Autor: ek

Messerschmitt Bf 109 K

Messerschmitt Bf 109 K
Entwicklungsgeschichte
Mitte 1944 begann man bei Messerschmitt mit der Entwicklung der letzten Baureihe der Bf 109, der Bf 109 K, kurz ?Konrad? oder ?Kurfürst? genannt. Von der Bf 109 G-10 ausgehend, überarbeitete man erneut die Zelle, um aus dem nun 10 Jahre alten Grundentwurf die letzten möglichen Leistungssteigerungen herauszuholen, damit die Maschine leistungsmäßig nicht völlig den Anschluss zu den modernen alliierten Jagdflugzeugen verlor. Nachdem Abbruch der Entwicklung der Me 209 und Me 309 war man sich bewusst, das die Bf 109K, das letzte Messerschmitt-Jagdflugzeug mit Kolbenmotor sein würde. Gleichzeitig war man gezwungen unter dem Einfluß der sich ständig verschlechternden Kriegslage, endlich eine Standardisierung mit dem Ziel der Vereinfachung der Fertigung durchzusetzen. Unter dem Schlagwort ?Entfeinerung? wurden zum Beispiel teilweise schwer beschaffbare oder wegen Rohstoffmangels nicht mehr verfügbare Ausrüstungen weggelassen, wie zum Beispiel verschiedene Armaturen oder die verstärkte Verwendung von minderwertigeren Werkstoffen, wie Holz und Stahlblech anstelle von Duraluminium.
Als Kabinenverkleidung für die drucklose Kabine wurde die Gallandhaube beibehalten, als Verbesserung erhielt sie elektrisch beheizbare Front- und Seitenscheiben, sowie eine Warmluftspülung für die Dachverglasung. Der Sitz des Flugzeugführers war nun eine Sperrholzkonstruktion. Als Triebwerk war eigentlich der Daimler Benz DB 605 L mit Zweistufenlader vorgesehen, aber wegen der systematischen Bombenangriffe auf die Motorenfabriken wurde dessen Fertigung stark behindert, so dass weiter die gerade greifbaren Modelle DB 605 A/AS oder DM mit MW50 oder GM-1 Behältern eingebaut wurden. Durch die Verwendung des Laders des DB 603 beim DB 605 steigerte man die Höhenleistung des Motors deutlich. Allerdings wurde dadurch ein komplett neuer Motorträger notwendig. Durch die verschiedenen Verstärkungen wurde die Verwendung größerer Reifen von 660 x 190 mm notwendig. Diese passten nicht mehr in die Radnischen, so dass Ausbuchtungen auf den Tragflächenoberseiten notwendig wurden. Zur aerodynamischen Verbesserung dienten jetzt auch die
zwangsweise geführten Restabdeckungen des Fahrwerks. Endlich erhielt die Bf 109 in ihrer letzten Baureihe eine mechanische Fahrwerksüberwachung auf den Tragflächenoberseiten, wie sie bei der Focke Wulf Fw 190 lange schon serienmäßig verwendet wurde. Beim Ausfahren wurden rote Signalstifte sichtbar, die dem Flugzeugführer anzeigten, dass das Fahrwerk ausgefahren war. Das Heckrad erhielt einen verlängerten Sporn und ebenfalls eine zwangsweise geführte Abdeckung. Dadurch wurde der Bodenwinkel von 14,5° auf 13° verringert, was bewirkte, dass die Strömung in Dreipunktlage am Boden sich beim Starten und Rollen nicht mehr ablöste. Die Anzahl der Rollunfälle ging dadurch deutlich gegenüber den Bf 109 G Versionen zurück. Die Ruder wurden auch überarbeitet, so erhielten die Querruder Flettnerruder und das Seitenruder einen eckigen Gewichtsausgleich sowie zwei entgegengesetzt geschränkte Bügelkanten, was aerodynamische Vorteile brachte. Das neue hölzerne Leitwerk konnte übrigens gegen die Duralausführung ausgetauscht werden, da die Anschlüsse und Beschläge identisch waren. Um die Flugdauer zu erhöhen konnte ein 118 Liter Zusatztank im Rumpf eingebaut werden, indem man den Tank für die MW-1 oder GM-1 Anlage auf ein Fassungsvermögen von 75 Liter reduzierte. Das Staurohr und die Stabantenne waren an der linken Tragfläche angebracht. Die Bewaffnung bestand aus einer 30 mm MK 108 Motorkanone mit 60 Schuss und zwei 13 mm Maschinengewehren MG 131 auf dem Motor mit je 220 Schuss, die später durch zwei 15 mm Maschinengewehre MG 151 mit je 200 Schuss ersetzt wurden. In der linken Tragfläche wurde die Schußkamera BSK 16 eingebaut, um eine sichere Erfassung der tatsächlichen Abschüsse zu ermöglichen. Die Verwendung von Waffengondeln als Rüstsätze mit 20 mm Maschinenkanonen MG 151/20, Rüstsatz R 6, oder 30 mm Maschinenkanonen MK 103, Rüstsatz R 5, war möglich und wurde auch häufig benutzt. Einige Exemplare erhielten die verstellbare hölzerne dreiblättrige Messerschmitt Me P6 Verstellluftschraube, auch experimentierte man mit einer dreiblättrigen VDM Pfeilluftschraube mit Duralblättern, um den Wirkungsgrad zu erhöhen.
