Autor: ek

Fokker T.V

Fokker T.V
Anfang der 1930er Jahre wurde leidenschaftlich über den Luftkrieg der Zukunft gestritten. Besonders viele Anhänger hatten die Ideen von Giulio Douhet, die er in seinem Werk ?Die Luftherrschaft? beschrieben hatte. Er vertrat die Meinung, daß die Fliegerkräfte und vor allem die Bombenflugzeuge in einem zukünftigen Krieg kriegsentscheidend seien. Das Bombenflugzeug war bei ihm eine Art schwerer Luftkreuzer, der mit wirkungsvoller Bewaffnung sich selbst verteidigen konnte, während er seine Angriffe ins gegnerische Hinterland flog. Außerdem sollten diese Flugzeuge in Geschwaderstärke zusammen fliegen. Die Wirksamkeit von einmotorigen Jagdflugzeugen war für Douhet hinfällig. Er vertrat die Meinung, daß die Luftoffensive die einfachste und erfolgversprechendste Art des Luftkrieges sei, während die Luftdefensive die schwierigste darstelle. Auf Grund dieser theoretischen Betrachtungen, die viele Anhänger in den Generalstäben der verschiedensten Ländern fanden, entstanden zwischen 1930 und 1938 eine ganze Reihe solcher Luftkreuzer, die alle ähnlich waren, häßliche zweimotorige Eindecker mit geräumigen Kastenrumpf und schwerer Rundumbewaffnung. Auch in den Niederlanden beschäftigte man sich in der LVA (Luchtvaartafdeeling), der Armee mit diesen Ideen.
Besonders der Stabschef P.W. Best wollte weg von den im Einsatz befindlichen einmotorigen
leichten Bombern wie der Fokker C.X. Er forderte einen zweimotorigen mittleren Bomber, der die Rolle eines Luftkreuzers spielen sollte. Als Vorgaben sollte die Maschine mit mindestens zwei 20 mm Maschinenkanonen und sechs 7,92 mm Maschinengewehren bewaffnet sein und 800 kg Bombenlast transportieren können. Die Geschwindigkeit sollte über der der zukünftigen gegnerischen Bombenflugzeuge liegen, also bei mindestens 450 km/h, allerdings ohne Bombenlast. Bei Fokker hatte sich seit 1933 eine Gruppe von Konstrukteuren unter der Leitung von F. Hentsen und M. Beeling mit dem Entwurf eines zweimotorigen Bombers befasst, weil für die Fliegerkräfte in Niederländisch-Ostindien ein solches Muster in großer Stückzahl (über 100 Exemplare) beschafft werden sollte. Eine Anfrage war u.a. an die Glenn L. Martin Company über den Ankauf von 117 Martin 139 gerichtet worden. Die errechneten Daten des Entwurfs waren aber so schlecht, daß man F. Hentsen die Leitung der Konstruktionsgruppe entzog und dem aus Deutschland emigrierten Erich Schatzki übertrug. Schatzki war aber gleichzeitig für die Entwicklung des Jagdflugzeuges D.XXI verantwortlich und sah in dem Projekt des Luftkreuzers T.V einen klaren Widerspruch zu diesem. Es gelang ihm, die Idee des Luftkreuzers so zu modifizieren, daß die T.V als ein stark bewaffnetes mittleres Bombenflugzeug neu ausgelegt wurde.
