Autor: ek

Handley Page H.P. 15 – V 1500

Handley Page H.P. 15 ? V/1500
 
Anfang Mai 1917 gab das britische Luftfahrtministerium eine geheime Ausschreibung an die Britischen Flugzeugwerke A.V.Roe & Co. Ltd., Handley Page Ltd., Vickers Aviation Ltd. und Short Brothers Ltd. heraus, worin die Entwicklung eines schweren Bombenflugzeuges gefordert wurde, das in der Lage sein sollte, von Flugplätzen in Südengland Angriffe auf Berlin zu fliegen, wobei eine Bombenlast von 3.000 kg und eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h gefordert wurden. Unabhängig von den anderen Wettbewerbern erhielt Handley Page auf Grund der guten Erfahrungen, die die Royal Air Force mit den zweimotorigen H.P. 0/100 und 0/400 gemacht hatte, vorab den Auftrag, einen viermotorigen schweren Bomber in Doppeldeckerausführung zu entwickeln, der auch als Fernaufklärungsflugzeug zu verwenden sein sollte. Gleichzeitig sollten sofort 12 Vorserienmuster gebaut werden, die der ausgiebigen Flugerprobung dienen sollten. Bei Handley Page übernahm man den Grundaufbau der erfolgreichen H.P. 0/400, vergrößerte den Rumpf und sah die Verwendung von vier wassergekühlten 12- Zylinder-V-Reihenmotoren Rolls Royce Eagle VIII mit je 374 PS Startleistung vor. Die Motoren sollten immer paarweise als Tandem zwischen den Tragflächen auf Strebenböcken aufgestellt werden. Ab September 1917 begann man bei Handley Page intensiv unter der Leitung von Entwicklungsingenieur Georg Rudolph Volkert mit der Konstruktion und dem Bau der H.P.15.
 
Handley Page H.P. 15 (Archiv: Eberhard Kranz)
 
Konstruktionsmerkmale der H.P.15
 
Der Rumpf mit rechteckigem Querschnitt war eine Holzkonstruktion, die bis auf Höhe der Tragflächen mit Sperrholz verkleidet war. Das Rumpfheck war stoffbespannt. Im Bug und im Heck befand sich je ein offner Waffenstand mit einem dreh- und schwenkbarem 7,7 mm Maschinengewehr Lewis .303 mit 1.000 Schuss. Einen dritten offenen Waffenstand, der ebenfalls mit einem dreh- und schwenkbaren 7,7 mm Maschinengewehr Lewis .303 mit 1.000 Schuß bestückt war, sah man auf dem Rumpfrücken hinter den Tragflächen vor. Der geräumige Rumpf bot der gesamten siebenköpfigen Besatzung, den Tanks und der Bombenzuladung von 30 113 kg Sprengbomben, die jede einzeln in einer Blechwabe, die mit einem Deckel verschlossen war, eingehängt wurde, ausreichend Platz. Schwere Bomben wie eine 1.500 kg Sprengbombe oder vier 747 kg Sprengbomben wurden unter dem Rumpf gehängt. Die beiden Piloten waren in einem offenen Cockpit nahe dem Rumpfbug untergebracht, wodurch sie eine gute Sicht nach vorn, unten und oben hatten. Die Tragflächen waren dreiholmige Holzkonstruktionen, die mit Stoff bespannt waren. Sowohl Ober- als auch Unterflügel trugen stoffbespannte Querruder. Die obere Tragfläche war mit zwei N-Stielen 1,96 m über dem Rumpf befestigt und mit der unteren durch jeweils drei I-Stiel-Paare verbunden. Außerdem waren die I-Stiel-Paare mit Stahldraht ausgekreuzt. Das Leitwerk, ebenfalls eine stoffbespannte Holzkonstruktion war als Kastenleitwerk mit zwei Höhenflossen und vier Seitenleitwerken ausgeführt. Das Hauptfahrwerk bestand aus vier ungebremsten Rädern, die jeweils zu zweit an einer Achse links und rechts vom Rumpf an je zwei V-Streben angebracht waren. Gummipakete dienten als Stoßdämpfer zum Adsorbieren der harten Landestöße. Unter dem Rumpfheck befand sich ein gefederter Schleifsporn aus Stahl.
 
Handley Page H.P. 15 (Archiv: Eberhard Kranz)
 
