Autor: ek

Fokker S.14 Mach-Trainer

Fokker S.14 Mach-Trainer
Ende der 1940er Jahre beauftragte die Königliche Niederländische Luftwaffe Fokker mit der Entwicklung eines strahlgetriebenen Schulflugzeuges für die Ausbildung zukünftiger Jet-Piloten. Mitte 1948 begann man sich bei Fokker intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Es war absolutes Neuland, das hier betreten wurde, denn spezielle strahlgetriebene Schulflugzeuge gab es nicht, als Kompromiss waren zweisitzige Versionen von den Kampfmaschinen abgeleitet worden, nur waren diese alles andere als schülerfreundlich. Bei Fokker entwickelte man einen Ganzmetalltiefdecker mit einem trapezförmigen Knickflügel und zentralem Lufteinlauf. Der Rumpf war sehr geräumig, da man sich entschied, die Sitze für Schüler und Lehrer nebeneinander anzuordnen. Zur Trainerausstattung gehörten Doppelsteuerung und Schleudersitze.
Fokker S.14 Mach-Trainer (Archiv: Eberhard Kranz)
Auslegung der Fokker S.14
Der Rumpfquerschnitt war kreisrund. Im Rumpfmittelteil über dem Lufteinlaufkanal war der Haupttank untergebracht. Am hinteren Rumpf waren zwei hydraulisch ausfahrbare seitliche Luftbremsen mit einer Fläche von je 0,52 m² angebracht, welche die Landestrecke deutlich verkürzten. Das Leitwerk war als Normalleitwerk ausgelegt, wobei die Höhenruder hinter den Seitenruder lagen, um das Risiko auszuschließen, dass die Maschine durch eine fehlerhafte Bedienung, was bei einem Anfängertrainer nicht auszuschließen ist, weniger leicht ins Trudeln gerät. Die Tragfläche war eine dreiteilige Ganzmetallkonstruktion und bestand aus dem durchgehenden zweiholmigen Tragflächenmittelstück, welches das Hauptfahrwerk aufnahm und eine leichte V-Stellung von plus 1,5 Grad besaß. Die beiden Außenflügel trugen die ebenfalls als Ganzmetallkonstruktion ausgeführten Querruder, während die Landeklappen vom Tragflächenmittelstück bis 25 Prozent in den Außenflügel reichten. Das robuste Fahrwerk war hydraulisch einziehbar, wobei das Hauptfahrwerk in die Tragflächen eingezogen wurde. Das Bugrad wurde nach vorn in den Rumpfbug unter den Lufteinlauf eingezogen. Das Bugrad war um 45 Grad lenkbar und verfügte wie das Hauptfahrwerk über hydraulische Bremsen. Als Bewaffnung hatte man zwei 20 mm Kanonen Hispano Suiza im Rumpfbug neben dem Lufteinlauf eingebaut. Über dem Lufteinlauf befand sich ein Foto-MG zur Dokumentation der Schießergebnisse. Als Triebwerk sah man ein Rolls Royce Derwent 8 vor, das sich bereits im Einsatz bei den britischen Gloster Meteor Jagd- und Trainingsflugzeugen hundertfach bewährt hatte. FN in Herstal erwarb von Rolls Royce die Lizenz und sollte die Triebwerke für den Mach-Trainer liefern.
Fokker S.14 Mach-Trainer (Archiv: Eberhard Kranz)
Flugerprobung und Einsatz Fokker S.14 Mach-Trainer
Der Erstflug der als Mach-Trainer Mk.I bezeichneten Maschine fand am 20. Mai 1951 statt. Die anschließende Flugerprobung verlief zügig und wurde bereits Anfang 1952 abgeschlossen. Daraufhin erteilte die Königlich Niederländische Luftwaffe einen Auftrag über 20 S.14 Maschinen, die ab Februar 1955 in Dienst gestellt wurden. Nach dem Bau von 12 Maschinen mit dem Rolls Rolls Royce Derwind Triebwerk, baute man in die dreizehnte Maschine versuchsweise das stärkere Rolls Royce Nene 3 Triebwerk ein, das über einen Standschub von 2.310 kp verfügte. Der Einbau in den geräumigen Rumpf bedurfte nur einiger kleiner konstruktiver Änderungen. Die Flugleistungen stiegen deutlich, die Maschine war wesentlich flotter unterwegs, was bei Fokker zum Gedanken eines Einsatzes als einsitzige Erdkampfmaschine führte, die gerade von verschiedenen Luftwaffen in den Entwicklungsländern gesucht wurde.
