Autor: ek

Fieseler Fi 256

Fieseler Fi 256
Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges begann man sich bei Fieseler mit einer gründlichen Überarbeitung der Fi 156 ?Storch? zu beschäftigen, wobei man in erster Linie an eine größere zivile Ausführung dachte.
Die dazu notwendigen Veränderungen hatte man an der Fi 156 V1, Werknummer 601, mit der zivilen Registrierung D-IBXY, die noch in Kassel vorhanden war getestet.
Schnell stellte sich heraus, dass es ein völlig neues Flugzeug geben würde, das sich wesentlich von der Fi 156 unterschied.
Die Maschine war für fünf Personen ausgelegt, einen Piloten und vier Fluggäste, die jeweils zu zweit nebeneinander in bequemen Sesseln saßen.
Von der Grundkonzeption der Fi 156 hatte man beibehalten, ein abgestrebter Hochdecker mit Kurzstart- und ?landeeigenschaften in Gemischtbauweise, festem, robusten Heckradfahrwerk und Normalleitwerk.
Charakteristisch für das Fahrwerk waren die abgewinkelten Hauptfahrwerksbeine mit langhubigen ölgedämpften Federbeinen.
Als Hochauftriebshilfen waren automatische Vorflügel über die gesamte Flügellänge und hochwirksame Spaltlandeklappen hinzugekommen. Die Querruder konnten bis zur Hälfte des unteren Ausschlages zur Auftriebserhöhung verwendet werden.
Der Tragflügel war eine Ganzholzkonstruktion mit Sperrholzbeplankung, die Ruder waren stoffbespannt. Nach Prüfung der Unterlagen erteilte das Technische Amt des Reichsluftfahrministeriums einen Bauauftrag über zwei Prototypen.
Da Fieseler mit der Fertigung der Fi 156 ?Storch? ausgelastet war und die neue Fi 256 als Zivilflugzeug nur über eine niedrige
Dringlichkeitsstufe verfügte, dauerte es bis zum Sommer 1941, ehe die Fi 256 V1 aus dem Musterbau kam.
Am 9.Juli 1941 führte Willi Fiedler dann in Kassel den Erstflug durch. Schon hier zeigte sich eine Reihe von unerwarteten Problemen.
Die Ergebnisse der folgenden Versuchsflüge führten dann zu einer völligen Überarbeitung des gesamten Entwurfs.
Leitwerk und Fahrwerk, bei der Erprobung hatte es einen Fahrwerksbruch gegeben, wurden völlig überarbeitet. Das Höhenleitwerk wurde vom Seitenleitwerk wieder nach unten an den Rumpf verlegt und der gesamte Fahrwerksaufbau verstärkt.
Die Fi 256 verlor dadurch zum Teil die sagenhaften Flugeigenschaften der Fi 156 und wurde wieder mehr zu einem konventionellen Flugzeug.
Um eine entgültige Bewertung durchführen zu können, bevor man die für 1943 geplanten Serienfertigung begann, bestellte das RLM Anfang 1942 eine Nullserie von 13 Maschinen, von denen sechs bei Fieseler in Kassel und sieben bei der Firma Schwade in Erfurt gebaut werden sollten.
Die Auslieferung verzögerte sich wegen der geringen Dringlichkeit immer mehr, so dass erst Anfang 1944 die ersten Nullserienmuster zur weiteren Erprobung zur Verfügung standen.
Mittlerweile hatte sich die Kriegslage drastisch geändert und die Fi 256 war überflüssig geworden. Die Erprobung wurde nicht mehr abgeschlossen und der Serienbau abgesagt.
Die schon gebauten Maschinen wurden als Reiseflugzeuge für verschiedene Stäbe verbraucht.
Die französische Firma Morane-Saulnier war übrigens entgegen häufiger Behauptungen in der Literatur in keiner Weise am Projekt Fi 256 beteiligt.
Fieseler Fi 256 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Fieseler Fi 256
Verwendung: kurzstartfähiges Mehrzweckflugzeug
Baujahr: 1941
Besatzung: 1 Mann
Passagiere: 4 Personen
Triebwerk: ein luftgekühlter hängender Achtzylinder Reihenmotor Argus As 10C/P Major mit verstellbarem Zweiblatt-Holz-Propeller
Startleistung: 240 PS (177 kW)
Dauerleistung: 200 PS (148 kW) in 3.000 m
Spannweite: 14,90 m
Länge: 9,70 m
größte Höhe: 2,48 m
Propellerdurchmesser: 2,30 m
Propellerfläche: 4,15 m²
Spurweite: 3,40 m
Flügelfläche: 22,6 m²
V-Form: 1,5°
Streckung: 9,82
Flügeltiefe: 1,70 m
Leermasse: 995 kg
Startmasse normal: 1.575 kg
Startmasse maximal: 1.860 kg
Tankinhalt: 200 Liter
Kraftstoffverbrauch: 37,6 Liter/h
Flächenbelastung: 82,3 kg/m²
Leistungsbelastung: 7,75 kg/PS (10,52 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 175 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 186 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 155 km/h
Landegeschwindigkeit: 72 km/h
Gipfelhöhe: 5.600 m
Steigleistung: 6,2 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,25 min
Steigzeit auf 3.000 m: 12,5 min
Reichweite normal: 480 km
Reichweite maximal: 750 km mit reduzierter Nutzlast
Flugdauer: 3,5 h

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