Autor: ek

Fokker T.VIII-W

Fokker T.VIII-W
Anfang der 1930er Jahre forderte die Leitung der niederländischen Seeflieger einen modernen Aufklärer und Torpedobomber als Schwimmerflugzeug, der vorwiegend in Niederländisch-Ostindien eingesetzt werden und als Ersatz für die veralteten Fokker T.IV von 1927 dienen sollte. Sie beauftragte die Firma Fokker in Amsterdam mit dem Entwurf eines solchen Flugzeuges. Bei Fokker hatte sich seit 1936 eine Gruppe von Konstrukteuren unter der Leitung von M. Beeling mit dem Entwurf eines zweimotorigen Schwimmerflugzeuges befasst, das vorwiegend für den Export gebaut werden sollte, da Anfragen aus Finnland, Dänemark und Schweden vorlagen.
Fokker T.VIII-W (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale des Fokker T.VIII-W
Der als T.VIII-W bezeichnete Entwurf stellte einen zweimotorigen Mitteldecker mit elliptischem Rumpfquerschnitt, Zentralleitwerk und zwei großen einmal gestuften Schwimmern in der für Fokker typischen Gemischtbauweise dar. Als Antrieb sollten zwei luftgekühlte Neunzylinder-Sternmotoren Wright R-975 Whirlwind mit je 456 PS Startleistung verwendet werden. Nach Überprüfung des Entwurfs durch die Seefliegerkräfte erhielt Fokker einen Auftrag über den Bau von vorerst fünf Maschinen, die bis Anfang 1939 fertiggestellt sein sollten. Die T.VIII-W, das W steht für Water, war ein dreisitziger, zweimotoriger Mitteldecker mit einem Kastenrumpf ovalen Querschnitts, auf dem die Kabine aufgesetzt war, dreieckigem Seitenleitwerk und abgestrebtem Höhenleitwerk. Der Rumpf nahm den Bombenschacht und die Tanks auf. Er verfügte über einen verglasten Bug, dort war der Arbeitsplatz des Beobachters. Der Rumpf war eine Stahlrohrkonstruktion, die bis hinter die Tragflächen mit Sperrholz verkleidet war, das Heck war mit Stoff bespannt. Das vordere Rumpfteil war, um der Korrosion durch das unvermeidliche Spritzwasser vorzubeugen, als Metallschale aus salzwasserbeständigem Leichtmetall hergestellt. Die zweiholmigen Tragflächen, wobei die Holme durch den Rumpf hindurchgingen,
bestanden aus einem rechteckigen Tragflächenmittelstück, das die Motoren trug. Die trapezförmigen Außenflügel verfügten über abgerundete Endkappen und trugen die Querruder, die eine stoffbespannte Leichtmetallkonstruktion waren. Die Holme bestanden aus Leichtmetall, während die Rippen aus mit Phenolharz getränktem Preßholz bestanden. Die Tragflächen waren ebenfalls mit Sperrholz verkleidet. Das Leitwerk war eine mit Sperrholz verkleidete Holzkonstruktion, wobei die hoch angesetzte Höhenflosse über einen durchgehenden Holm verfügte. Zum Rumpf hin war sie zu jeder Seite mit einer V-Strebe abgefangen. Die Höhenruder waren eine stoffbespannte Leichtmetallkonstruktion. Die beiden einstufigen, gekielten Schwimmer waren in Ganzmetallbauweise hergestellt und durch Schotte in sechs Abteilungen aufgeteilt, die teilweise als Tank aber auch als Stauraum dienten. Mit je einem kräftigen I-Stiel waren sie am Ende der Motorverkleidung und zur Tragflächenwurzel abgestrebt. Auf beiden Seiten führte je eine feste dreistufige Leiter von der Schwimmeroberseite zur Tragflächenhinterkante, um der Besatzung das Besteigen der Maschine zu erleichtern.
Fokker T.VIII-W (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz der Fokker T.VIII-W
Am 22. Februar 1939 hob unter Fokker Testpilot Emil Meinecke die erste T.VIII-W in Amsterdam zu ihren Erstflug ab. Er beanstandete die geringe Motorleistung, die die Maschine für ein Seekampfflugzeug eigentlich ungeeignet machte. Lediglich als Aufklärer war das Flugzeug verwendbar. Bis Juni 1939 waren trotzdem die fünf Maschinen abgeliefert und sollten nach ausgiebiger Erprobung nach Niederländisch ? Ostindien verschifft werden. Man stellte aber bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Korrosionsschäden durch das Salzwasser an den Holz? und Stoffverkleidungen fest, so dass man eine zweite Serie in Ganzmetallbauweise auflegte, die gleichzeitig stärkere Motoren, die in den Niederlanden in Lizenz gefertigten luftgekühlten Neunzylinder-Sternmotoren Bristol Mercury XI mit 903 PS Startleistung erhalten sollte. Eine Bestellung über 26, nun als T.VIII-Wm bezeichnete Maschinen, für die Niederländischen Seeflieger folgte, wobei aber nur 12 Maschinen als T.VIII-Wm gefertigt wurden. 