Autor: ek

Handley Page 0 400

Handley Page 0/400
 
Bereits im Dezember 1914 forderte die britische Admiralität ein zweimotoriges Flugzeug, das vor allem als Seeaufklärer oder Langstrecken-Patrouillenflugzeug eingesetzt werden sollte. Allerdings waren die dafür notwendigen, leistungsstarken Motoren noch nicht verfügbar. Trotzdem erhielt die Firma Handley Page im Frühjahr 1915 einen entsprechenden Entwicklungsauftrag. Man entwickelte daraufhin einen Anderthalbdecker mit kastenförmigen Rumpf und Kastenleitwerk mit doppeltem Höhen- und Seitenleitwerk. Die beiden Motoren waren mittels bockartiger Stützen auf den Unterflügel gestellt und mit weiteren Streben gegen den Rumpf abgefangen. Das Fahrwerk war als Heckspornfahrwerk ausgeführt, wobei das Hauptfahrwerk aus vier nebeneinander liegenden Rädern bestand, wovon sich je zwei auf einer durchgehenden Achse befanden. Die Maschine bestand aus einem Holzgerüst, das mit Stoff bespannt war, lediglich der Rumpfbug war mit Sperrholz verkleidet. Die Tragflächen waren mit drei doppelten I-Stielen verbunden und zusätzlich stark verspannt. Am 18.Dezember 1915 erfolgte der erfolgreiche Erstflug und es wurde sofort eine erste Bestellung von 75 Maschinen mit der Bezeichnung 0/100 ausgelöst. Das zweite Geschwader wurde 1915 mit den Maschinen ausgerüstet und zu Angriffen bei Ypern und Dünkirchen eingesetzt. Dabei verflog sich eine Maschine mit dem Namen ?La Amazon? und landete unbeschädigt hinter den deutschen Linien. Die kostbare Beute wurde gründlich untersucht und viele Detaillösungen flossen in den deutschen Großflugzeugbau ein. Bei Handley Page überarbeitete man die Maschine zur 0/400, indem man den Rumpf verlängerte und so die Tanks nun in den Rumpf ein bauen konnte.. Außerdem kamen die neuen Motoren Rolls Royce ?Eagle IV und Eagle VIII zum Einsatz. Als Antwort auf die deutschen Luftangriffe auf London und andere englische Städte, beschloss der englische Generalstab 1918, Angriffe gegen das Rheinland und das Saargebiet zu fliegen. Bis 1919 hatte man 400 HP 0/400 als H.P.12 in Auftrag gegeben, mit denen man dann den strategischen Luftkrieg gegen Deutschland eröffnen wollte. Bei Ende des Ersten Weltkrieges November 1918 waren bereits die ersten Maschinen ausgeliefert und zu Schulzwecken als Kriegspostflugzeuge zwischen London und Paris im Einsatz. Nach dem Kriegsende wandelte man 43 ehemalige Bomber, die jetzt H.P.12 hießen, in Transport- und Verkehrsflugzeuge um, wovon 34 für die Handley Page Air Transport flogen, der Rest ging nach China und Polen. Das Lufttüchtigkeitszeugnis, das erste in Großbritannien, wurde am 1.Mai 1919 für HP 0/400 ausgestellt. Der erste Passagierflug fand am 4.Mai 1919 von London nach Manchester statt, wobei die10 Fluggäste im fensterlosen Bombenschacht untergebracht wurden, nur die Glücklichen, die in den ehemaligen MG-Ständen Platz gefunden hatten, sahen etwas Landschaft und Himmel. Dafür mussten sie aber einen Sturzhelm tragen. Die späteren Maschinen erhielten einen geräumigen Rumpf mit Fenstern und boten Platz für 14 Passagiere. Ab 1923 wurden die HP 0/400 durch modernere Flugzeuge ersetzt.
 
Handley Page 0/400
Archiv: Eberhard Kranz
 
 
Technische Daten: Handley Page HP 0/400 (H.P.12)
 
Verwendung: strategisches Bombenflugzeug, Verkehrsflugzeug
Baujahr: 1918
Triebwerk: zwei flüssigkeitsgekühlte stehende 12 Zylinder V Reihenmotor Rolls Royce Eagle VIII mit festem Vierblatt-Holzpropeller
Startleistung: 360 PS (265 kW)
Dauerleistung: 320 PS ( 236kW) in 2.500 m
Besatzung: 4 Mann ( als Passagierflugzeug zwei Mann)
Nutzlast als Verkehrsflugzeug: 14 Passagiere oder 1.390 kg
 
Spannweite oben: 30,48 m
Spannweite unten: 21,46 m
Länge: 18,91 m
größte Höhe: 6,70 m
Propellerdurchmesser: 3,60 m
Propellerfläche: 10,18 m²
Spurweite gesamt: 4,80 m
Spurweite pro Radpaar: 1,44 m
Flügelfläche: 152,5 m²
V-Form: oben + 5,25° unten +5,5°
Leermasse: 3.850 kg
Startmasse normal: 5.470 kg
Startmasse maximal: 6.365 kg
Tankinhalt: 940 Liter
Flächenbelastung: 41,74 kg/m²
Leistungsbelastung: 8,84 kg/PS (12,00 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 140 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 2.200 m: 157 km/h
Marschgeschwindigkeit in 2.200 m: 135 km/h
Landegeschwindigkeit: 86 km/h
Gipfelhöhe: 2.450 m
Steigleistung: 1,1 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 16 min
Steigzeit auf 2.450 m: 45 min
Reichweite normal: 945 km
Reichweite maximal: 1.280 km
Flugdauer: 8 h
 
Bewaffnung: vier 7,62 mm Maschinengewehre Lewis mit je 1.000 Schuss
Bombenlast maximal: 815 kg oder eine 748 kg Sprengbombe

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