Fertigung und Einsatz der Bf 109K
Die Fertigung der Bf 109 K begann im Oktober 1944 und lief bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945. Durch die sich ständig dramatisch verschlechternde Situation, den Wegfall von Fertigungsstätten und dem Zusammenbruch der Zulieferindustrie blieben die gefertigten Stückzahlen relativ gering. Insgesamt sind nur noch etwa 700 Bf 109K aller Versionen gefertigt worden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Bf 109 K leistungsmäßig noch einmal den meisten alliierten Jagdflugzeugen ebenbürtig war und in der Hand eines erfahrenen Piloten immer noch eine gefährliche Waffe darstellte. Allerdings waren kaum noch erfahrene Flugzeugführer im fünften Kriegsjahr vorhanden und die drückende Überlegenheit der alliierten Flieger führte zu enormen Verlusten bei den deutschen Jagdfliegern. Die gefertigten Maschinen waren von schlechter Qualität, was durch die ständige Bombardierung der Fertigungsbetriebe und den verstärkten Einsatz von ungelernten Arbeitskräften, wie Frauen und Zwangsarbeitern in der Fertigung zu erklären ist. Auch wurden immer mehr minderwertige Rohstoffe verwendet, was sich natürlich auch bemerkbar machte. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Bf 109G und K lag Ende 1944 bei etwa 50 Flugstunden.
Kriegseinsatz der Bf 109 K
Die Bf 109 K wurde noch bei den Jagdgeschwadern JG1, JG3, JG4 und JG77 eingesetzt, wo sie zur Reichsverteidigung gegen die einfliegenden Viermotorigen Bomber eingesetzt wurden. Bei der Ardennenoffensive vom 16. Dezember 1944 bis zum Abbruch am 24. Dezember 1944 wurden noch einmal 1.492 Jagdflugzeuge, davon auch etwa 300 Bf 109 K, zusammengezogen. Am 24.Dezember waren insgesamt 1.088 deutsche Flugzeuge, davon etwa 70 Prozent Jäger, verloren gegangen. Die letzte große Aktion war dann der Einsatz gegen alliierte Flugplätze am 1. Januar 1945, bekannt als ?Unternehmen Bodenplatte?. Dabei gerieten die auf dem Rückflug befindlichen deutschen Jäger und Jagdbomber in das eigene Flakfeuer der V1 und V2 Abschußbatterien, was den Verlust von über 400 Flugzeugen zur Folge hatte. Damit hatte die organisierte Gegenwehr der deutschen Luftwaffe an der Westfront ein Ende gefunden. An der Oderfront und im Kampf um Berlin wurden dann die letzten Jagdflugzeuge und Jagdbomber bis zur Kapitulation verzweifelt eingesetzt.
Versionen der Bf 109 K
Bf 109 K-0
Bei der Bf 109 K-0 handelte es sich um die Nullserie, Baubeginn war ab November 1944 nachdem die Erprobungsmuster in Erprobungsstelle Rechlin ohne große Beanstandungen geprüft und für den sofortigen Serienbau freigegeben worden waren. Die K-0 war direkt aus der Bf 109 G-10 abgeleitet worden. Sie erhielt ein vergrößertes Holzleitwerk, dadurch erhöhte sich die Rumpflänge auf 8,94 m. Einbau der Gallandhaube, aber keine Druckkabine, Panzerung analog der G-10. Zur Leistungssteigerung wurde die GM-1 eingebaut. Die Bewaffnung bestand aus einer 30 mm Motorkanone MK 108 und zwei 15 mm Maschinengewehren MG 151/15 auf dem Motor. Insgesamt wurden von dieser Variante etwa 80 Exemplare gebaut.
Bf 109 K-2
Bei der Bf 109 K-2 handelte es sich um die Großserienausführung, die ab Dezember 1944 mit Daimler Benz DB 605 ASCM mit größerem Lader für eine Volldruckhöhe von 7.800 m und mit Zusatzeinspritzung MW-50 gebaut wurde. Die Startleistung betrug 1.435 PS. Ansonsten entsprach sie der K-0. Sie bot die Möglichkeit zur Mitnahme eines 300 Liter Zusatztanks oder einer 250 kg Sprengbombe unter dem Rumpf. Etwa 300 Exemplare wurden bis Kriegsende noch hergestellt.
