Autor: ek

Junkers J.4

Junkers J.4 (I 1)
Entwicklungsgeschichte
Die Versuchsflugzeuge Junkers J.1 bis J.3, die alle als Ganzmetalleindecker ausgeführt waren, boten durch ihre Auslegung als gepanzerte Infanterieunterstützungsflugzeuge der Obersten Heeresleitung die Möglichkeit der Bekämpfung der gegnerischen Stellungen im Tiefstflug. So erhielt Junkers am 18. November 1916 den Auftrag drei niedrigfliegende Infanterieflugzeuge zu bauen, die auf ausdrücklichen Wunsch der Inspektion der Fliegertruppen (Idflieg) als Doppeldecker ausgeführt werden mussten. Als Verwendungszweck sollten unter anderem im Tiefstflug leichte Bomben und Handgranaten über den gegnerischen Gräben abgeworfen werden. Die Maschine sollte zweisitzig sein und zur Abwehr von hinten angreifender Flugzeuge über ein schwenkbares Maschinengewehr verfügen.
Konstruktionsmerkmale Junkers J.4 (I 1)
Bei Junkers entstand ein relativ großer Anderthalbdecker, bei dem die Tragflächen nur verstrebt aber nicht verspannt waren und der komplett, bis auf die Panzerwanne, aus Duraluminium hergestellt werden sollte. Duraluminium als Werkstoff für die Flugzeugfertigung hatte man bei Junkers schon bei der Entwicklung der J.2 Anfang 1916 erprobt, als man bei der Erprobung der J.1 feststellte, daß Stahl als Werkstoff wegen seines hohen Gewichts nur bedingt verwendbar war. Der Rumpf bestand aus einem Rohrgerüst, das die 470 kg schwere Panzerwanne aus 4 mm starken Chrom-Nickel-Stahl, die die Besatzung und den Motor gegen den Beschuß mit Infanteriewaffen schützen sollte, aufnahm. Der Rumpf war komplett mit Wellblechplatten aus Duraluminium verkleidet. In der späteren Serienfertigung wurde allerdings das Rumpfhinterteil wegen Rohstoffknappheit mit Stoff bespannt. Als Triebwerk wurde der flüssigkeitsgekühlte stehende Sechszylinder Reihenmotor Benz Bz IV mit 230 PS Startleistung verwendet. Beim späteren Serienbau kam auch vereinzelt der Daimler D IIIa, ebenfalls ein stehender wassergekühlter Sechszylinder-Reihenmotor mit einer Startleistung von 160 PS, zum Einbau. Die Haupttragfläche war dreiteilig aufgebaut und verfügte erstmals über die später für Junkers typische aufgelöste Rohrholmbauweise. Die Verkleidung der Tragflächen erfolgte mit zwischen 0,8 bis 1,5 mm starken Wellblech aus Duraluminium. Das Tragflächenmittelteil, das an der Hinterkante halbkreisförmig ausgespart war, um dem Bordschützen ein freieres Schußfeld zu gewährleisten, war als Baldachin über den Pilotensitz angebracht und durch zwei V-Streben gegen den Rumpf und zur unteren Tragfläche hin abgestrebt. Die Außenflügel, die sich im Querschnitt nach außen stark verjüngten, trugen die über den Tragflächenabschluß hinausragenden großen Querruder. Der ebenfalls dreiteilige kleinere untere Tragflügel lief frei unter dem Rumpf hindurch. Das Tragflächenmittelteil war mit je zwei I-Streben zum Rumpf hinabgestrebt. Gleichzeitig waren an der Tragflächenunterseite die Streben, die das Hauptfahrwerk trugen, angeschlagen. Die Außenflügel verfügten über eine positive V-Stellung und waren freitragend. Das Höhenleitwerk verfügte über einen rechteckigen Grundriß und war freitragend angebracht. Beim späteren Serienbau wurden die Höhenruder ebenfalls mit Stoff bespannt. Das Seitenleitwerk war eine freitragende Ganzmetallkonstruktion. Das großflächige Seitenruder war mit Duraluminium Wellblech verkleidet.
