Autor: ek

Polikarpov 2I-N1 (DI-1)

Polikarpov 2I-N1 (DI-1)
Im Oktober 1924 wurde der Entwurf des zweisitzigen Jägers 2I-N1, der unter der Leitung von N.N. Polikarpov entwickelt worden war, fertig gestellt. Die Maschine war ein aerodynamisch gut durchgearbeiteter Anderthalbdecker mit festem Heckspornfahrwerk und offener zweisitziger Kabine vor. Die durchgehende Achse des Hauptfahrwerks war aerodynamisch verkleidet. Die Maschine war in Schalenbauweise ausgeführt. Der Rumpf bestand aus einem Holzgerüst, das mit 1,5 mm starken Sperrholzschalen verkleidet war. Nur im Bereich des Motors wurden Verkleidungsbleche aus Dural verwendet. Als Triebwerk war ein 12-Zylinder- Reihenmotor Napier Lion mit 450 PS Startleistung vorgesehen, der im Motorenwerk GAZ in Lizenz gebaut werden sollte. Der Tragflügel war ebenfalls eine Holzkonstruktion, die das 1,5 mm dicke Sperrholz, das in Formschalen gepresst wurde, als tragendes Element verwendete. Ebenso war das Leitwerk ausgeführt. Lediglich die Ruder hatten Stoffbespannung.
Die Bewaffnung sollte aus einem synchronisiertem auf dem Motor montierten 7,62 mm Maschinengewehr PUL-9 und einem zweiten auf einem Drehkranz TUR-3 montiertem PUL-9 bestehen.
Nachdem das Projekt vorgestellt worden war, beschloss der wissenschaftliche Beirat der Roten Luftflotte am 9.Februar 1925, von dem zweisitzigen Jagdflugzeug einen Prototypen herstellen zu lassen. Am 15.Juni wurden die Arbeiten beschleunigt, um das Flugzeug zum 15.November 1925 ausliefern zu können. Dieser Termin wurde nicht eingehalten, am 1.Januar 1926 war die Maschine zu 90 Prozent fertig gestellt.
Am 8.Februar 1926 wurde das Flugzeug, das wegen der Jahreszeit ein Schifahrwerk erhalten
hatte, aus der Fertigungshalle der ehemaligen Flugzeugfabrik Dux in Moskau geschoben und am 9. Februar an die Erprobungsstätte auf dem Moskauer Zentralflughafen gebracht.
Nach der Bodenerprobung startete am 25.Februar 1926 der Pilot w. N. Filippov zum Erstflug. Bereits am nächsten Tag flog Filippov das gesamte Abnahmeprogramm, einschließlich der geforderten Kunstflugfiguren, wobei die Maschine sehr gute Flugeigenschaften bewies.
Am 31.März starteten Filippov und W. W. Michailov zum neunten Testflug, bei dem die Maximalgeschwindigkeit in Bodennähe ermittelt werden sollte. Beim Erreichen einer Geschwindigkeit von cirka 300 km/h riss die Sperrholzverkleidung vom oberen Tragflügel ab und wenig später auch vom unteren. Die 2I-N1 stürzte ab, wobei beide Insassen den Tod fanden. Am 18.Juli 1926 gab der Chef der Luftstreitkräfte P.I. Baranov einen Bericht vor dem Vorsitzenden des Volkskommissariats der RFSSR ab. Dabei gab er die alleinige Schuld am Unfall N.N. Polikarpov und seinen engsten Mitarbeitern, weil diese falsche Normen und Vorgaben zur Berechnung der Maschinen verwendet hätten. worauf diese mit Gefängnis bestraft wurden.
Im Februar 1927 wurden sämtliche Erprobungsunterlagen eingezogen und wahrscheinlich vernichtet. Ein neues Regelwerk für die Erprobung neuer Flugzeuge und neue material- und Festigkeitsnormen wurden in Auftrag gegeben. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe durfte Polikarpov vorerst keine schnellen Flugzeuge mehr entwickeln. Sein nächster Auftrag war ein zweisitziger Aufklärer, die spätere R-5.
Erst 1929 durfte er an der Seite von D.P. Grigorovich an der Entwicklung der I-5 teilnehmen.
Polikarpov 2I-N1 (DI-1) (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Polikarpov 2I-N1 (DI-1)
Verwendung: Jagdflugzeug
Baujahr: 1926
Besatzung: 2 Mann
Triebwerk: ein wassergekühlter 12-Zylinder-Y-Reihenmotor Napier Lion-I mit festem Zweiblatt-Holzpropeller
Startleistung: 450 PS (332 kW)
Dauerleistung: 405 PS (299 kW) in 3.000 m
Spannweite oben : 12,00 m
Spannweite unten: 8,70 m
Länge: 9,75 m
größte Höhe: 3,32 m
Propellerdurchmesser: 2,90 m
Propellerfläche: 6,61 m²
Spurweite: 2,08 m
Flügelfläche: 27,50 m²
V-Form: oben +2,25° unten 2,5°
Staffelung: 0,62 m
Streckung: 5,24
Leermasse: 1.150 kg
Startmasse normal: 1.705 kg
Startmasse maximal: 1.880 kg
Tankinhalt: 325 Liter
Flächenbelastung: 68,4 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,18 kg/PS (5,68 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 268 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 277 km/h
Marschgeschwindigkeit in 3.000 m: 243 km/h
Landegeschwindigkeit: 87 km/h
Gipfelhöhe: 7.100 m
Steigleistung: 6,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 2,75 min
Steigzeit auf 3.000 m: 10,0 min
Steigzeit auf 5.000 m: 17,0 min
Reichweite normal: 680 km
Reichweite maximal: 800 km
Flugdauer: 3 h
Bewaffnung: zwei 7,62 mm Maschinengewehre PUL 9, davon eins synchronisiert auf den Motor montiert mit 1.000 Schuss und eins auf einen Drehkranz TUR-3 mit 2.000 Schuss
Bombenlast maximal: 40 kg

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