Autor: ek

Koolhoven FK – 58

Koolhoven FK - 58
Im Frühjahr 1938 startete die französische Armée de l? Air eine internationale Ausschreibung nach einem schnell lieferbaren Jagdflugzeug, um dem Engpass bei modernen Jagdflugzeugen in Frankreich zu überbrücken. Unter anderem erhielt auch die niederländische N.V. Koolhoven Vligtuigen BV diese Anfrage. Eigentlich war die französische Regierung entschlossen 300 Curtiss 75A Hawk aus den USA zu beschaffen, aber ein niederländischer Lieferant bot, gleiche Qualität vorausgesetzt, deutliche logistische Vorteile. Bei Koolhoven entwickelte Erich Schatzki, der 1934 aus Deutschland emigriert war und eine Zeit lang bei Fokker als Konstrukteur gearbeitet hatte, einen einmotorigen Tiefdecker in der für ihn typischen Gemischtbauweise mit Normalleitwerk und einziehbarem Heckradfahrwerk. Als Triebwerk sollte der Hispano-Suiza 14AA 14 Zylinder Doppelsternmotor mit 1.080 PS Startleistung Verwendung finden.
Koolhoven FK ? 58 (Archiv: Eberhard Kranz)
Hauptkonstruktionsmerkmale der Koolhoven FK - 58
Der Rumpf bestand aus einer Stahlrohrkonstruktion, die bis zum Bereich der Kabine mit Duralblechen verkleidet war. Der hintere Rumpfteil war mit Stoff bespannt. Die Tragflächen in der von Schatzki bevorzugten Trapezform waren eine mit Sperrholz verkleidete Holzkonstruktion, ebenso das Leitwerk. Das Höhenleitwerk war durch eine I-Strebe zum Rumpf hin abgestrebt. Sämtliche Ruder waren stoffbespannt. Der Entwurf fand das Interesse der Armée de l? Air und Koolhoven erhielt einen Bauauftrag für vorerst zwei Prototypen, die aber als Triebwerk den Gnome Rhone 14N-39 erhalten sollten. In knapp drei Monaten war der erste Prototyp fertig gestellt, allerdings wegen Lieferproblemen von Gnome Rhone mit dem ursprünglich vorgesehenen Hispano-Suiza Motor.
Koolhoven FK ? 58 (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung Bau und Einsatz der Koolhoven FK - 58
Am 17. Juli 1938 startete der Prototyp unter Testpilot T. Coppers in Waalhaven zu seinem Erstflug. Die Erprobung verlief sehr zügig und die Flugeigenschaften und die dabei erzielten Leistungen waren der der Bloch 151 und der Curtiss 75A Hawk durchaus ebenbürtig. Am 22. September 1938 hatte die Maschine 504 km/h erreicht und im Sturzflug aus 5.000 m angeblich 890 km/h. So erhielt Koolhoven einen Auftrag über ein erstes Baulos von 50 FK-58 mit Gnome Rhone Motor. Als Bewaffnung wurden vier 7,5 mm Maschinengewehren FN Browning, die paarweise in einem Waffenbehälter unter den Tragflächen außerhalb des Propellerkreises eingebaut waren, verlangt. Inzwischen war auch der zweite Prototyp, ebenfalls noch mit dem Hispano-Suiza-Motor fast fertig gestellt. Vom 25. November bis zum 1. Dezember 1938 zeigte man in Paris den ersten Prototypen der FK-58 der Öffentlichkeit. Dazu war die ganze Maschine leuchtend blau lackiert worden, nur das Seitenruder war weiß. Eine weiße 58 war auf beiden Rumpfseiten aufgespritzt worden. Am 27.01.1939 waren der zweite Prototyp und auch die erste Serienmaschine flugbereit. Diese Maschinen und die nächsten drei Serienmaschinen hatten noch den Hispano-Suiza, die folgenden erhielten dann den gewünschten Gnome Rhone 14N-39. Inzwischen interessierte sich auch die niederländische Luftwaffe für die FK-58 und bestellte am 22. Juli 1939 36 Maschinen, die aber den Bristol Taurus III mit 1.080 PS Startleistung erhalten sollten. Koolhoven war für eine Serienfertigung dieser Größe nicht ausgerüstet, so vergab man eine Fertigungslizenz an die belgische SABCA. Bis zum Kriegsbeginn wurden noch 13 FK-58 an Frankreich ausgeliefert, die auf Wunsch des Kolonialministeriums nach Indochina verschifft werden sollten. Letztlich kamen nur drei FK-58 in Indochina an, die aber bald wegen des Klimas und des Fehlens von Ersatzteilen flugunklar wurden. Die in Belgien gefertigten Maschinen konnten wegen fehlender Motoren nicht ausgeliefert werden und wurden nach der Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen verschrottet. 23 bereits teilweise montierte Maschinen wurden zur Komplettierung nach Nevers über Le Havre weitergeleitet, allerdings wurde in Nevers nur noch eine Maschine fertig gestellt. Bei einem Luftangriff auf die Koolhoven-Flugzeugfabrik am 12. Mai 1940 gingen sämtliche für die niederländische Luftwaffe bestimmten FK-58 verloren.
Koolhoven FK ? 58 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Koolhoven FK - 58
Land: Holland
Verwendung: Jagdflugzeug
Triebwerk: ein luftgekühlter 14 Zylinder Doppelsternmotor Gnome Rhone 14N-39 mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller
Startleistung: 1.075 PS (792 kW)
Dauerleistung: 1.036 PS (763 kW) in 5.000 m
Besatzung: 1Mann
Erstflug: 17. Juli 1938
Spannweite: 10,97 m
Länge: 8,68 m
größte Höhe: 2,99 m
Propellerdurchmesser: 2,90 m
Propellerfläche: 6,61 m²
Spurweite: 3,98 m
Flügelfläche: 17,30 m²
V-Form: 5,5°
Streckung: 6,96
Leermasse: 1.820 kg
Startmasse normal: 2.550 kg
Startmasse maximal: 2.740 kg
Tankinhalt: 500 Liter
Schmierstofftank: 40 Liter
Flächenbelastung: 158,38 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,55 kg/PS (3,46 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 448 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.000 m: 504 km/h
Marschgeschwindigkeit in 5.000 m: 450 km/h
Landegeschwindigkeit: 133 km/h
Gipfelhöhe: 10.400 m
Steigleistung: 14,5 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,25 min
Steigzeit auf 4.000 m: 6,5 min
Reichweite normal: 750 km
Reichweite maximal: 880 km
Flugdauer: 1,75 h
Bewaffnung: vier starre 7,5 mm Maschinengewehre MAC FN Browning Mle 38 mit je 1.000 Schuß
Bombenlast normal: 100 kg
Bombenlast maximal: 150 kg
Text: Eberhard Kranz

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