Erprobung und Einsatz Junkers J.4 (I 1)
Anfang Januar 1917 konnte die erste Maschine fertig gestellt werden, lediglich die Panzerwanne fehlte noch. Trotzdem startete Arved von Schmidt am 28. Januar 1917 mit der J.4 zum Erstflug, der wegen der fehlenden Panzerwanne ziemlich abenteuerlich verlief, weil die Maschine dadurch extrem schwanzlastig war. Mitte Februar 1917 war dann die Panzerwanne eingebaut und die Flugeigenschaften der Maschine wurden als normal bezeichnet. Lediglich die lange Startstrecke und die fehlende Sicht nach oben wurden bemängelt. Inzwischen waren die beiden anderen Maschinen ebenfalls fertiggestellt und alle drei Flugzeuge wurden nach Berlin-Adlershof zur Idflieg gebracht, wo nach ausgedehnten Flugversuchen am 7. Mai 1917 die Typenzulassung erfolgte. Die Maschine erhielt die offizielle Bezeichnung Infanterieflugzeug I (I-1), für das die Idflieg einen Dauerauftrag erteilte. Da man bei Junkers in Dessau für eine solche Serienfertigung zu unerfahren war, kam es auf Druck der Obersten Heeresleitung zu einem Zusammengehen mit der A.H.G. Fokker Flugzeugwerke GmbH, woraus die Junkers-Fokker-AG in Dessau entstand. Während des Serienbaus entwickelte man die Maschine immer weiter, so erhielt das Flugzeug ab der Baunummer 101 einen Fotoapparat im Rumpf und ab 1918 war der Rumpf eine Schalenkonstruktion. Bis zum Kriegsende am 11. November 1918 sind 227 Junkers J.4 (I1) gebaut worden, die sich sehr gut bewährt haben.
Junkers J4 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Junkers J.4
Land: Deutschland
Verwendung: Erdkampfflugzeug (Infanterieflugzeug)
Triebwerk: ein wassergekühlter 6 Zylinder?Reihenmotor Benz Bz IV mit starren Zweiblatt-Holzpropeller
Startleistung: 230 PS (171 kW)
Dauerleistung: 197 PS (147 kW) in 1.000 m
Besatzung: 2 Mann
Erstflug: 28. Januar 1917
Spannweite obere Tragfläche: 16,00 m
Spannweite untere Tragfläche: 8.75 m
Länge: 9,10 m
größte Höhe: 3,47 m
Spurweite: 1,78 m
Propellerdurchmesser: 2,60 m
Propellerfläche: 5,31 m²
Flügelfläche: 49,42 m²
V-Form: obere Tragfläche +1,5 Grad
V-Form: untere Tragfläche
Flügelstreckung: 5.18
Staffelung: 0,42 m
Leermasse: 1.766 kg
Startmasse normal: 2.176 kg
Startmasse maximal: 2.266 kg
Nutzlast: 500 kg
Tankinhalt maximal: 150 Liter
Schmierstofftank: 28 Liter
Flächenbelastung: 45,83 kg/m²
Leistungsbelastung: 9,85 kg/PS (13,40 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 155 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 1.000 m: 166 km/h
Marschgeschwindigkeit in 1.000 m: 132 km/h
Gipfelhöhe: 3.300 m
Steigleistung: 1,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 13,5 min
Steigzeit auf 2.000 m: 33,0 min
Reichweite normal: 280 km
Reichweite maximal: 325 km
Startstrecke: 790 m
durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch: 68 Liter/h
Flugdauer: 2,1 h
Bewaffnung: zwei 7,92 mm luftgekühlte Maschinengewehre Mauser 08/15 mit 400 Schuß auf dem Rumpf und ein 7,92 mm Maschinengewehr Parabellum auf Schwenklaffette mit 1.000 Schuß.
Bombenlast: maximal 10 x 10 kg Bomben seitlich am Rumpf neben dem Bordschützenstand aufgehängt.
Text: Eberhard Kranz

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