Autor: ek

Linke-Hoffmann R.II (R.55)

Linke-Hoffmann R.II (R.55)
Die Firma Linke-Hoffmann AG in Breslau war einer der größten Hersteller von Lokomotiven im Deutschen Kaiserreich. Während des ersten Weltkrieges erkannte man sehr bald, welche Gewinnmöglichkeiten in der Herstellung von Flugzeugen lagen, von denen die kaiserliche Fliegertruppe immer mehr benötigte. Nach Abbruch der verlustreichen Bombenangriffe auf England mit Zeppelin-Luftschiffen, begann man sich bei Linke-Hoffmann, durch den Erfolg des Wettbewerbers Gothaer Waggonfabriken AG mit seinen Bombenflugzeugen G.I-V ermutigt, mit der Auslegung von Großkampfflugzeugen zu beschäftigen. Der erste Versuch, die R.I (R steht für Riesenflugzeug) scheiterte an ihrer technischen Unzulänglichkeit, half aber auch, wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Deshalb begann man Anfang 1916 mit der Entwicklung der R.II, die alle bisherigen Bombenflugzeuge in den Schatten stellen sollte. Wegen der leistungsschwachen Motoren war man gezwungen, vier Stück zu verwenden, um einigermaßen akzeptable Leistungen zu erreichen. Vier klobige Reihenmotoren erhöhten aber sichtlich den Luftwiderstand der großen Doppeldecker. Man half sich, indem man die Motoren paarweise auf die untere Tragfläche stellte und je einen mit einer Zug- und den anderen mit einer Druckschraube versah. Bei der R.II ging man den Weg konsequent weiter, indem man die vier Motoren im geräumigen Rumpf unterbrachte, wo sie über ein Spezialgetriebe eine riesige Luftschraube am Rumpfbug antreiben sollten. So sah die Maschine wie ein riesiger einmotoriger Doppeldecker aus. Die Luftschraube wurde von der Firma Garuda gefertigt und ist mit einem Durchmesser von 6,90 m bis heute eine der größten jemals hergestellten zweiblättrigen Holzluftschrauben. Die Motoren waren einzeln vom Hauptgetriebe ab- und zuschaltbar. Mit zwei Motoren war die G.II noch flugfähig. Die G.II war in Gemischtbauweise hergestellt, der Rumpf bestand aus einer Stahlrohrkonstruktion und war vorderen Rumpfbereich mit Alublech, sonst mit Stoff verkleidet. Die riesigen Tragflügel waren eine Holzkonstruktion, die mit Stoff bespannt war. Das Spornfahrwerk verfügte über zwei riesige Haupträder. Die erste Maschine R.55 wurde im Frühjahr 1918 fertig und führte mehrere Flüge durch. Die zweite, R.56, war bei Kriegsende noch im Bau. Beide Maschinen wurden in Breslau zerstört, um sie nicht als Kriegsbeute ausliefern zu müssen.
Linke-Hoffmann R.II (R.55)
Archiv: Eberhard Kranz
Technische Daten: Linke-Hoffmann R.II (R.55)
Verwendung: Großkampfflugzeug, Aufklärer
Baujahr: 1917
Besatzung: 4 Mann
Triebwerk: vier Wassergekühlte stehende 6 Zylinder Reihenmotoren Mercedes D.IVa über ein gemeinsames Getriebe auf einen Zweiblattpropeller Fabrikat ?Garuda? wirkend
Startleistung: 260 PS (191 kW)
Dauerleistung 240 PS (173 kW) in 2.000 m

Spannweite oberer Tragflügel: 42,16 m
Spannweite unterer Tragflügel: 37,66 m
Spannweite Höhenleitwerk: 8.08 m
Länge: 20,32 m
größte Höhe: 7,10 m
Propellerfläche: 37,40 m²
Spurweite: 5,30 m
Raddurchmesser Hauptfahrwerk: 2, 32 m
Flügelfläche: 320,00 m²
V-Form: oberer Tragflügel 0°, unterer Tragflügel + 2,5°
Leermasse: 6.890 kg
Startmasse normal: 11.800 kg
Startmasse maximal: 12.370 kg
Tankinhalt: 1.640 Liter
Ölvorrat: 240 Liter
Flächenbelastung: 38,66 kg/m²
Leistungsbelastung: 11,89 kg/PS (16,15 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 125 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 1.000 m: 130 km/h
Marschgeschwindigkeit in 1.000 m: 120 km/h
Landegeschwindigkeit: 80 km/h
Gipfelhöhe: 2.550 m
Steigleistung: 0,9 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 18,0 min
Reichweite normal: 200 km
Reichweite maximal: 250 km
Flugdauer: 2 h
Bewaffnung: drei 7,92 mm Maschinengewehre LMG Spandau 08/15 auf Drehzapfen gelagert mit je 1.000 Schuss
Bombenlast: 2.000 kg

Kommentare

Anzeige
FliegerWeb on Facebook:
empfohlen
 
 

Back to Top