Fokker S.14 Mach-Trainer (Archiv: Eberhard Kranz)
Die Fokker S.14 wurde nur durch Holland beschafft
Die als Mach-Trainer Mk.II bezeichnete Maschine wurde von der holländischen Luftwaffe ausgiebig getestet und mit den bisher gelieferten Mk.I verglichen. Dann entschied man, die restlichen sieben bestellten Flugzeuge als Mk.II bauen zu lassen. Bei Fokker startete man nun eine großangelegte Verkaufsoffensive, besonders in Mittel- und Südamerika hoffte man auf Aufträge für den Mach-Trainer Mk.II. Die brasilianische Luftwaffe interessierte sich sehr für die Maschine, da sie nun auch als leichter Erdkämpfer mit acht Unterflügelstationen für ungelenkte Raketen und leichte Bomben einsetzbar war. Doch die Pläne wurden nicht verwirklicht, statt dessen erwarb die brasilianische Luftwaffe billig angebotene gebrauchte T-33 Trainer der US Air Force. Auch der Versuch der Firma Fairchild, die S.14 an die USAF als Trainer zu verkaufen, scheiterte, so dass die Niederlande der einzige Betreiber der S.14 blieben. Ab 1962 wurden fünf S.14 an die niederländische Luftfahrtversuchsanstalt abgegeben. 1968 schieden die letzten S.14 aus dem aktiven militärischen Dienst aus.
Cockpit, Fokker S.14 Mach-Trainer (Archiv: Eberhard Kranz)
Fast alle Fokker S.14 wurden verschrottet
Daraufhin wurden alle Maschinen, die noch bei der Luftwaffe verblieben waren, verschrottet. Von den Maschinen der Luftfahrtversuchsanstalt blieben drei Exemplare erhalten, die heute in Museen oder Flughafenempfangsgebäuden stehen. Eine S.14 stand am Eingang der Fokker Flugzeugwerke. Mit deren Schließung wurde auch diese S.14 verschrottet. Insgesamt wurden 21 S.14 gebaut, von denen zwei durch Abstürze verloren gingen. Die Fokker S.14 ist bis heute das einzige niederländische strahlgetriebene Militärflugzeug geblieben.
Fokker S.14 Mach-Trainer (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Fokker S.14 Mach-Trainer Mk.I
Land: Niederlande
Verwendung: Strahltrainer
Triebwerk: ein in Lizenz gefertigtes Strahltriebwerk Rolls Royce Derwent 8
Startleistung: 1.574 kp Schub (15,44 kN)
Dauerleistung: 1.400 kp in 5.000 m (13,73 kN)
Baujahr: 1955
Besatzung: 2 Mann
Erstflug: 20. Mai 1951
Spannweite: 12,00 m
Länge: 13,30 m
größte Höhe: 4,70 m
Spannweite Höhenleitwerk: 4,85 m
Radstand: 4,38 m
Spurweite: 5,56 m
Flügelfläche: 31,80 m²
V-Form der Außenflügel: +4,5°
Flügelstreckung: 4,53
Massen: tbd
Leermasse: 3.970 kg
Startmasse normal: 5.550 kg
Startmasse maximal: 5.820 kg
Tankinhalt: 1.260 Liter
Flächenbelastung: 183,0 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,70 kg/kp (0,33 kg/N)
Leistungen: tbd
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 812 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 861 km/h
Marschgeschwindigkeit in 9.000 m: 780 km/h
Landegeschwindigkeit: 145 km/h
Gipfelhöhe: 12.900 m
Steigleistung: 27,7 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 39 s
Steigzeit auf 3.000 m: 2,2 min
Reichweite normal: 795 km
Reichweite maximal: 910 km
Flugdauer: 1,25 h
Startstrecke auf 15 m Höhe: 730 m
Landestrecke mit ausgefahrenen Luftbremsen: 410 m
Bewaffnung: zwei 20 mm Maschinenkanonen Hispano Suiza (Lizenz FN) mit je 100 Schuss. Bombenlast: acht 10 kg Splitterbomben oder acht ungelenkte 75 mm Luft-Boden-Raketen
Text und technische Daten: Eberhard Kranz

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