Autor: ek

Fokker F.XXXVI Arend

Fokker F.XXXVI Arend
1930 startete die KLM mit der Flugverbindung von Amsterdam nach Batavia, dem heutigen Jakarta. Diese Flugverbindung wurde so gut angenommen, dass man sich im KLM Vorstand Gedanken machte, das Angebot zu vergrößern. Dies war durch den Einsatz von größeren Flugzeugen für mehr Passagiere möglich. So kam es am 6. Juni 1932 zu einem ersten Treffen zwischen Anthony Fokker und Albert Plesman, dem Direktor der KLM, bei dem man über die Möglichkeit des Baus eines großen viermotorigen Verkehrsflugzeuges sprach. Im September 1932 konnte Fokker bereits konkrete Zahlen und Entwürfe vorlegen. Die Maschine hatte die Bezeichnung F.XXXVI bekommen, eine dem Marketing geschuldete Nummer (32 Passagiere und vier Mann Besatzung = 36), mit den wirklich gebauten Flugzeugtypen war man erst bei XXII angekommen.
Plesman akzeptierte dem Entwurf des neuen Flugzeuges und versprach Fokker die Abnahme von sechs Exemplaren.
Der Preis sollte 73.000 US-Dollar pro Stück betragen. Daraufhin begann Fokker mit der Konstruktion und dem Bau der Maschine. Die F.XXXVI war ein Schulterdecker mit ovalem Rumpfquerschnitt in Gemischtbauweise mit freitragendem Normalleitwerk und festem Heckradfahrwerk. Das feste Fahrwerk war notwendig geworden, da die riesigen Räder mit 1,78 m Durchmesser sich nirgends unterbringen ließen. Diese Radabmessung war wegen der vielen unbefestigten Zwischenlandeplätze auf dem Weg nach Batavia gewählt worden. Die vier Wright Cyclone Sternmotoren hatten zur Reduzierung des Luftwiderstandes NACA Hauben erhalten, die zwischenzeitlich durch Townend Ringe ersetzt wurden. Das Flugzeug war in Gemischtbauweise ausgeführt, der Rumpf bestand aus einem Stahlrohrgerüst das mit Stoff verkleidet war, während die Tragflächen reine Holzkonstruktionen waren. Typisch für Fokker war der Anschluss der Tragflächen an das Rupfgerüst mittels vier Bolzen, das eine schnelle Montage und Demontage der gesamten Tragfläche ermöglichte. Die Tragfläche erhielt große Landeklappen, neu waren für Höhen- und Seitenruder am Boden einstellbare Trimmklappen.
Die Ausstattung war luxuriös, deshalb nannte man die Maschine auch das fliegende Hotel, die vier Kabinen hatten je acht Sitzplätze auf zwei Doppelcouchs an den Rumpfseiten.
Jeder Platz verfügte über eine individuell einstellbare Frischluftdusche über die aber auch von den Motoren erzeugte Warmluft eingeblasen werden konnte.
Die Kabinen waren so gut schallisoliert, dass man sich normal unterhalten konnte. Hinter den Passagierkabinen befanden sich zwei Toiletten und bei der Eingangstür eine Garderobe. Die Gepäckräume befanden sich in der Tragfläche.
Bei Nachtflügen konnten die Couchs in vier Schlafplätze verwandelt werden. In dieser Konfiguration konnten nur 16 Passagiere befördert werden.
Die Besatzung (zwei Piloten, ein Funker und ein Bordingenieur) waren im separaten Cockpit untergebracht, das über zwei Betten verfügte, so dass sich immer zwei Besatzungsmitglieder bei den langen Flügen erholen konnten.
Übrigens saßen die beiden Piloten hintereinander, um dem Captain bei Start und Landung die beste Sicht nach beiden Seiten zu gewähren.
Neu war auch die Ausstattung mit einer Bordküche für den Stewart, die sich hinter dem Schott des Cockpits befand.
Der Erstflug fand am 22.Juni 1934 statt und dauerte nur fünf Minuten, weil es durch Schwingungen zu einer Beschädigung kam. Nach der Reparatur fand am 26.Juli 1934 der zweite Flug ohne Beanstandung statt Am 27.August 1934 erhielt die F.XXXVI ihre Zulassung PH-AJA.
Inzwischen hatte A. Plesman dir Ausrüstung der KLM mit der Douglas DC2 beschlossen und war an der F.XXXVI nicht mehr interessiert. Auch die mündlich zugesagten sechs Maschinen wurden nicht gebaut, was zu massiven Verstimmungen zwischen Fokker und der KLM führte. Ab dem 27.März 1935 übernahm die KLM die Maschine in den innereuropäischen Liniendienst, nach Batavia ist sie nie geflogen.
Kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde sie an Scottish Aviation verkauft und dort als G-AFZR registriert, wo sie auf der Strecke von Edinburgh nach London fliegen sollte.
Bei Kriegsbeginn beschlagnahmte die Royal Air Force die F.XXXVI und setzte sie als fliegendes Klassenzimmer bei der Navigatorenschulung ein. Am 21.Mai 1940 kam es in Prestwick zu einem Unfall, bei dem die Maschine schwer beschädigt wurde. Eine Reparatur war unmöglich, sodass die F.XXXVI verschrottet wurde.
Eine projektierte F.XXXVII mit Einziehfahrwerk wurde nicht realisiert.
Fokker F.XXXVI Arend (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Fokker F.XXXVI Arend
Verwendung: Verkehrsflugzeug
Baujahr: 1934
Besatzung: 4 Mann
Passagiere: 32 als Nachtliner 16
Triebwerk: vier luftgekühlte 9 Zylinder Sternmotoren Wright Cyclone F2 mit Dreiblatt-Metall-Verstellpropeller Hamilton Standard
Startleistung: je 750 PS (552 kW)
Dauerleistung: je 700 PS (515 kW) in 3.500 m
Spannweite: 33,00 m
Länge: 23,60 m
Größte Höhe: 8,30 m
Propellerdurchmesser: 3,34 m
Propellerfläche: 8,76 m²
Spurweite: 6,70 m
Flügelfläche: 172,00 m²
V-Form: 4,66°
Flügelstreckung: 6.33
Leermasse: 9.900 kg
Startmasse normal: 16.500 kg
Startmasse maximal: 17.350 kg
Tankinhalt: 3.620 Liter
Flächenbelastung: 100,87 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,78 kg/PS (7,85 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 282 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.500 m: 315 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.500 m: 240 km/h
Landegeschwindigkeit: 120 km/h
Gipfelhöhe: 4.800 m
Steigleistung: 5,6 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 14,0 min
Reichweite normal: 1.550 km
Reichweite maximal: 1.800 km
Flugdauer: 8 h

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