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General Aircraft GAL.42 Cygnet II

General Aircraft GAL.42 Cygnet II
Im Jahre 1938 brach die von den Ingenieuren S. R. Chronander und J. L. Waddington 1936 gegründete Firma C. W. Aircraft wegen mangelnder Finanzierung zusammen. General Aircraft Ltd. übernahm alle Rechte an dem zweisitzigen Eindecker C. W. Cygnet und bot den beiden Ingenieuren eine Weiterbeschäftigung bei GAL an. Die Cygnet war das erste Ganzmetallflugzeug mit selbsttragender Außenhaut, das in Großbritannien gebaut wurde. Noch im Sommer 1938 überarbeitete man die Konstruktion zu der nun GAL.42 Cygnet II bezeichneten Maschine und baute einen Prototyp mit der zivilen Kennung G-AEMA., der am 10. 10. 1938 zu seinem Erstflug startete.
General Aircraft GAL.42 Cygnet II (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der GAL.42 Cygnet II
Die zweisitzige Maschine war ein Ganzmetalltiefdecker mit festem Heckradfahrwerk und doppeltem Seitenleitwerk. Der Rumpf war in Schalenbauweise mit Spanten und Längträgern aufgebaut. Der Motor befand sich vor dem Kabinenspant, der als Brandschott ausgeführt war. Die Motorhalterung bestand aus zwei geschweißten Dreiecksträgern aus Stahlrohr. Die Verkleidungsbleche aus Leichtmetall waren genietet, teilweise aber auch geschraubt. Ursprünglich sollten die Verkleidungsbleche teilweise geschweißt werden, da man aber diese Technologie nicht sicher beherrschte, wurde sie verworfen. Der Rumpf nahm in seinem verdickten Mittelteil die Kabine für die beiden Piloten und den Tank auf, im rohrartigen Leitwerksträger waren die Notausrüstung und der Kompaß untergebracht. Die großzügig verglaste Kabine, in der die beiden Sitze nebeneinander angebracht waren, verfügte über nach hinten verschiebbare große Seitenfester, die auch als Einstieg dienten. Die Frontscheibe war zweiteilig ausgeführt. Die einholmigen Tragflächen hatten einen trapezförmigen Umriss mit halbkreisförmigen Endbögen und waren mit Leichtmetallblechen verkleidet. Die Ruder waren stoffbezogene Metallkonstruktionen. Das geteilte Seitenleitwerk war ebenfalls eine Metallkonstruktion. Sämtliche Ruder hatten Metallrippen und waren stoffbespannt. Die Seitenleitwerksscheiben waren ebenfalls Ganzmetallkonstruktionen, die mit Leichmetall verkleideten Ruder verfügten über einen Hornausgleich. Als Antrieb waren zwei Alternativen vorgesehen, einmal der Blackburn Cirrus Minior mit 90 PS Startleistung und zum anderen der de Havilland Gipsy Major mit 130 PS Startleistung. Beide Motoren waren luftgekühlte hängende Vierzylinder. Zur Unterscheidung wurden die Maschinen als Cygnet Minior und Cygnet Major bezeichnet.
General Aircraft GAL.42 Cygnet II (Archiv: Eberhard Kranz)
Flugerprobung und Einsatz der GAL.42 Cygnet II
Die Flugerprobung des ersten Prototyps hatte die Änderung des Fahrwerks zur Folge, da die Sicht nach vorne unzureichend war. Durch das Heckradfahrwerk ragte der Motor beim Start soweit in den Himmel, dass die direkte Sicht nach vorn praktisch unmöglich war, für ein Schulflugzeug eine nicht tragbare Situation. Die nächste Maschine erhielt schon ein festes Bugradfahrwerk mit hydraulischen Bremsen, wobei das Bugrad um 45 Grad lenkbar war. Die Flugerprobung verlief problemlos, die Maschine zeigte ein gutmütiges Verhalten in allen Flugzuständen. Im Frühsommer 1939 begann man bei General Aircraft mit der Vorbereitung der Serienfertigung, denn das Air Ministry hatte eine Bestellung von 600 Maschinen als Anfängerschulflugzeug für die Royal Air Force angekündigt. Der Beginn des zweiten Weltkrieges verhinderte aber die Serienfertigung, es wurde lediglich eine Kleinserie von 10 Maschinen GAL 42 gefertigt, die bis 1941 an die RAF ausgeliefert wurden.
Fünf Maschinen mit den militärischen Kennungen ES914, HL539, HM495, DG566 und ES915 wurden zu der 23., 24., 85. und 88.Schwadron als Trainingsflugzeuge für die Piloten der Douglas Boston abgestellt, da die Boston als erstes Flugzeug der Royal Air Force über ein Bugradfahrwerk verfügte. Später übergab man die Maschine ES915 an die Metropolitan Communications Squadron, die in Andover stationiert war, wo sie bis 1945 im Dienst stand. Nach Kriegsende wurde die Maschine sorgfältig konserviert und in einem Hangar abgestellt, wo sie vergessen ging. Erst 1975 wurde das Flugzeug wieder entdeckt und an das Luftfahrtmuseum in East Fortune übergeben, wo sie heute noch besichtigt werden kann.
General Aircraft GAL.42 Cygnet II (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: GAL.42 Cygnet II
Technische Daten: GAL.42 Cygnet II
Land: Großbritannien
Verwendung: Schul- und Sportflugzeug
Triebwerk: ein luftgekühlter Vierzylinder Reihenmotor Blackburn Cirrus Major II mit festem Zweiblatt-Holz-Propeller
Startleistung: 150 PS (111 kW)
Dauerleistung: 120 PS (89kW) in 2.000 m
Besatzung: 2 Mann
Erstflug: 10. Oktober 1938
Spannweite: 10,52 m
Länge: 7,09 m
größte Höhe: 2,13 m
Propellerdurchmesser: 1,70 m
Propellerfläche: 2,27 m²
Spurweite: 1,78 m
Flügelfläche: 16,35 m²
V-Form : +4°
Streckung: 6,77
Leermasse: 669 kg
Startmasse normal: 910 kg
Startmasse maximal: 1.020 kg
Tankinhalt: 105 Liter
Nutzlast: 250 kg
Flächenbelastung: 62,38 kg/m²
Leistungsbelastung: 6,8 kg/PS (9,23 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 194 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 2.500 m: 217 km/h
Marschgeschwindigkeit in 2.500 m: 180 km/h
Landegeschwindigkeit: 76 km/h
Gipfelhöhe: 4.265 m
Steigleistung: 4,9 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 15,0 min
Reichweite normal: 716 km
Reichweite maximal: 820 km
Flugdauer: 4 h
Text: Eberhard Kranz

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