Autor: ek

Hawker “Tornado”

Hawker ?Tornado?
Im Jahre 1938 erließ das Air Ministry die Ausschreibung F.18/37, die einen einsitzigen Abfangjäger forderte. Als Leistungsparameter forderte man eine Höchstgeschwindigkeit von 580 km/h in 4.570 m und 630 km/h in 6.100 m, 10.000 m Dienstgipfelhöhe und eine Flugdauer von 90 Minuten. Als Bewaffnung waren zwölf 7,62 mm Browning 0.3 Maschinengewehre mit je 300 Schuß zu verwenden. Als Antrieb wurden die beiden wassergekühlten 24 Zylinder-X-Reihenmotoren Rolls Royce Vulture oder Napier Sabre vorgeschrieben. Auf diese Spezifikation hin entstanden unter der Leitung von Chefkonstrukteur Sydney Camm bei Hawker die beiden Entwürfe R-Typ für den Rolls Royce Motor und N-Typ für das Napier Triebwerk. Beide Entwürfe erhielten nahezu baugleiche Zellen. Im Juli 1937 stellte man beide Entwürfe dem Air Ministry vor. Da die Entwicklung des Rolls Royce Vulture bis zur Serienreife abgeschlossen schien, erfolgte die Bestellung von zwei Prototypen des R-Typs. Die Maschine erhielt die Bezeichnung ?Tornado?, während der N-Typ intern als ?Typhoon? bezeichnet wurde.
Hawker Tornado (Archiv: Eberhard Kranz)
Hauptkonstruktionsmerkmale des Hawker ?Tornado?
Die Tornado war ein Ganzmetall-Tiefdecker mit trapezförmigen Tragflächen und abgerundeten Flügelenden, einziehbarem Heckradfahrwerk und einer in die Rumpfstruktur eingefügten, geschlossenen Kabine. Die Außenflügel erhielten eine positive V-Stellung. Der Rumpf war eine Schalenkonstruktion aus Metall, die Beplankungsbleche wurden mit Senknieten befestigt. Der Rolls Royce Vulture war ein wassergekühlter 24 Zylinder-X-Motor, der aus zwei 12 Zylinder-V-Motoren Peregrine mit einer gemeinsamen Kurbelwelle bestand. Die Bewaffnung, die aus zwölf 7,62 mm Maschinengewehren bestand, sollte in den Tragflügeln außerhalb des Propellerkreises eingebaut werden.
Hawker Tornado (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung des Hawker ?Tornado?
Am 6. November 1939 führte Testpilot Philip Lucas den Erstflug des ersten Prototyps mit der Kennung P5219 durch. Die Tornado wurde dabei von einem Rolls Royce Vulture II mit 1.760 PS Startleistung angetrieben. Die Bewaffnung war noch nicht eingebaut. Der zweite Prototyp P5224 flog am 5. Dezember 1940 und wurde ebenfalls von einem Rolls Royce Vulture II mit 1.750 PS Startleistung angetrieben. Die Bewaffnung bestand aus vier 20 mm Maschinenkanonen Hispano. Die erzielten Leistungen entsprachen den Anforderungen des Air Ministry, dass daraufhin einen Serienauftrag über 500 Maschinen, die bei A.V.Roe &Co Ltd. in Manchester gefertigt werden sollten, auslöste. Als Serientriebwerk sollte der Vulture V mit 1.980 PS Startleistung verwendet werden, den man zwischenzeitlich in beide Prototypen eingebaut hatte. In der folgenden Zeit waren aber bei den Motoren zahlreiche Probleme aufgetreten, die mangels Ingenieurkapazitäten nicht behoben werden konnten, da die Serienfertigung des Rolls Royce Merlin absolute Priorität besaß. Schließlich musste der Vulture völlig aufgegeben werden. So kam es zur Stornierung des ersten Fertigungsloses von 201 Maschinen, es wurde lediglich eine Maschine davon fertig gestellt, die am 29. August 1941 mit der Kennung R7936 zu ihrem Erstflug startete.
Hawker Tornado (Archiv: Eberhard Kranz)
Der Hawker ?Tornado? blieb ein Prototyp
Als Resultat der Erprobung im Royal Air Force Test Centre in Langley wurde ein Auftrag über 197 Maschinen ausgelöst. Um die Motorprobleme zu lösen, empfahl das Air Ministry Hawker die Verwendung des Wright R-2600 Duplex Cyclone, des Bristol Centaurus oder des Fairey Monarch. Da man im Air Ministry aber das Potential der Tornado durchaus erkannte, wurde ein dritter Prototyp bestellt, der von einem luftgekühlten 18 Zylinder Doppelsternmotor Bristol Centaurus CE.4S mit 2.210 PS Startleistung angetrieben wurde. Der Erstflug der Maschine mit der Kennung HG 641 fand am 23. Oktober 1941 statt. Die Erprobung verlief zufriedenstellend, nur wechselte man später 1942 die dreiblättrige Luftschraube gegen eine vierblättrige aus, womit dann eine Höchstgeschwindigkeit von 647 km/h erreicht wurde. Es wurden noch zwei Serienmaschinen mit den Kennungen R7937 und R7938 gefertigt, bevor man sich entschloss nach einer weiteren gründlichen Erprobung den Auftrag über 200 Maschinen zu stornieren. Insgesamt sind von der Hawker Tornado nur sechs Maschinen gebaut worden, deren Erprobungsergebnisse in die Entwicklung der späteren Hawker Modelle Typhoon und Tempest einflossen.
Hawker Tornado (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: der Tornado Mk.I
Land: Großbritannien
Verwendung: Abfangjagdflugzeug
Triebwerk: ein luftgekühlter 18 Zylinder Doppelsternmotor Bristol Centaurus CE.4S mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller De Havilland - Rotol
Startleistung: 2.210 PS (1.628 kW)
Dauerleistung: 1.840 PS (1.355 kW) in 5.000 m
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: 6. November 1939
Spannweite: 12,78 m
Länge: 9,95 m
größte Höhe: 4,47 m
Propellerfläche: 14,12 m²
Spurweite: 4,52 m
Flügelfläche: 26,33 m²
V-Form: +6,0°
Streckung: 6,20
Leermasse: 3.803 kg
Startmasse normal: 4.835 kg
Startmasse maximal: 5.060 kg
Tankinhalt: 760 Liter
Flächenbelastung: 192,18 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,29 kg/PS (3,11 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 582 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.000 m: 647 km/h
Marschgeschwindigkeit in 5.000 m: 580 km/h
Landegeschwindigkeit: 152 km/h
Gipfelhöhe: 9.945 m
Steigleistung: 14,2 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,2 min
Steigzeit auf 3.000 m: 4,0 min
Steigzeit auf 6.000 m: 10,0 min
Reichweite normal: 965 km
Reichweite maximal: 1.560 km mit Zusatztanks
Flugdauer: 2,0 h
Bewaffnung: vier 20 mm Maschinenkanonen British Hispano mit je 120 Schuss
Bombenlast maximal: 200 kg
Text: Eberhard Kranz

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