Autor: ek

Henschel Hs 123

Henschel Hs 123
Im Februar 1934 schrieb das Amt für Technik und Beschaffung des Reichsluftfahrtsministeriums auf dringliches Anraten von Ernst Udet einen Wettbewerb für ein einsitziges Sturzkampfflugzeug aus.
Die Ausschreibung ging an die Firmen Hamburger Flugzeugbau GmbH, Fieseler Flugzeugwerke GmbH und Henschel Flugzeugwerke GmbH.
Während Richard Voigt vom Hamburger Flugzeugbau mit der Ha 137 einen Eindecker mit Knickflügeln und festen Fahrwerk entwarf, reichten Fieseler mit der Fi 98 und Henschel mit der Hs 123 Doppeldeckerentwürfe ein.
Nach Prüfung der Unterlagen erhielten alle drei Firmen den Auftrag über drei Prototypen.
Bei Henschel entwarf Chefkonstrukteur Friedrich Nicolaus einen formschönen Anderthalbdecker mit festem Fahrwerk und offenem Cockpit und Normalleitwerk in Ganzmetallbauweise.
Der Rumpf war in Schalenbauweise ausgeführt und der BMW 132 hatte zwecks Widerstandsverminderung eine eng geschnittene NACA Haube erhalten. Das Cockpit war weit nach hinten verlegt, so dass eine gute Sicht nach unten und oben gegeben war. Der Oberflügel war zweiteilig ausgelegt und mit einem breiten I-Stiel mit dem kleinen Unterflügel verbunden und verfügte über Querruder mit gewichtsausgleich. Auf der Unterseite war er teilweise stoffbespannt. Der Unterflügel verfügte über Spreiz-Landeklappen. Die Ruder waren alle stoffbespannt.
Im Juni 1934 konnte bereits die Attrappe besichtigt werden. Der Bau der Prototypen verlief zügig und am 1.April 1935 wurde die Hs 123 V1 startklar gemeldet. Der Erstflug mit der zivilen Kennung D-ILUA erfolgte dann am 5.April 1935.
Die V2 hatte als Antrieb einen Wright R-1820 F52 Cyclone mit 770 PS Startleistung erhalten. Nach einem Landeunfall erfolgte die Umrüstung auf BMW 132 A und die neue Bezeichnung lautete Hs 123 V8.
Die Erprobung der drei Wettbewerbstypen begann im Juni 1935 in Rechlin und endete im Januar 1936. Das größte Problem während der Erprobung war den Pilotenraum abgasfrei zu
bekommen, da die Abgase durch die schlitze der Steuerzüge zum Leitwerk eintraten und sich durch den Sog über dem offenen Sitz im Pilotenraum verteilten.
Die Hs 123 wurde zum Sieger des Wettbewerbs erklärt und die Serienfertigung lief 1936 in Kassel an. Die Hs 123 V5 mit VDM Luftschraube nahm übrigens 1937 am Internationalen Flugmeeting in Dübendorf teil.
Im Rahmen der Legion Condor wurden fünf Hs 123 A-1 im spanischen Bürgerkrieg erprobt. Hier erkannte man die Verwendungsmöglichkeit als Schlachtflugzeug.
Die Spanische Luftwaffe erhielt später 16 Maschinen Hs 123 A-1.
Durch das Fehlen einer Motorbremse überdrehte der Motor bei steilen Sturzflügen, sodass eine Sturzwinkelbegrenzung auf 70° festgelegt wurde. Bis zum Auslaufen der Produktion 1938 wurden 250 Hs 123 A-1 und B-1 gebaut. Die B-Reihe unterschied sich nur durch eine verstärkte Blechbeplankung des Oberflügels.
Mit Beginn des zweiten Weltkrieges wurden die Hs 123 Verbände als Schlachtflieger eingesetzt und ab Sommer 1940 an die Fliegerschulen abgegeben.
Als dann im 1942 an der Ostfront verstärkt Erdkampfflugzeuge gebraucht wurden, schickte man die robusten Doppeldecker mit der II.Schlacht/LG 2 erneut an die Front, wo sie allen Widrigkeiten trotzten und durch ihre Wendigkeit und ihre überragende Beschussfestigkeit nur sehr schwer zu vernichten waren. Selbst nach direkten Flaktreffern schafften es sie es meist noch bis zu ihren Flugplätzen zurück.
Die Hs 123 waren so begehrt, dass im Herbst 1942 von den Frontverbänden die Wiederaufnahme der Serienfertigung gefordert wurde. Dies war schließlich nicht mehr möglich, da bereits Ende 1938 alle Bauvorrichtungen, Modelle und Gesenke verschrottet worden waren.
Eine Weiterentwicklung mit geschlossener Kabine, stärkeren Motor BMW 123K mit 960 PS Startleistung und einer verstärkten Bewaffnung wurde mit den Versuchsmustern Hs 123 V5 und V6 bereits 1938 erprobt aber zu Gunsten der Ju 87 nicht in Serie gebaut.
Henschel Hs 123 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Henschel Hs 123 B-1
Verwendung: Sturzkampf- und Schlachtflugzeug
Baujahr: 1938
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: ein luftgekühlter 9 Zylinder Sternmotor BMW 123 A-3 mit verstellbaren Dreiblatt-Metallpropeller VDM
Startleistung: 725 PS (534 kW)
Dauerleistung: 550 PS (405 kW) in 4.000 m
Spannweite oben: 10,50 m
Spannweite unten: 8,00 m
Länge: 8,33 m
größte Höhe: 3,21 m
Propellerfläche: 8,04 m²
Spurweite: 2,50 m
Flügelfläche: 24,85 m²
V-Form: oben +1,5° unten 2,5°
Leermasse: 1.400 kg
Startmasse normal: 2.110 kg
Startmasse maximal: 2.220 kg
Tankinhalt: 400 Liter
Flächenbelastung: 89,33 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,06 kg/PS (4,16 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 318 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.500 m: 345 km/h
Marschgeschwindigkeit in 3.000 m: 250 km/h
Landegeschwindigkeit: 110 km/h
Gipfelhöhe: 9.000 m
Steigleistung: 14,8 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,25 min
Steigzeit auf 3.000 m: 4,5 min
Reichweite normal: 720 km
Reichweite maximal: 850 km
Flugdauer: 3,5 h
Bewaffnung: zwei starre 7,92 mm Maschinengewehre MG17 mit je 550 Schuss
Bombenlast maximal: 200 kg (4 x 50 kg) oder zwei Waffenbehälter mit je einer 20mm Maschinenkanone MG-FF mit je 65 Schuss

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