Autor: ek

Nikol A-2

Nikol A-2
Unter dem Einfluss der französischen Flugboote der Firma Lioré & Oliver, die er bei seiner Tätigkeit als Flugzeugkonstrukteur in Frankreich kennen gelernt hatte, begann sich Jerzy Nikol nach seiner Rückkehr nach Polen, ab 1929 mit dem Projekt eines zweimotorigen viersitzigen Amphibiums zu beschäftigen. Das Nikol A-1 genannte Flugboot mit einziehbarem Hilfsrädern sollte der Pilotenausbildung dienen, aber auch im regelmäßigen Lufttaxidienst zwischen Gdynia und Göteborg und Gdynia und Kopenhagen dienen. Aus Geldmangel wurde das Projekt nicht verwirklicht. Anfang 1929 gelang es Nikol, die polnische Marine für ein Mehrzweckflugboot, das ebenfalls ein Amphibium sein sollte, zu interessieren, da weder die polnische Marine noch die polnische Luftwaffe über Flugboote verfügten. Basierend auf dem Entwurf der A-1 entwickelte ab Mai 1929 Jerzy Nikol das Projekt A-2.
Nikol A-2 (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der Nikol A-2
Die A-2 war ein einmotoriges, zweisitziges, freitragendes Schulterdecker Amphibium in Gemischtbauweise mit festen Stützschwimmern unter den Tragflächen und einem hochklappbaren Heckspornfahrwerk für die Verwendung als Landflugzeug. Der einstufige, breit gekielte Bootsrumpf bestand aus einem Stahlrohrgerüst, das auf der Unterseite mit Leichtmetall und an den Seiten und auf der Oberseite mit Sperrholz verkleidet war. Die beiden Sitze befanden sich hintereinander im großzügig verglasten Kabinenbereich. Die einholmigen Tragflächen waren an einem Tragflächenmittelstück, das auf dem Rumpf auflag, angeschlagen und konnten durch Schnellverschraubungen in kurzer montiert oder demontiert werden. Auf dem Tragflächenmittelstück stand auf einem verkleideten Bockgerüst der Motor, der eine Druckschraube antrieb. Der vordere Teil der Verkleidung war offen, um den ungehinderten Zugang der Kühlluft zu den Zylindern zu ermöglichen. Am Rumpfheck war eine breite und flache Seitenleitwerksflosse angebracht, die die zum Rumpf abgestrebte Höhenflosse trug. Auf der Höhenflosse standen, nach innen zur Höhenflosse abgestrebt, zwei Seitenleitwerksflossen.
Nikol A-2 (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz des Nikol A-2
1934 war dann eine Attrappe erstellt, die von der polnischen Luftwaffe abgenommen wurde. Dabei geäußerte Änderungswünsche wurden beim Bau des ersten Prototyps, der im Sommer 1936 begann, berücksichtigt. Der Bau verzögerte sich wegen organisatorischer Defizite, so dass der Prototyp der A-2 erst im März 1939 zum Erstflug bereit stand, der dann am 18. April 1939 in Gdynia stattfand. Die Flugerprobung dauerte dann bis zum August 1939. Nach dem Abschluss sollte der Serienbau in Lublin beginnen. Am 1. September 1939 marschierten deutsche Truppen in Polen ein, der zweite Weltkrieg hatte begonnen. Bereits am 2. September wurde der Prototyp der A-2 von deutschen Soldaten entdeckt und beschlagnahmt. Die unbeschädigte Maschine wurde demontiert und zur Seeflugzeug-Erprobungsstelle nach Travemünde gebracht. Dort erhielt sie die deutsche zivile Kennung D-GOTZ und wurde einem Erprobungsprogramm für Beuteflugzeuge zugeteilt. Während der folgenden Erprobung wurde die A-2 so stark beschädigt, dass sie nicht wieder repariert werden konnte.
Nikol A-2 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Nikol A-2
Land: Polen
Verwendung: leichtes Mehrzweck Amphibienflugzeug
Triebwerk: ein luftgekühlter hängender Vier-Zylinder-Reihenmotor de Havilland Gipsy Major III mit starrem Dreiblatt-Holz-Propeller
Startleistung: 120 PS (89 kW)
Dauerleistung: 95 PS (70 kW) in 2.500 m
Besatzung: 2 Mann
Erstflug: 18. April 1939
Spannweite: 12,60 m
Länge: 7,70 m
größte Höhe: 3,10 m
Propellerdurchmesser: 1,75 m
Propellerfläche: 2,41 m²
Spurweite: 2,60 m
Abstand zwischen den Stützschwimmern: 7,82 m
Flügelfläche: 21,5 m²
V-Form: Außenflügel +5°
Streckung: 7,38
Leermasse: 630 kg
Startmasse normal: 950 kg
Startmasse maximal: 1.050 kg
Tankinhalt: 230 Liter
Schmierstoff: 22 Liter
Kraftstoffverbrauch: 42 Liter/h
Schmierstoffverbrauch: 0,5 Liter/h
Flächenbelastung: 48,84 kg/m²
Leistungsbelastung: 8,75 kg/PS (11,88 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Meeresnähe: 136 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 2.500 m: 147 km/h
Reisegeschwindigkeit in 2.500 m: 120 km/h
Landegeschwindigkeit: 75 km/h
Gipfelhöhe: 3.800 m
Steigleistung: 3,0 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 5,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 20 min
Reichweite normal: 600 km
Reichweite maximal: 680 km
Flugdauer: 5 h
Text: Eberhard Kranz

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