Bf 109 K-4
Die Bf 109 K-4 entsprach bis auf die Verwendung einer Druckkabine völlig der K-2. Sie wurde nur in geringer Stückzahl etwa 80 Stück gebaut. Ab Februar 1945 erhielten einige Maschinen als Motorkanone die 30 mm Maschinenkanone MK 103 mit 60 Schuss.
Bf 109 K-6
Die Bf 109 K-6 war als Bomberzerstörer gebaut mit verstärkter Bewaffnung bestehend aus einer 30 mm Maschinenkanone MK 103 als Motorkanone, zwei 13 mm Maschinengewehren Mg 131 auf dem Motor und zwei 30 mm Maschinenkanonen MK 103 in Tragflügelbehältern (Rüstsatz R 5). Mit einem Startgewicht von 3.595 kg war die Maschine aber im Flug äußerst schwerfällig.
Sie wurde nur in kleiner Serie von Dezember 1944 bis Februar 1945 gefertigt. Die Gesamtstückzahl der fertiggestellten Maschinen dürfte deutlich unter 100 gelegen haben.
Bf 109 K-8
Bei der Bf 109 K-8 handelte es sich um eine Großserienausführung, sie entsprach nahezu der K-6. Die Bewaffnung bestand allerdings aus einer 30 mm Maschinenkanone Mk 103 als Motorkanone mit 60 Schuß und zwei 30 mm Maschinenkanonen Mk 108 mit je 60 Schuss als Flächenwaffen. Als Triebwerk kam der DB 605 L mit Zweistufenlader und einer Startleistung von 1.800 PS zum Einbau.
Ab Ende Februar 1945 wurde sie in nur noch geringen Stückzahlen an die Luftwaffe ausgeliefert. Die gefertigte Anzahl dürfte etwa bei 100 Maschinen gelegen haben.
Bf 109 K10
Die Bf 109 K10 war eine geplante verfeinerte Ausführung der K-4.
Bf 109 K-12
Mit der Bf 109 K-12 wollte man eine zweisitzige Schulversion verwirklichen, sie wurde aber nicht mehr gebaut.
Bf 109 K-14 war die schnellste Bf 109
Die Bf 109 K-14 war die letzte Serienversion der Bf 109, Serienbaubeginn Anfang April 1945. Die Maschine ähnelte der K-4, verfügte aber über den DB 605 L (1.800 PS Startleistung) mit MW50 Einspritzanlage. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei sensationellen 728 km/h in 11.500 m Höhe, was die K-14 zur schnellsten aller Bf 109 Ausführungen machte. Die Bewaffnung bestand aus drei 30 mm Maschinenkanonen MK 103 mit je 60 Schuss. Die K-14 kam nur noch vereinzelt zum Einsatz. Die Gesamtstückzahl dürfte 50 Exemplare nicht überschritten haben.
Bf 109 K (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Bf 109 K-14
Land: Deutschland
Verwendung: Jagdflugzeug
Triebwerk: 1 x flüssigkeitsgekühlter hängender 12 Zylinder V-Motor Daimler Benz DB 605 L mit Zweistufenlader und MW-50 Zusatzeinspritzung mit Dreiblatt-Metall-Verstellpropeller VDM
Startleistung: 1.800 PS (1.343 kW)
Dauerleistung: 1.395 PS (1.042 kW) in 7.800 m
Besatzung: 1 Mann
Baujahr: 1945
Spannweite: 9,97 m
Länge: 9,04 m
größte Höhe: 2,60 m
Propellerdurchmesser: 3,00 m
Propellerfläche: 7,07 m²
Spurweite: 1,945 m
Flügelfläche: 16,05 m²
Flügelstreckung: 6,19
V-Form: 1,5°
Leermasse: 2.345 kg
Startmasse normal: 3.380 kg
Startmasse maximal: 3.627 kg
Nutzlast gesamt: 1.280 kg
Kraftstoff: 500 Liter
Schmierstoff: 36 Liter
Flächenbelastung: 225,98 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,01 kg/PS (2,69 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 598 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 7.800 m: 728 km/h
Marschgeschwindigkeit in 5.000 m: 645 km/h
Landegeschwindigkeit: 138 km/h
Gipfelhöhe: 12.200 m
Steigleistung: 20,0 m/s
Steigzeit auf 1000 m: 0,8 min
Steigzeit auf 3000 m: 3,5 min
Steigzeit auf 5.500 m: 5,2 min
Reichweite normal: 640 km
Reichweite maximal: 820 km
Startstrecke: 395 m
Landestrecke: 425 m
Flugdauer: 1,0 h
Bewaffnung: eine 30 mm Maschinenkanone MK 103 als Motorkanone mit 60 Schuss und zwei 30 mm Maschinenkanonen MK 103 mit je 60 Schuss als Flächenwaffen
Bombenlast: eine 250 kg Bombe oder ein 300 Liter abwerfbarer Zusatztank
Text: Eberhard Kranz

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