser: 2,86 m
Propellerfläche: 6,43 m²
Spurweite: 2,62 m
Flügelfläche: 16,10 m²
V-Form: Außenflügel +3°
Leermasse: 1.815 kg
Startmasse normal: 2.430 kg
Startmasse maximal: 2.660 kg
Tankinhalt: 400 Liter
Flächenbelastung: 165,2 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,61 kg/PS (3,50 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 472 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.000 m: 578 km/h
Reisegeschwindigkeit in 5.000 m: 430 km/h
Gipfelhöhe: 11.000 m
Steigleistung: 15,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,1 min
Steigzeit auf 3.000 m: 4,0 min
Steigzeit auf 5.000 m: 7,0 min
Reichweite normal: 880 km
Reichweite maximal: 1010 km
Startstrecke: 360 m
Landestrecke: 540 m
Flugdauer: 2,5 h
Bewaffnung: zwei 12,7 mm Maschinengewehre UBS mit 800 Schuss und zwei 7,62 mm Maschinengewehre ShKAS mit je 1.200 Schuss
Bombenlast maximal: 200 kg

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