14 Maschinen wurden in einer Gemischtbauweise, als T.VIII-Wg, gefertigt, die sich an die ersten fünf gelieferten Exemplare anlehnte, gebaut. Eine weitere Bestellung über sechs Exemplare war aus Finnland eingegangen, wobei die Finnen eine vergrößerte Spannweite und eine höhere Abflugmasse forderten, diese Maschinen erhielten die Bezeichnung T.VIII-Wc. Sie hatten als Triebwerke die Bristol Mercury XI, der Rumpf war um 1,83 m verlängert worden, die Spannweite sogar um 2,01 m, was eine Vergrößerung der Flügelfläche auf 50,2 m² bedeutete. Eine Maschine sollte ein einziehbares Heckradfahrwerk erhalten, die als T.VIII-L bezeichnet wurde. Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges wurden die Maschinen zur Aufklärung an der niederländischen, nach dem Beginn des deutschen Angriffs am 10. Mai 1940 auch an der französischen Küste und zur U-Boot Jagd eingesetzt.
Verstärkt wurden auch Seenoteinsätze geflogen, um notgewasserte alliierte Besatzungen zu bergen. Am 14. Mai 1940 wichen zwölf T.VIII-W nach England aus und wurden später ab dem 1. Juni 1940 als 320. (Dutch) Staffel von Pembroke Dock aus als Aufklärer und Geleitschützer im Seegebiet westlich Englands eingesetzt. Diese Einsetze dauerten bis Ende September 1940 und wurden nach dem Verlust von drei Maschinen eingestellt. Die noch vorhandenen Maschinen wurden wegen Ersatzteilmangels in Felixstone eingelagert. Beim Einmarsch nach Amsterdam erbeuteten die deutschen Truppen mehrere unbeschädigte T.VIII-W, sowie die noch in der Fertigung in den Fokker Werken befindlichen T.VIII-W, darunter auch die fünf finnischen T.VIII-Wc und die Landausführung T.VIII-L. Insgesamt wurden noch insgesamt 20 T.VIII-W aller Ausführungen für die deutsche Luftwaffe gebaut, die diese Maschinen bis 1942 als Aufklärer, U-Boot-Jäger und Seenotflugzeug im Kanal und im westlichen Atlantik einsetzten. Mit dem Auftauchen der modernen britischen Seekampfflugzeuge Bristol Beaufighter wurden nach empfindlichen Verlusten die restlichen T.VIII-W an die Flugzeugführerschulen FFS (See) 1 in Warnemünde und FFS (See) 3 in Stettin abgegeben, wo die Maschinen relativ schnell aus dem Schulbetrieb verschwanden. Insgesamt wurden 36 Fokker T.VIII-W aller Ausführungen gebaut, die sich im täglichen Einsatz durchaus bewährten. Das einzelne Exemplar der Landausführung T.VIII-L wurde kurzzeitig Im Herbst 1940 in der Erprobungsstelle Rechlin getestet und ging später bei einem Landeunfall verloren.
Fokker T.VIII-W (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Fokker T.VIII-Wc
Land: Holland
Verwendung: hochseefähiges Aufklärungs- und Bomben-Torpedoflugzeug
Triebwerk: 2 luftgekühlte 9-Zylinder-Stern-Motoren Bristol ?Mercury? XI mit verstellbaren Dreiblatt-Metall-Propellern Hamilton Standard
Startleistung: je 905 PS (665 kW)
Dauerleistung: je 790 PS in 4.000 m (581 kW)
Besatzung: 3 Mann, als Seenot- und Transportflugzeug bis zu 6 Mann
Erstflug: 22. Februar 1939
Spannweite: 20,00 m
Länge: 14,82 m
größte Höhe: 5,38 m
Flügelfläche: 52,10 m²
V-Stellung: 6,5°
Schwimmerlänge: 10,15 m
Abstand der Schwimmer: 4,25 m
Propellerdurchmesser: 3,10 m
Propellerfläche: 7,55 m²
Flügelstreckung: 7,68
Leermasse: 4.540 kg
Startmasse normal: 6.660 kg
Startmasse maximal: 7.020 kg
Kraftstoff: 1.240 Liter
Flächenbelastung: 134,7 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,88 kg/PS (5,28 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 347 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 2.500 m: 358 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000m: 270 km/h
Landegeschwindigkeit: 115 km/h
Gipfelhöhe: 6.800 m
Steigleistung: 5,83 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,0 min
Steigzeit auf 3.000 m: 12,5 min
Steigzeit auf 5.000 m: 25,0 min
Reichweite normal mit 750 kg Bomben: 1.700 km
Reichweite normal mit 500 kg Bomben: 2.100 km
Aktionsradius: 840 km
maximale Flugdauer: 8,0 h
Startstrecke: 755 m
Landestrecke: 450 m
Bewaffnung: 3 x 7,92 mm Maschinengewehre FN Browning mit je 600 Schuß, davon eins starr nach vorn feuernd in der linken Rumpfseite
Bombenlast maximal: 750 kg
Bombenlast normal: 605 kg oder ein Torpedo
Text: Eberhard Kranz

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