Erprobung und Einsatz der H.P. 15
 
Anfang Mai 1918 war die erste Maschine für die Bodenerprobung fertig gestellt. Nach einigen kleineren Änderungen startete sie am 22. Mai 1918 zu ihrem Erstflug, der zufriedenstellend verlief. Als erste Einheit der Royal Air Force sollte die 166. Squadron in Bircham Newton auf den neuen Handley Page Bomber umgerüstet werden und sofort mit den Angriffen auf Berlin beginnen. Bis zum 11. September 1918 waren aber insgesamt erst drei Maschinen ausgeliefert worden, die für Aufklärungsflüge über dem Ruhrgebiet eingesetzt wurden. Für den Dezember 1918 plante man dann mit den voraussichtlich dann verfügbaren 12 Maschinen Angriffe auf das Ruhrgebiet und die Brücken über die Mosel. Ab dem Frühjahr 1919 wollte man dann den strategischen Luftkrieg gegen Deutschland und besonders gegen dessen Hauptstadt Berlin eröffnen. Bei der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 11. November 1918 verfügte die 166. Squadron über sechs H.P. 15. Nach dem Kriegsende wurde die H.P.15 weiter gebaut, allerdings modifizierte man einige Maschinen zu Verkehrsmaschinen für die neu gegründete Handley Page Luftverkehrsgesellschaft um, die diese Maschinen bis zur Ausmusterung 1928 betrieb. Von Dezember 1918 bis Januar 1919 unternahm die H.P.15 ?Carthusian? einen Langstreckenflug von London über Rom, Malta, Kairo und Bagdad nach Karatschi. Bei der Landung in Karatschi liefen nur noch zwei Motoren, doch war erstmals in der Geschichte der Luftfahrt eine solche Strecke bewältigt worden. Im Februar 1919 verschiffte man eine Maschine, deren Tragflächen wegen des Seetransports nach hinten klappbar ausgeführt worden waren, nach Neufundlandland. Mit ihr wollte man dann im Sommer 1919 die erste Atlantiküberquerung durchführen. Nachdem aber John Alcock und Arthur Whitten-Brown am 14. Juni 1919 von St.John in Neufundland nach Clifden in Irland mit einer Vickers F.B. 27 Vimy die Atlantiküberquerung gelungen war, verlor man das Interesse und stoppte das Unternehmen. Stattdessen unternahm die Maschine eine ausgedehnte Vorführungstour durch die Vereinigten Staaten und Kanada. Insgesamt wurden 32 Maschinen H.P.15 gebaut, andere Quellen gehen von bis zu 63 gebauten Maschinen aus. Bei einigen Exemplaren wurden andere Motoren eingebaut, wie der Beardmore Galloway ?Atlantic? mit einer Startleistung von 500 PS oder der Napier ?Lion? mit 450 PS Startleistung, beides ebenfalls wassergekühlte 12 Zylinder-Reihenmotoren. Neben der 166. Squadron wurden noch die 167.Squadron und die 274. Squadron der Royal Air Force mit Handley Page V/1500 ausgerüstet. Ab 1920 wurden die Maschinen bereits wieder aus den Einsatzverbänden ausgemustert und durch die Vickers F.B. 27 Vimy ersetzt.
 
Handley Page H.P. 15 (Archiv: Eberhard Kranz)
 
Technische Daten: Handley Page H.P. 15 ? V/1500
 
Land: Großbritannien
Verwendung: Bombenflugzeug
Triebwerk: 4 wassergekühlte 12-Zylinder-V-Reihenmotoren Rolls Royce Eagle VIII mit festen Zweiblatt-Holzpropellern Handley Page an den vorderen Motoren und festen Vierblatt-Holzpropellern Handley Page an den hinteren Motoren
Startleistung: je 374 PS (275 kW)
Dauerleistung: 300 PS in 2.000 m (221 kW)
Erstflug: 22. Mai 1918
Besatzung: 5-7 Mann
 
Spannweite: 38,41 m
Länge: 19,51 m
größte Höhe: 7,01 m
Spannweite Höhenflossen: 9,18 m
Höhe Seitenflossen: 2,46 m
Flügelfläche: 298,70 m²
Flügelpfeilung: 7,5°
V-Stellung: Oberflügel 0,5°, Unterflügel + 5°
Spurweite eines Räderpaares: 2,42 m
Abstand zwischen den beiden Räderpaaren: 2,66 m
Propellerdurchmesser Zweiblattpropeller: 4,20 m
Propellerdurchmesser Vierblattpropeller: 3,40 m
Propellerfläche Zweiblattpropeller: 13,85 m²
Propellerfläche Vierblattpropeller: 9,08 m²
Leermasse: 7.165 kg
Startmasse normal: 14.750 kg
Startmasse maximal: 16.240 kg
Kraftstoff: 2.450 Liter
Flächenbelastung: 54,37 kg/m²
Leistungsbelastung: 10,85 kg/PS (14,76 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 144 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 2.000 m: 159 km/h
Reisegeschwindigkeit in 2.000m: 130 km/h
Landegeschwindigkeit: 105 km/h
Gipfelhöhe: 3.350 m
Steigleistung: 1,7 m/s
Steigzeit auf 1.000m: 12,0 min
Steigzeit auf 2.000m: 27,0 min
Reichweite normal mit 3.390 kg Bomben: 1.660 km
Reichweite normal mit 1.500 kg Bomben: 2.090 km
Startstrecke: 880 m
Landestrecke: ca. 1.000 m
maximale Flugdauer: 6,00 h
Kraftstoffverbrauch: 350 Liter/h
 
Bewaffnung: drei 7,7mm Maschinengewehre Lewis 0.303 mit je 1.000 Schuss
Bombenlast maximal: 3.390 kg
Bombenlast normal: 2.990 kg
 
Text: Eberhard Kranz
 

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