Autor: ek

Jeannin Stahltaube

Jeannin Stahltaube
Emil Jeannin war einer der bekanntesten Flieger vor dem ersten Weltkrieg. Er selbst hatte in Frankreich fliegen gelernt und belegte zum Beispiel bei der Berliner Flugwoche in August 1910 mit einem Farman-Doppeldecker den ersten Platz mit der längsten Gesamtflugdauer. 1912 gründete er in Johannisthal die ?Emil Jeannin Flugzeugbau GmbH?. Als Flugzeughersteller setzte er ganz auf den Eindecker, bis Ende 1912 entwickelte er drei Eindecker, die aber keine Käufer fanden. Erst seine Taube von 1913, stark der Taube des Österreichers Igo Etrich ähnelnd, fand das Interesse der Militärs. Er hatte versucht, möglichst auf Holz als Baumaterial zu verzichten und stattdessen besonders bei Rupfgerüst, Spannturm, Fahrwerk und Brücke ovale Stahlrohre zu verwenden, Tragflächen, Holme und Rippen waren noch in Holzbauweise hergestellt. Für die Bespannung wurde eine segeltuchähnliche Leinwand verwendet, die mit Emaillit getränkt war und dadurch wasserundurchlässig und sehr rissfest wurde. Das Fahrgestell hatte zwischen den Laufrädern eine starke Kufe, die vorn bis an die untere Motorverkleidung reichte. Am hinteren Teil war ein mechanischer Bremssporn aus Stahl angebracht, der vom Führersitz mittels eines Bowdenzugs bedient wurde. Auf Wunsch der Militärverwaltung wurde eine Doppelsteuerung eingebaut. 1913 flog Otto Stiefvatter mit einer Stahltaube an einem Tag mit einem Passagier von Freiburg im Breisgau nach Königsberg in Ostpreussen und gewann eine 100.000 Goldmark Prämie. Insgesamt kaufte die Heeresverwaltung 37 Stahltauben für die Feldfliegerabteilungen. Der Preis lag zwischen 22.000 -25.000 Goldmark pro Stück. Nach Beginn des 1.Weltkrieges wurden die Stahltauben ab September 1914 als zweisitzige Aufklärungsflugzeuge eingesetzt. Als gute Leistung galt ein dreistündiger Flug bei 80 -100 km/h in einer Höhe von 800 ? 1.000 m. Als Bewaffnung erhielten die Beobachter einen Karabiner 98K oder eine 7,62mm Mauser Pistole. Manchmal wurden auch 14 cm lange, 3 kg schwere spitze Stahlpfeile, so genannte Fliegerpfeile, mitgenommen und über den gegnerischen Truppen abgeworfen. Mit dem Erscheinen der ersten bewaffneten Jagdflugzeuge 1915 wurden die Stahltauben an die Fliegerschulen abgegeben.
Jeannin Stahltaube
Archiv: Eberhard Kranz
Technische Daten: Jeannin Stahltaube
Verwendung: Aufklärungs- und Schulflugzeug
Baujahr: 1914
Besatzung: 2 Mann
Triebwerk: 1x wassergekühlter stehende 6-Zylinder Reihenmotor Daimler D I mit zweiflügliger Holzluftschraube mit einem Durchmesser von 2,65 m
Startleistung: 100 PS (75 kW)
Dauerleistung: 80 PS ( 60 kW) in 1.000 m
Verbrauch: 31,8 Liter/100 km
oder 1x wassergekühlter stehender 6-Zylinder Reihenmotor Argus As II mit zweiflügliger Holzluftschraube mit einem Durchmesser von 2,65 m
Startleistung: 150 PS (110 kW)
Dauerleistung: 110 PS (81 kW) in 1.000 m
Verbrauch. 38,9 Liter/100 km
Spannweite: 13,87 m
Länge: 9,69 m
größte Höhe: 3,10 m
Flügelfläche: 36,4 m²
Propellerfläche: 5,52 m²
Flügelpfeilung: keine
Leermasse: 705 kg
Startmasse: 1.035 kg
Kraftstoff: 105 Liter
Schmierstoff: 25 Liter
Flächenbelastung: 28,3 kg/m²
Leistungsbelastung bei Daimler D I: 10,3kg/PS (14,0 kg/kW)
Leistungsbelastung bei Argus As II: 6,9 kg/PS (9,4 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 95 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 1.000 m: 110 km/h
Reisegeschwindigkeit in 1.000 m: 80 km/h
Landegeschwindigkeit: 65 km/h
Gipfelhöhe: 2.500 m
Steigleistung: 1,0 m/s
Steigzeit auf 800 m: 13 min
Steigzeit auf 1.000 m: 18 min
Reichweite normal: 300 km
Flugdauer maximal: 4 h
Startstrecke: 200 m
Landestrecke: 300 m
Bewaffnung: keine, später Handfeuerwaffen wie Karabiner und Pistolen für den Beobachter
Bombenlast: keine, verschiedentlich 25 so genannte Fliegerpfeile

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