Fokker T. V (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale Fokker T.V
Die Maschine sollte nun ein zweimotoriger, schwerbewaffneter Mitteldecker in Gemischtbauweise mit einziehbarem Fahrwerk werden. Als Motoren wollte man entweder Bristol ?Mercury? oder Wright ?Cyclone? verwenden, wobei man sich dann für die leistungsstärkeren Bristol Sternmotoren entschied. Schatzki legte aber die Priorität auf die Fertigstellung der D.XXI und erst nach deren erfolgreichen Erstflug im November 1934 nahm man die Arbeiten an der T.V wieder auf. Man entwickelte zwei Ausführungen, einmal die T.V mit einer Spannweite von 21,0 m und einer Länge von 15,0 m. Der Rumpf sollte einen ovalen Querschnitt erhalten, die Bewaffnung aus zwei 20 mm Maschinenkanonen ?Soloturn? und einem 7,92 mm Maschinengewehr FN Browning im Heckstand bestehen. Die Bombenlast nahm man mit 1.000 kg an. Als Triebwerke sollten die Bristol ?Mercury VII? mit 800 PS Startleistung verwendet werden. Die zweite Ausführung, die T.VA hatte einen rechteckigen Rumpfquerschnitt mit abgerundeten Ecken, eine Spannweite von 25,5 m und eine Länge von 16,0 m. Die Bombenlast sollte bei 1.800 kg (6 x 300 kg) liegen, die Bewaffnung entsprach der T.V. Als Antrieb wurden zwei Bristol ?Pegasus X? mit 870 PS Startleistung vorgesehen. Nach der Begutachtung beider Varianten durch die LVA entschied man sich für die T.V, forderte aber verschiedene Änderungen. So wurde der Rumpf etwas kürzer und die Bewaffnung verstärkt. In dieser neuen Ausführung stellte man die Attrappe der T.V auf der Luftfahrtausstellung in Stockholm 1936 vor. Als Motorisierung konnte zwischen verschiedenen Triebwerken gewählt werden, Bristol ?Mercury VII?, Hispano-Suiza HS-12Ydrs und Gnome-Rhone GR-14Kjrs. Die Höchstgeschwindigkeit sollte bei voller Last bei 397 km/h liegen, die errechnete Reichweite bei 1.650 km ohne Bombenlast und 1.200 km bei maximaler Bombenlast. Es war auch die Möglichkeit vorgesehen, im Bombenschacht einen 2.000 Liter Zusatztank einzubauen, damit erhöhte sich die Reichweite auf 2.850 km. Das Flugzeug erregte internationales Aufsehen, aber die erwarteten Aufträge blieben aus. Erst am 7.Dezember 1936 unterschrieb der niederländische Verteidigungsminister H. Koilen eine Bestellung von 16 Exemplaren, allerdings ohne den Bau eines eigentlichen Prototyps. Die T.V war ein fünfsitziger, zweimotoriger Mitteldecker mit voluminösem Kastenrumpf und einziehbarem Heckradfahrwerk. Der Rumpf nahm den Bombenschacht und die Tanks auf. Er verfügte über einen verglasten Bug ? und Heckstand. Im Bugstand war eine 20 mm Maschinenkanone ?Soloturn? installiert und wurde vom Bombenschützen bedient. Der Heckstand verfügte über ein schwenkbares 7,92 mm Maschinengewehr FN Browning. Zwei weitere 7,92 mm Maschinengewehre waren in der Rumpfmitte an zwei Fensterlafetten installiert und ein weiteres konnte durch eine Luke auf dem Rumpfrücken in Stellung gebracht werden. Der Rumpf war eine Stahlrohrkonstruktion, die bis hinter die Tragflächen mit Sperrholz verkleidet war, das Heck war mit Stoff bespannt. Die zweiholmigen Tragflächen, wobei die Holme durch den Rumpf hindurchgingen, bestanden aus einem rechteckigen Tragflächenmittelstück, das die Motoren trug. Die trapezförmigen Außenflügel verfügten über abgerundete Endkappen und trugen die Querruder, die eine stoffbespannte Leichtmetallkonstruktion waren. Das Tragflächenmittelstück hatte das Profil NACA 23017, während die Außenflügel das Profil NACA 23009 erhielten. Die Holme bestanden aus Leichtmetall, während die Rippen aus mit Phenolharz getränktem Preßholz bestanden. Die Tragflächen waren ebenfalls mit Sperrholz verkleidet. Das Leitwerk war eine mit Sperrholz verkleidete Holzkonstruktion, wobei die Höhenflosse durchgehend war und auf dem Rumpf aufsaß. Zum Rumpf hin war sie zu jeder Seite mit einer V-Strebe abgefangen. Die Höhenruder waren eine stoffbespannte Leichtmetallkonstruktion. Die beiden fast kreisrunden sperrholzverkleideten Endscheiben trugen stoffbespannte Seitenruder. Das einrädrige Hauptfahrwerk wurde hydraulisch nach hinten in die Motorverkleidung eingefahren, das Heckrad war nicht einziehbar, konnte aber am Boden um 120° geschwenkt werden.
