Autor: ek

PZL-44 Wicher

PZL-44 Wicher
Im Jahre 1935 gab das polnische Verkehrsministerium eine Ausschreibung über ein modernes zweimotoriges Verkehrsflugzeug für 15 Passagiere heraus, das möglichst die für die staatlichen Luftfahrtgesellschaft LOT bestellten Douglas DC-2 ersetzen sollte und auch für den Export gedacht war. Bei PZL (Panstwowe Zaklady Lotnicze) in Warschau beauftragte man den zweiten Chefkonstrukteur Wsiewolod Jakimiuk mit der Entwicklung eines entsprechenden Projektes. Dieser orientierte sich stark an der Lockheed L-10 Electra, die 1934 erschienen war. Die PZL-44 war ein zweimotoriger freitragender Ganzmetall-Tiefdecker mit einziehbarem Heckradfahrwerk und doppeltem Seitenleitwerk. Der Rumpf war in Schalenbauweise ausgelegt, hatte einen ovalen Querschnitt und bot in einer großzügig dimensionierten Kabine 15 Passagieren in Einzelsesseln Platz. Jeder Sitzplatz hatte eine individuell regelbare Frischluftversorgung und Heizung und verfügte über ein großes rechteckiges Fenster. Hinter der Passagierkabine befanden sich eine Toilette und eine Garderobe. Der Gepäckraum befand sich hinter der Eingangstür zum Heck zu. Die einholmigen Tragflächen mit trapezförmigem Grundriss verfügten über Spaltlandeklappen. Der Übergang zum Rumpf war aerodynamisch sehr sorgfältig ausgeformt. Das freitragende Leitwerk verfügte über zwei elliptische Endscheiben. Alle Ruder waren gewichtsmäßig ausgeglichen. Das polnische Verkehrsministerium gab einen Prototyp in Auftrag, der am 12.März 1938 unter der Leitung von Testpiloten Boleslav Orlinsky zu seinem Erstflug startete. Die weitere Erprobung fand auf dem Warschauer Flughafen Okecie statt. Obwohl die Erprobungsergebnisse gut waren, weigerte sich die LOT die maschine zu übernehmen und bestellte stattdessen sechs Maschinen Lockheed L-14 Super Electra. Die Wicher baute man Anfang 1939 zu einem Frachtflugzeug um. Nach der Erprobung entschied man sich bei der LOT, 10 weitere Exemplare zu bestellen. Kurz darauf erweiterte man die Bestellung auf 14 Maschinen. Jetzt begann sich auch die polnische Luftwaffe für das moderne Flugzeug zu interessieren und forderte die Ableitung eines modernen mittleren Bombenflugzeuges unter Bezeichnung PZL-44B. Da aber die Fertigung bei PZL durch den Serienbau der PZL-P11, PZL-23, PZL-P24 und PZL -36 völlig überlastet war, kam es bis zum Kriegsbeginn zu keinem Bau weiterer PZL-44. Am 4.September 1939 wurde der Prototyp nach Grojca bei Lwow verlegt, wo er bei einer missglückten Landung beschädigt wurde. Die einmarschierenden sowjetischen Truppen beschlagnahmten die Maschine und brachten sie nach Moskau. Dort sollte sie im ZAGI repariert und zu Vergleichsflügen benutzt werden. Ob dies noch geschehen ist, kann nicht nachgewiesen werden. Jedenfalls ist über das weitere Schicksal der PZL-44 Wicher nicht bekannt.
PZL-44 Wicher (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: PZL-44 Wicher
Verwendung: Verkehrsflugzeug
Baujahr: 1938
Besatzung: zwei Mann ( Pilot und Funker)
Passagiere: maximal 14
Nutzlast: 2.750 kg
Triebwerk: zwei luftgekühlte 9-Zylinder-Sternmotoren Wright Cyclone GR-1820 G2 mit verstellbaren Dreiblatt-Metall-Propellern
Startleistung: je 1.000 PS (737 kW)
Dauerleistung: je 885 PS (652 kW) in 4.000 m
Spannweite: 23,80 m
Länge: 18,45 m
Höhe: 4,80 m
Propellerdurchmesser: 3,75 m
Propellerfläche: 11,04 m²
Spurweite: 5,95 m
Flügelfläche: 75,1 m²
V-Form: 3,33°
Streckung: 7,54
Leermasse: 5.990 kg
Startmasse normal: 8.890 kg
Startmasse maximal: 9.500 kg
Tankinhalt: 1.640 Liter
Flächenbelastung: 126,50 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,75 kg/PS (6,45 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 336 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 374 km/h
Reisegeschwindigkeit in 4.000 m: 325 km/h
Landegeschwindigkeit: 122 km/h
Gipfelhöhe: 6.000 m
Steigleistung: 6,3 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 2,75 min
Steigzeit auf 4.000 m: 15,5 min
Reichweite normal: 1.780 km
Reichweite maximal: 2.200 km
Flugdauer: 7 h

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