Autor: ek

Iljushin Il-22

Iljushin Il-22
Als wertvolle Kriegsbeute waren den sowjetischen Truppen 1945 zahlreiche Unterlagen, Forschungsergebnisse und Projekte der deutschen Luftrüstung in die Hände gefallen, da cirka 60 Prozent der gesamten deutschen Luftrüstungsbetriebe sich in der Mitte und dem Osten Deutschlands befanden. Das waren neben der gesamten Strahltriebwerksentwicklung auch Projekte und Prototypen moderner Kampfflugzeuge; so auch das vierstrahlige Kampfflugzeug He 343, das komplett konstruiert war und sich bereits einzelne Teile in der Fertigung befanden. Basierend auf diesen Unterlagen entstand bei Iljushin bereits im Frühjahr 1946 der Entwurf eines vierstrahligen Bombenflugzeuges. Man erhielt sofort den Auftrag zur weiteren Entwicklung und dem Bau eines Prototyps. Die Maschine, nun als Il-22 bezeichnet, war als Ganzmetallschulterdecker mit trapezförmigen Tragflächen, hoher Streckung, leicht ovalem Rumpfquerschnitt und Normalleitwerk ausgelegt. Das zwillingsbereifte Bugrad und die Hauptfahrwerkräder fuhren in den Rumpf ein, was zu einer relativ schmalen Spurweite führte. Die Triebwerke, hier war die Verwendung der Ljulka TR-1, eines der ersten sowjetischen Strahltriebwerke, vorgeschrieben worden, waren einzeln an kleinen Pylonen unter den Tragflügeln aufgehängt. Diese Vorgabe war für die späteren nicht befriedigenden Flugleistungen der Il-22 von großer Bedeutung. Das TR-1 war technisch nicht ausgereift (es war sehr brennfreudig und es gab große Probleme mit der Schubregulierung) und leistete nur 1.300 kp Schub bei einem Eigengewicht von 1.600 kg. Deshalb erhielt auch die zur gleichen Zeit entstandene Tu-12 Rolls Royce Nene 1 Triebwerke. Als Bewaffnung waren fünf Maschinenkanonen vorgesehen, zwei starr im Rumpfbug, zwei im drehbaren Waffenstand auf dem Rücken und eine im bemannten Heckstand Il-KU-3. Als Bombenlast waren maximal 3.000 kg vorgesehen, die im Bombenschacht und unter den Tragflächen untergebracht werden sollten. Die errechneten Leistungsdaten waren eine Höchstgeschwindigkeit 800 km/h und eine Reichweite 1.250 km bei einer Marschgeschwindigkeit von 750 km/h. Die schweren Triebwerke verlangten jedoch eine robuste und damit entsprechend schwere Tragflügel- und Rumpfkonstruktion. Damit wurden die zu erwartenden Flugleistungen allerdings deutlich niedriger. Im Frühjahr 1947 war der Prototyp fertig gestellt und die umfangreiche Bodenerprobung begann. Die gesamte Erprobung lag, wie bei allen Iljushin Flugzeugen dieser Zeit, in den Händen von Vladimir und Konstantin Kokkinaki. Immer wieder kam es zu Problemen mit den Triebwerken. Schon bei der Bodenerprobung zeigte sich auch der ungeheure ?Durst? der TR-1. Nachdem die Triebwerke durch ständige Verbesserungen betriebssicherer geworden waren, startete am 16.Juli 1947 die Il-22 zu ihrem Erstflug. Um Abheben zu können, benötigte sie gesamte Startbahnlänge, genau 1.144 m. Der Flug verlief normal, d.h. bei nur einem Triebwerk sackte die Leistung während des Fluges auf Leerlaufleistung ab. Für weitere Testflüge wurde die Maschine in das Erprobungszentrum der Luftstreitkräfte nach Tushino gebracht. Dort erflog man die Grenzleistungen der Il-22, Geschwindigkeit, Gipfelhöhe und Reichweite. Am 3.August 1947 überflog die Il-22 bei der jährlichen Luftparade in Tushino in mittlerer Höhe die Zuschauer, was bei den westlichen Militärbeobachtern für eine ziemliche Überraschung sorgte. Man hatte nicht damit gerechnet, dass die Sowjets bereits über solch eine Maschine verfügten. Kurze Zeit später wurde die gesamte Entwicklung der Il-22 abgebrochen, die erflogenen Leistungen waren einfach zu schlecht. Trotzdem war sie ein wichtiger Technologieträger für die nun folgende Entwicklung der erfolgreichen Il-28.
Iljushin Il-22
Archiv: Eberhard Kranz
Technische Daten: Iljushin Il-22
Land: ehemalige Sowjetunion
Verwendung: mittleres taktisches Bombenflugzeug
Baujahr: 1947
Triebwerk: vier Strahltriebwerke Ljulka TR-1
Startleistung: je 1.300 kp Schub (1,28 kN)
Dauerleistung: je 1.150 kp Schub (1,13 kN) in 4.000 m
Erstflug: 16.Juli 1947
Besatzung: 5 Mann (1 Navigator, gleichzeitig Kommandant, 2 Piloten, 1 Funker, der auch bei Bedarf den Heckstand bediente und 1 Flugingenieur der den Drehturm auf dem Rumpfrücken bei Bedarf bediente)
Spannweite: 23,05 m
Länge: 21,10 m
größte Höhe: 4,28 m
Spurweite: 3,00 m
Flügelfläche: 74,5 m²
V-Form: Tragflächen 2°
Flügelstreckung: 7.13
Flügelbreite an der Flügelwurzel: 3,50 m
Leermasse: 14.590 kg
Startmasse normal: 24.100 kg
Startmasse maximal: 27.300 kg
Tankinhalt maximal: 6.800 Liter
Flächenbelastung: 366,44 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,25 kg/kp Schub (0,54 kg/N Schub)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 657 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.000 m: 718 km/h
Marschgeschwindigkeit in 5.000 m: 560 km/h
Landegeschwindigkeit: 155 km/h
Gipfelhöhe: 11.100 m
Steigleistung: 9,7 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,75 min
Steigzeit auf 5.000 m: 11,0 min
Reichweite normal: 865 km
Reichweite maximal: 950 km
Flugdauer: 1,75 h
Startstrecke: 1.144 m
Bewaffnung: drei 23 mm Maschinenkanonen NR 23, davon zwei starr im unteren Rumpfbug mit je 150 Schuss und eine im bemannten Heckstand Il-KU-3 mit 320 Schuss und zwei 20 mm Maschinenkanonen B-20-E im drehbaren Waffenstand auf dem Rumpfrücken mit je 400 Schuss
Bombenlast normal: 2.000 kg
Bombenlast maximal: 3.000 kg

Kommentare

Anzeige
FliegerWeb on Facebook:
empfohlen
 
 

Back to Top