Fokker T. V (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz Fokker T.V
Am 16. Oktober 1937 hob unter Fokker Testpilot Emil Meinecke die erste T.V in Amsterdam-Schiphol zu ihren Erstflug ab, der eigentlich problemlos verlief, lediglich die Steuerkräfte wurden als zu hoch bemängelt. Am 14. Februar 1938 wurden die ersten Maschinen offiziell auf dem Flugplatz Susterberg an die BomVa (Bombardement Vliegafdeeling), der einzigen niederländischen Bomberstaffel übergeben. Bis Ende des Jahres waren dann zehn Maschinen, die die taktischen Nummern 851-860 trugen, in Dienst gestellt. Bis Ende 1939 waren dann alle 16 bestellten Maschinen ausgeliefert. Im Einsatz zeigten die Maschinen doch deutliche Schwächen, die Hamilton Verstellpropeller funktionierten nicht zuverlässig und die Bristol ?Mercury? verloren sehr viel Öl. Dazu kam der niedrige Ausbildungsstand der niederländischen Bomberpiloten. Die Flugleistungen entsprachen ebenfalls nicht den Erwartungen, so daß die niederländische Regierung Gespräche mit Deutschland über die Lieferung von 24 Dornier Do 215 aufnahm, die aber wegen des Kriegsbeginns dann nicht erfolgreich beendet wurden. Bei Fokker rüstete man die T.V Nummer 857 versuchsweise mit Gnome Rhone Motoren GR-14N aus. Die erreichte Höchstgeschwindigkeit lag bei 444 km/h, die Gipfelhöhe bei 8.800 m und die maximale Reichweite bei 1.630 km. Diese Ergebnisse führten dazu, bei Fokker eine Weiterentwicklung der T.V zu beginnen, die T.IX, die aber eine fast komplette Neukonstruktion darstellte. Bei Kriegsbeginn war ein Prototyp in Bau. Die erwarteten Exportaufträge blieben aus, obwohl Schweden, Finnland und Rumänien anfangs Interesse gezeigt hatten. Beim deutschen Einmarsch am 10. Mai 1940 waren nur 9 T.V einsatzbereit, die gegen die deutschen Flugplätze eingesetzt wurden. So gelang auf dem Flugplatz Waalhaven die Zerstörung und Beschädigung von etwa 30 dort abgestellten Ju 52. Weitere Angriffe richteten sich gegen die von den deutschen Truppen eroberten Maas-Brücken. Nach der niederländischen Kapitulation war lediglich noch eine T.V, die Nummer 859, vorhanden, die nach der Erprobungsstelle Rechlin gebracht wurde, wo sie bis Anfang 1941 mit deutschen Kennungen vorhanden war. Sämtliche anderen Maschinen waren vernichtet worden, wobei zwei Maschinen von der eigenen niederländischen Flak abgeschossen wurden.
Fokker T. V (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten : Fokker T.V
Land: Holland
Verwendung: Bombenflugzeug
Triebwerk: 2 luftgekühlte 9-Zylinder-Stern-Motoren Bristol ?Pegasus XXVI? mit verstellbaren Dreiblatt-Metall-Propellern Hamilton Standard
Startleistung: je 925 PS (680 kW)
Dauerleistung: je 830 PS in 3.000 m ( 610 kW)
Besatzung: 5 Mann
Erstflug: 16. Oktober 1937
Spannweite: 21,00 m
Länge: 16,00 m
größte Höhe: 4,23 m
Flügelfläche: 66,20 m²
V-Stellung: 8,5°
Spurweite: 3,60 m
Propellerdurchmesser: 3,0 m
Propellerfläche: 7,31 m²
Flügelstreckung: 6,66
Leermasse: 4.650 kg
Startmasse normal: 7.250 kg
Startmasse maximal: 7.650 kg
Kraftstoff: 1.500 Liter
Flächenbelastung: 115,6 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,14 kg/PS (5,63 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 397 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 417 km/h
Reisegeschwindigkeit in 4.000m: 335 km/h
Landegeschwindigkeit: 130 km/h
Gipfelhöhe: 8.550 m
Steigleistung: 6,75 m/s
Steigzeit auf 1.000m: 2,5 min
Steigzeit auf 5.000m: 17,5 min
Reichweite normal mit 1.000 kg Bomben: 1.200 km
Reichweite normal mit 800 kg Bomben: 1.550 km
maximale Flugdauer: 5,00 h
Startstrecke: 740 m
Landestrecke: 800 m
Bewaffnung: 1 x 20 mm Maschinenkanone ?Soloturn? mit 120 Schuss und vier 7,92 mm Maschinengewehre FN Browning mit je 600 Schuß
Bombenlast maximal: 1.000 kg
Bombenlast normal: 800 kg
Text: Eberhard Kranz

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